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| 03:07 Uhr

Seltene Pflaumenbäume in der Region gefunden

Grit Striese (r.) hat im Garten von Ines Witschas interessante Pflaumenbäume entdeckt, die aus dem Tagebau gerettet wurden.
Grit Striese (r.) hat im Garten von Ines Witschas interessante Pflaumenbäume entdeckt, die aus dem Tagebau gerettet wurden. FOTO: Preikschat
Reichwalde. Obstkundler entdecken die Region Rietschen und Boxberg als ein "Schatzkästlein für alte Pflaumensorten". Sogar eine bereits verloren geglaubte Sorte ist bei den Erkundungen im Tagebaurandgebiet wieder aufgetaucht. Daniel Preikschat

Manchmal setzt sich Ines Witschas in ihrem Garten in Reichwalde auf die Holzbank neben dem Obstbaum. Sie isst eine der kleinen gelben Pflaumen, schließt die Augen - und ist in Gedanken sieben Kilometer weit weg, in dem alten Garten ihrer Eltern in Viereichen. Ein Dorf, das die letzten Einwohner 1994 verlassen mussten, damit auch dort Kohle gefördert werden kann.

Kürzlich hat die Reichwalderin Besuch von Grit Striese bekommen. Im Auftrag Vattenfalls erfasst die Biologin aus Rietschen Obstbaum-Bestände, die dem Tagebau weichen müssen. Von allen Sorten, die sie im Tagebauvorfeld entdeckt, sollen einige Exemplare erhalten bleiben. An ausgesuchten Stellen im Raum Rietschen sollen Ableger gedeihen und so ein Stück Kulturerbe der Region für die Nachwelt erhalten bleiben.

In Gesprächen mit Umsiedlern hat Grit Striese erfahren, dass ihr die Arbeit teilweise schon abgenommen worden ist. Zum Beispiel vom mittlerweile verstorbenen Willi Schubert. "Mein Vater hat damals fünf Pflaumenbäume und einige Weinpflanzen aus seinem Garten mitgenommen", erzählt die Tochter Ines Witschas. Ein Stück Heimat habe er sich damals erhalten wollen. Aus Biologen-Sicht sind vor allem zwei dieser Bäume interessant. Der eine trägt gelbe Pflaumen, der andere die Sorte Marunke. Beide Sorten könnten sehr selten sein, sagt Grit Striese. Sie wird Früchte und Triebe der Bäume an Annette Braun-Lüllemann nach Thüringen schicken. Die deutschlandweit anerkannte Pflaumen-Expertin hat von ihr bereits eine ganze Reihe von Proben aus der Region Rietschen bekommen. Im Ergebnis ihrer Untersuchungen zeigte sich, dass dort "wurzelechte Pflaumenbestände relativ weit verbreitet sind". Einige Sorten gehörten sogar zu den Primitivpflaumen, die es schon in der Römerzeit gab. Am meisten entzückt hat die Obstkundlerin jedoch das Wiederauftauchen der bereits verschollen geglaubten Großen Britzer Eierpflaume, im Volksmund Marunke genannt. Das sei nichts weniger als eine "kleine pomologische Sensation". Auch die kleine Rundpflaume aus dem Raum Rietschen/Boxberg sei ein altes Original. Insgesamt sei "anzunehmen, dass die Region ein Schatzkästlein für alte Pflaumensorten" sei. Damit sei sie aber auch in der Verantwortung, diese Sorten zu erhalten.

Grit Striese hat voraussichtlich noch bis Ende nächsten Jahres Zeit für das Obstbaum-Projekt. Sie hat bisher rund 50 Apfel- und um die zehn Birnensorten aus dem Tagebaugebiet mit Hilfe von erfahrenen Pomologen und ausgesuchten Baumschulen nachzüchten können. Gerade bei den Pflaumen-Beständen gebe es noch einiges zu tun.