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Kommunaler Wirtschaftshof
"Shampoo" allein hilft nicht

Mit diesem voll biologischen Schaumsystem wird in Weißwasser das Unkraut im Schnittgerinne bekämpft.
Mit diesem voll biologischen Schaumsystem wird in Weißwasser das Unkraut im Schnittgerinne bekämpft. FOTO: Nitsche
Weißwasser. Es gibt Straßen in Weißwasser, wo das Wildkraut in der warmen Jahreszeit bis zu einem halben Meter hochsteht. Das ist nicht gerade ein Hingucker und regt viele Einwohner auf. Gabi Nitsche

Das Team vom kommunalen Wirtschaftshof gibt sein Bestes im Kampf gegen die ungeliebten und ungewollten Pflanzen im Schnittgerinne, weiß Gerd Preußing, der zuständige Referatsleiter der Stadtverwaltung. Seit Mitte 2016 wird ein neues voll biologisches System eingesetzt, das aber nicht bei Regen wirkt. Mit Schaum, der aus heißem Wasser und einer Zuckerlösung besteht, wird das Unkraut besprüht. "Nach einer Woche wird erneut eingeschäumt, und dann muss fünf Tage später gekehrt werden", erklärt Preußing. Aber: Einmal drüber, dann wegkehren und gut ist, wie viele denken, funktioniere nicht.

Ob er denn mit diesem System zufrieden sei, fragte Stadtrat Hartmut Schirrock (Wir für Hier) am Montag im Bau- und Wirtschaftsausschuss. Es sei ein zweischneidiges Schwert, so Preußing. "Das System funktioniert zum Beispiel supergut auf Schulhöfen und im Stadion der Kraftwerker oder auch auf dem Friedhof. Aber mit dem Schnittgerinne haben wir Probleme." Weißwassers Gemeindestraßennetz macht 75,7 Kilometer aus. "Das Wildkraut ist oftmals zu hoch und zu viel, die Strecken sind zu lang", sodass personell nicht in der Intensität behandelt werden kann, wie es notwendig wäre. Weißwassers Budget für den Bauhof lasse keinen großen Spielraum. "Und wenn dann andere Dinge dazwischen kommen, wie jetzt das Sturmtief Xavier mit den angerichteten Schäden, die aufgeräumt werden müssen, packen wir es nicht", findet Gerd Preußing ehrliche Worte. Es brauchte einen Mitarbeiter, der nur das macht. "Wir werden an unserer Logistik für 2018 noch etwas verändern. Mal gucken. Denn ich bin von dem System an sich überzeugt und will beweisen, dass es effektiv geht."

Wie kann das Unkraut überhaupt so wuchern? Gerd Preußing: "Durch Frost bricht der Mörtel im Schnittgerinne oft auf und wird zum idealen Platz für die herumfliegenden Samen." Früher durfte Gift eingesetzt werden, das ist heute verboten. Deswegen die biologische Geschichte. Ideal wäre es, so Gerd Preußing, das kaputte Gerinne neu zu befestigen, "aber das ist eine sehr, sehr teure Geschichte und Handarbeit". In Weißwassers finanzieller Situation sei das nicht denkbar.

Hinzu kommt: Längst nicht alles Unkraut wächst auf städtischem Eigentum. Man könne nicht pauschal sagen, die Stadt Weißwasser muss da endlich etwas unternehmen, erklärt Preußing. Denn durch Weißwasser verlaufen sieben Kilometer Bundesstraße (Bautzener und Muskauer Straße), elf Kilometer Staatsstraße (Berliner Straße zum Beispiel) und 6,7 Kilometer Kreisstraßen. "Aber egal ob Wirtschaftshof oder Straßenmeisterei - das was möglich ist, wird gemacht", ist Preußing überzeugt.