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Skerbersdorfer gewinnen die Olympiade

Die Mannschaften werden für die Olympiade beim Dorffest in Pechern eingewiesen.
Die Mannschaften werden für die Olympiade beim Dorffest in Pechern eingewiesen. FOTO: amz1
Pechern. Erst im Jahr 2020 finden die nächsten Olympischen Sommerspiele statt. Solange wollen die Pecherner aber nicht warten. amz1

Bereits am ersten Juli-Wochenende hat der örtliche Heimatverein im Rahmen seines Sommerfestes eine Olympiade auf die Beine gestellt. Bei diversen Gaudi-Wettkämpfen soll das beste Dorf innerhalb der Gemeinde Krauschwitz ermittelt werden. Am Ende machen lediglich zwei Mannschaften den Sieg unter sich aus. Die Skerbersdorfer Jungs haben die Nase hauchdünn vorn. Gastgeber Pechern muss sich mit dem Silberplatz zufriedengeben.

Vier Leute bilden jeweils eine Mannschaft. Fünf Disziplinen sind zu bestreiten. So einfach sind die Regeln für die erste Olympiade der Krauschwitzer Dörfer. Dabei geht es allerdings nicht um Leichtathletik, Boxen oder Kanuwettbewerbe auf der Neiße, sondern um originelle Ausscheide. Die hat sich das Vorbereitungsteam des Heimatvereins unter Marco Fleischer ausgedacht.

Im Angebot sind unter anderem das "Klowerfen" und das "Erbsentreffen". Während bei ersterem ein flüssigkeitsbefüllter Beutel durch eine mehrere Meter entfernte Klobrille geworfen werden muss, ist bei den Erbsen noch mehr Geschicklichkeit gefragt. Ein Spieler steckt die runden Früchte durch ein Gefäß mit Schlauch. Kommen die Erben unten auf dem Tisch an, muss der Teamkollege die kleinen Dinger mit einem Hammer treffen. Gar nicht so einfach, finden die Mitspieler. Meistens gehen die Schläge daneben, und die Erbsen landen auf dem Festplatz hinter der Pecherner Feuerwehr.

Beim Balancierwettbewerb heißt es, verschiedene Gegenstände auf eine quadratische Platte, die an einem Faden hängt, so zu platzieren, dass sich die Platte im Gleichgewicht befindet und nichts zu Boden geht. Mal wird mit einem Gummistiefel probiert, dann mit einer Gießkanne oder mit einer Leuchte. Beim sogenannten "Kirschkernbowlen" gilt es zwei runde Holzstücke, die mit einem Strick verbunden sind, zu werfen, damit sich diese elegant auf einem Gerüst wiederfinden. "Königsdisziplin" bildet jedoch der "Kartoffel-Marathon". Zunächst klettern die Athleten über aufgestapelte Strohballen, springen dann auf Bierkästen, geben die Kartoffeln per Wurf weiter, und der letzte Teilnehmer muss die Erdknollen in einem Korb platzieren.

Am Ende haben die vier Jungs der Skerbersdorfer Mannschaft die Nase vorn. Allerdings hauchdünn, wie der Vorsitzende des Pecherner Heimatvereins, Tristan Mühl, anmerkt: "Es war eine ganz knappe Kiste." So dürfen sich die Teilnehmer aus dem Nachbardorf über das kleine, prall gefüllte Bierfass freuen. Die Skerbersdorfer unterstützen die Pecherner bei ihrem Sommerfest. Nämlich, indem sie gemeinsam mit ihren Lodenauer Kollegen das Festzelt zur Verfügung gestellt und aufgebaut hatten.

Tristan Mühl ist etwas traurig, dass zur ersten Krauschwitzer Dorfolympiade die Resonanz recht dürftig ausgefallen ist. Noch am Morgen des Wettkampftages hatte die Mannschaft aus Klein Priebus aus Arbeitsgründen abgesagt. Andere Orte gaben von vornherein ihre Nichtteilnahme bekannt. "Wir wollen alle Dörfer gewinnen", gibt Mühl die Marschrichtung für die Zukunft vor. Wann indes die zweite Auflage der Olympiade stattfinden wird, sei derzeit noch ungewiss. Wahrscheinlich werde es aber nicht jedes Jahr eine geben.

Darüber hinaus bewundern die reichlich erschienenen Sommerfestgäste die Ausstellung von Ortschronist Norbert Lehmann. Im Feuerwehrgebäude zieht die Vielfalt der Pecherner Ansichtskarten und weiterer historischer Motive die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich. Besonders spannend präsentiert sich die Geschichte der örtlichen Kohlenwerke, die im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts das Leben im Heidedorf maßgeblich mitbestimmten. Heute erinnert noch die Werkssiedlung an jene Zeit.

Doch das ist beim Sommerfest noch längst nicht alles. Mehrere Frauen des Heimatvereins führen die Mode der vergangenen 50 Jahre vor. Ältestes Model ist Helga Vogel mit ihren 80 Jahren. "Ich bin doch keine graue Maus, will auch noch schick aussehen", begründet sie ihre Teilnahme. Die Leute applaudieren. Und mehrere wollen gar nicht glauben, dass Helga Vogel ihren 80. Geburtstag bereits hinter sich hat: "Sie sieht doch viel jünger aus."