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| 18:19 Uhr

Wirtschaft
Silvio Wittig: „Heimat ist Heimat“

Der erste Rückkehrertag in Weißwasser war ein Erfolg. Mit dabei auch Jana-Cordelia Petzold und Silvia Stadale vom Krankenhaus Weißwasser. Auch der LR-Medienverlag beteiligte sich. Sandra Melcher, Personal-Teamleiterin (im Hintergrund.), stand Interessierten Rede und Antwort.
Der erste Rückkehrertag in Weißwasser war ein Erfolg. Mit dabei auch Jana-Cordelia Petzold und Silvia Stadale vom Krankenhaus Weißwasser. Auch der LR-Medienverlag beteiligte sich. Sandra Melcher, Personal-Teamleiterin (im Hintergrund.), stand Interessierten Rede und Antwort. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Weißwasser verbucht ersten Rückkehrertag als Erfolg. Über 100 Besucher in der ersten Stunde. Von Gabi Nitsche

Nach der ersten Stunde hat Andrea Stephan schon 105 Striche auf ihrer Besucherliste. „Da hat sich der ganze Aufwand echt gelohnt“, freut sich die Mitstreiterin aus dem Projektteam „Perspektive(n) Weißwasser“. Dass sie mit dieser Zahl nicht übertreibt, zeigt das Gewusel im Lesesaal der Stadtbibliothek. Über 20 Firmen beteiligen sich am ersten Rückkehrertag in Weißwasser. Alle verbindet eins – die Unternehmen suchen händeringend nach Fachleuten. Und das quer durch alle Branchen. Jana-Cordelia Petzold und Silvia Stadale vertreten heute die Farben des Kreiskrankenhauses Weißwasser als einem der größten Arbeitgeber in der Region. „Ärzte, Fachschwestern, Hebammen – wir haben Bedarf und das im gesamten Klinikverbund“, so Petzold.

Von der Idee des Rückkehrertages ist Wolf-Ulrich Marzisch total begeistert. Der Chef vom Türenwerk Hilzinger in Boxberg ist auf der Suche nach Holzmechanikern, Tischlern, Logistikern und Fachlageristen. „Wir rennen hinter jedem her“, beschreibt er die Situation. Denn auch dieses mittelständische Unternehmen hat ein Altersproblem. „Viele gehen in Rente, und die verbleibenden Mitarbeiter reichen nicht aus.“ Marzisch hofft auf qualifizierte Interessenten, sagt er. Claudia Lindner aus Weißwasser fragt nach wegen einer Stelle im Vertrieb. Doch da sind die Aussichten gering für jemanden von hier. „Wir suchen im West-Nord-Bereich“, erklärt der Geschäftsführer. Auf Jobsuche ist auch Alexander Jainz aus Weißwasser, der an der Pinnwand gerade Arbeitsangebote von hiesigen Firmen liest.

Wer bisher angenommen hat, die Sache mit den rückkehrwilligen Jugendlichen sei übertrieben, der muss sich heute eines Besseren belehren lassen. Sozusagen noch grün hinter den Ohren war so mancher Jugendliche einst gezwungen, Weißwasser zu verlassen, um Hunderte Kilometer entfernt im Westen eine Ausbildung zu finden. Wie Torsten Wolf. Der 30-Jährige wäre gern Kfz-Schlosser geworden. „Hier gab es absolut keine Möglichkeit. Ich bin als 16-Jähriger nach München. Mit dem Autoschlosser wurde es dort zwar auch nichts, ich hab dann Fleischerei-Fachverkäufer gelernt“, erzählt er. Mehrere Jahre arbeitete er in einem 200-Mann-Unternehmen, welches viele Filialen hat. „Vor fünf Jahren bin ich dann Lokführer geworden.“ Eigentlich sei er glücklich und zufrieden. „Ich bin zweifacher Papa, meine Freundin stammt aus Leipzig. Und sie würde gern mit mir nach Weißwasser kommen, wo meine Familie, meine Freunde sind. Aber das mit der Arbeit als Lokführer muss passen.“

Seinem Freund Silvio Wittig (31) geht’s ähnlich. Seit circa zehn Jahren lebt er in Vechta, verdient als Schlosser/Schweißer sein Geld. „Und das stimmt einfach. Aber die Mentalität der Leute nicht so. Heimat ist eben Heimat und der Drang, zurückzukommen groß. Und ehrlich – unsere Gegend hier ist auch schön.“ Doch Wittig wolle sich finanziell nicht verschlechtern. Und dann sei da noch die Musik. Er singt in einer Band, „und das läuft gut“.

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) ist auch vor Ort, unterhält sich mit den Unternehmensvertretern und ist angetan, dass so viele dabei sind. „Da sieht man den Notstand.“ Mit „Kind und Kegel“ zieht es auch Aranca Korch zurück nach Weißwasser. Seit 15 Jahren etwa lebt die Verwaltungsangestellte in Berlin. Sie und ihr Mann hoffen, Jobs zu finden. Ihre Freundin Marlene Hübner würde das gut finden: „Heimat ist Heimat.“

Dieser Satz trifft ebenso auf Enrico Bigon aus Kringelsdorf zu. Seit 2001 immer Hunderte Kilometer weg von Zuhause arbeitet er seit 2013 bei Bombardier in Görlitz. Er hofft, dass die Firma trotz aller negativen Nachrichten doch eine Perspektive hat. „Aber heute sind wir hier, weil der Freund meiner Schwester – ein echter Bayer – herkommen will und Arbeit braucht.“

Weißwassers Wirtschaftsförderer strahlt angesichts der vielen Besucher: „Ein Zeichen, dass die Veranstaltung nicht am Bedarf vorbei organisiert wurde. Jetzt müssen wir nur noch aufs Feedback von den Firmen warten, wie viel sich tatsächlich bewerben und eingestellt werden“, so Torsten Rennhak.

Torsten Wolf (l.) und Silvio Wittig sind der Arbeit wegen schon vor vielen Jahren in die Altbundesländer gezogen und würden gern wieder in die Heimat kommen.
Torsten Wolf (l.) und Silvio Wittig sind der Arbeit wegen schon vor vielen Jahren in die Altbundesländer gezogen und würden gern wieder in die Heimat kommen. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Kerstin Reinhold ist Ausbilderin bei Stölzle Lausitz und berichtet beim ersten Rückkehrertag Oberbürgermeister Torsten Pötzsch von den Möglichkeiten des Unternehmens.
Kerstin Reinhold ist Ausbilderin bei Stölzle Lausitz und berichtet beim ersten Rückkehrertag Oberbürgermeister Torsten Pötzsch von den Möglichkeiten des Unternehmens. FOTO: Gabi Nitsche / LR