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Singende Botschafter von Weißwasser feiern Jubiläum

Gründungsvater Rainer Wetzorke dirigiert den Stadtchor zur Jubiläumsfeier im Vereinspavillon.
Gründungsvater Rainer Wetzorke dirigiert den Stadtchor zur Jubiläumsfeier im Vereinspavillon. FOTO: Ingolf Tschätsch
Weißwasser. Singen macht glücklich. Getreu diesem Motto gestaltet sich die Geburtstagsfeier des Stadtchores – mit Musik und vielen Gratulanten. Ingolf Tschätsch / igt1

"Viva la musica" stimmt der Stadtchor Weißwasser im Vereinspavillon am Sorauer Platz an. Da ist es kurz nach 11 Uhr am Sonnabend. Sollte das etwa eine Chorprobe zu solch einer ungewöhnlichen Zeit sein? Nein, es ist der musikalische Auftakt zur Feier des 40. Geburtstages. Kerstin Jebas, die Vereinsvorsitzende, begrüßt Vertreter befreundeter Vereine und Ehrengäste. Der Gemischte Volkschor Eintracht Bad Muskau, die Kreismusikschule, der Männergesangverein 1845 Bad Muskau, der Kalinka-Chor Weißwasser - sie alle sind zum Gratulieren gekommen.

Mit sieben sangesfreudigen Männern und Frauen fing 1977 alles an. Damals noch als gemischter Chor, der auf die Stadtgrenzen beschränkt war. Die Hausfrau Anette Backert und ihr Mann, der Ingenieur Dieter Jokel aus dem Tagebau Nochten, die Verkaufsstellenleiterin Helga Schneiduck, Wolfgang Hofmann aus dem Kraftwerk Boxberg und Christine Herrmann, Leiterin des Postamtes Bad Muskau, waren bei den ersten Proben mit Chorleiter Rainer Wetzorke dabei. Bis heute ist die Gemeinschaft auf 60 Akteure angewachsen. Ein Stadtkinderchor erblickte unlängst das Licht der Welt. Und eine lange Liste von Erfolgen hat sich mittlerweile angesammelt, mit denen sich der Chor auch im internationalen Maßstab einen Namen gemacht hat. Erinnert sei hier nur an die Teilnahme am Chorfestival im lettischen Riga in diesem Jahr und die legendäre Konzertreise 2014 durch Westkanada mit einem Auftritt in Calgary. Auch diese Reise ist eine gute Werbung für Weißwasser gewesen, sagt Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) in seinem Grußwort. Zwei kanadische Fans seien dadurch sogar animiert worden, Weißwasser zu besuchen. Frank Schwarzkopf, der Vorsitzende des Stadtvereins, würdigt den Chor auch aus Mitinitiator des Vereinspavillons am Sorauer Platz.

Beim musikalischen Geburtstagsfrühstück sind auch die Stimmbänder gefordert. "Helle Wasser", "Auf einem Baum ein Kuckuck saß", "Die Römer" und andere Lieder erklingen. Sigrid und Andreas Pioch singen mit. Das Ehepaar hat in Regensburg gelebt. Weil Andreas Pioch schlesische Wurzeln hat, sind sie beide in die hiesige Gegend gezogen und wohnen nun in Weißwasser. Seit zwei Jahren gehören sie dem Stadtchor an. "Obwohl in einer solchen Gemeinschaft so unterschiedliche Charaktere zusammenkommen, geht es am Ende nur um eins: das gemeinsame Singen. Das hat uns bewogen, hier mitzumachen", erklärt Andreas Pioch.

Ein Mann drückt der Feier bescheiden, aber kräftig seinen Stempel auf: Rainer Wetzorke. Ohne ihn würde es den Chor wohl nicht geben. Seine erfolgreiche Entwicklung hat er maßgeblich geprägt. Seit der Gründung 1977 bis vor rund fünf Jahren war er der künstlerische Leiter, bevor er in Lars Deke einen würdigen Nachfolger fand. So wie Rainer Wetzorke voller Leidenschaft die Sänger dirigiert, ist sofort zu spüren: Er hat sich mit Herz und Seele der Musik und dem Gesang verschrieben. Und er kann viel erzählen. So lauschen alle interessiert seinen Erzählungen über den Werdegang des Chores. Von Freund und Leid ist da die Rede, von Pleiten, Pech und Pannen und sogar einem lustigen Ausblick auf das Jahr 2037, wenn der Chor 60 Jahre alt werden dürfte.

Kerstin Jebas spricht vom Glück durch den Gesang. Für einen ganz anderen Glücksmoment haben sie und ihre Mitstreiter sowie die Gäste an diesem Geburtstag bei Mädchen und Jungen aus dem SOS-Kinderdorf Steinbach bei Moritzburg gesorgt. Zu dieser Einrichtung pflegt der Chor enge Kontakte. So begeben sich die Kinder mit einer Geldspende im Gepäck auf die Fahrt mit der Waldeisenbahn nach Kromlau. Kostenlos, denn die Eisenbahner haben ebenfalls ein Herz für die Mädchen und Jungen.