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| 13:41 Uhr

Sensationsfund über Pückler-Park Bad Muskau
Aquarelle – zum Verlieben schön

Cord Panning zeigt zwei von 25 Aquarellen voin Carl Graeb, die die Stiftung im Rahmen ihrer neuen Sonderausstellung "Als Muskau königlich war" zeigen wird. Zum einen zeigt es die Schlossrampe mit den beiden Löwen, zum anderen das Neue Schloss vor seinem Umbau.
Cord Panning zeigt zwei von 25 Aquarellen voin Carl Graeb, die die Stiftung im Rahmen ihrer neuen Sonderausstellung "Als Muskau königlich war" zeigen wird. Zum einen zeigt es die Schlossrampe mit den beiden Löwen, zum anderen das Neue Schloss vor seinem Umbau. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Die Parkstiftung kann für ihre neue Ausstellung „Als Muskau königlich war“ auf einen Sensationsfund zurückgreifen. Von Regina Weiß

Am 30. August 1855 teilt Prinz Friedrich der Niederlande dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. in einem Brief mit, dass er mit Carl Graeb im Muskauer Park herumgegangen ist. Dabei habe er dem Maler „verschiedene Punkte und Gegenstände anzuweisen die ich wünsch daß er zeichnen soll. Er scheint die Sache mit Freude anzufassen und ich hoffe, daß eine hübsche und interessante Sammlung zusammenkommen wird, an der er aber rechnet drei bis vier Jahre Arbeit zu haben.“

163 Jahre später sorgt besagte Sammlung für strahlende Gesichter bei den Mitarbeitern der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Stiftungsgeschäftsführer Cord Panning kommt regelrecht ins Schwärmen. Der Parkleiter spricht von einer Sensation im internationalen Maßstab. Ein „methodischer Zufall“ habe auf die richtige Spur geführt, will Panning nicht zu sehr ins Detail gehen. Dass auch deshalb, weil mit der Leihgeberin Verschwiegenheit vereinbart wurde. Denn ein solch malerischer Schatz wecke Begehrlichkeiten...

Der Berliner Architektur- und Theatermaler Carl Georg Anton Graeb (1816-1884) war seit 1851 Hofmaler beim preußischen König. Die Schlösser von Berlin und Potsdam wurden von ihm aufs Papier gebracht. Diese fanden sich im Bestandskatalog wieder, den die Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci1986 herausgebracht hatte. Man wusste, dass auch Muskau dabei eine Rolle spielen musste. „Doch die Bilder lagen in keinem Archiv, sondern eben woanders“, deutet Panning an.

Detailreich bis in die Blattspitzen: der Blick von der Moosgalerie über den Badepark. Idylle pur.
Detailreich bis in die Blattspitzen: der Blick von der Moosgalerie über den Badepark. Idylle pur. FOTO: Regina Weiß

Die Wiederentdeckung der 74 kunstvollen Aquarelle war gleich in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn. Für die kommende Ausstellung „Als Muskau königlich war“ sowieso. Für die Stiftung, die dank des Leihgebers nun über Digitalaufnahmen der Malereien verfügt und damit wissenschaftlich arbeiten kann. Nicht zuletzt auch für den Besitzer, der nun genau weiß, was sich auf den Bildern befindet. Die waren nämlich nicht beschriftet gewesen.

25 Originale darf die Stiftung in der neuen Sonderausstellung, die ab dem 21. September und bis zum 30. Dezember im Neuen Schloss zu sehen sein wird, zeigen. Entstanden sind sie in der Zeit zwischen 1855 bis 1859. Bei der malerischen Zeitreise kann dann der Besucher nicht nur besondere Blickachsen im Park entdecken, sondern erschließt sich auch Einblicke in die Hüttenwerke von Keula und Boxberg. Cord Panning hebt dabei den Detailreichtum, die Präzision der Werke hervor. „Aquarelle, in die man sich verlieben kann. Traumhaft“, schwärmt Cord Panning. Fotografien würden dagegegn regelrecht verblassen.

Stiftungsmitarbeiterin Regina Barufke kann in diesen Lobgesang nur einstimmen. „Mir geht das Herz auf, wenn ich diese Werke sehe“, gibt sie gegenüber der RUNDSCHAU unumwunden zu. Und anderen geht es ähnlich. Die Restauratoren, die am Wochenende einen Großteil der Arbeiten gerahmt haben, sprachen von einem Gänsehautgefühl, als sie die Arbeiten in den Händen hielten.

Und es sollen nicht die einzigen Hingucker bleiben. „Es wird fantastisches Material geben, was so noch nie nach außen getragen worden ist“, so Panning. Dabei verweist er auf historische Fotoaufnahmen aus Kamenz. Schloss Kamenz – heute Kamieniec Zabkowicki in Niederschlesien – wurde nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel gebaut. Schlossherrin war Prinzessin Marianne von Preußen, die Schwester des Prinzen der Niederlande. Denn das Ansinnen der Sonderschau ist es auch, die Rolle aufzuzeigen, die Muskau zur damaligen Zeit gespielt hat. Das Schloss an der Neiße wurde quasi zur Nebenresidenz. Dass auch deshalb, weil die politische Lage in den Niederlanden damals alles andere als sicher war. Hinzu kommt, dass der Oranier-Prinz am Berliner Hof aufgewachsen war und später über eine Heirat eng mit den Hohenzollern verbunden war. Verwandtschaftliche Beziehungen bestanden außerdem zum Herrschergeschlecht der Romanovs und damit an den russischen Zarenhof.

Einziger Wermutstropfen noch vor der Eröffnung der neuen Schau ist, dass deswegen die aktuelle Sonderschau über das Schaffen der Standesherren von Arnims am 9. September ihre Pforten schließt. „Beide Ausstellungen hätten es verdient gehabt, ein Jahr zu laufen“, so Panning. Doch Fristen für Fördermittel und auch Leihgaben lassen das  nicht zu.

Das Hüttenwerk in Boxberg gehört wie das in Keula und ein Alaunwerk zu den historisch wertvollen Bildern, die dank der Leihgabe gezeigt werden dürfen.
Das Hüttenwerk in Boxberg gehört wie das in Keula und ein Alaunwerk zu den historisch wertvollen Bildern, die dank der Leihgabe gezeigt werden dürfen. FOTO: Regina Weiß