ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:35 Uhr

Seit zehn Jahren Stillstand

Bad Muskau. In der DDR werden Investitionen in die OFM Bad Muskau-Köbeln nicht genehmigt, dann kommt die Wende. Von Dr. Ottfried Rießner

Nicht genehmigt von den zuständigen DDR-Organen werden hingegen in den 80er-Jahren Investitionen, die es ermöglichen sollten, weißes Thermodruckpapier herzustellen. Der seiner Zeit stetig steigende Bedarf dieses Produktes insbesondere für die sich weltweit verbreitende Fax-Telekommunikation hätte sicher bis zur Jahrtausendwende in der Bad Muskau-Köbelner Papierfabrik zu guten Verkaufsergebnissen führen können.

Im Zuge einer weiteren Zentralisierung der DDR-Wirtschaft entscheidet das zuständige wirtschaftsleitende Organ, der VEB Kombinat Zellstoff und Papier in Heidenau/ Sachsen (seit 1979 Rechtsnachfolger der VVB Zellstoff, Papier, Pappe), ab 1. Januar 1982 die Zuordnung der OFM zur Papierfabrik Penig/ Sachsen unter dem Namen “Oberlausitzer Feinpapierfabrik Bad Muskau, Werk des VEB Papierfabriken Penig„ (seit dem 1. Januar 1961 trägt Muskau den Namenszusatz “Bad„). In der Peniger Zeit wird als Beitrag zur DDR-Planauflage “Konsumgüterproduktion„ 1988/ 89 die Produktion von Backpapier (=silikonbeschichtetes Papier) aufgenommen.

Die friedliche deutsche Wiedervereinigung im Jahre 1990 ist ein historischer Glücksfall. Für die Feinpapierfabrik in Bad Muskau-Köbeln wird es wie für viele ostdeutsche Betriebe jedoch zum Schicksalsjahr.

Zunächst löst sich OFM zum 1. März 1990 aus dem Peniger Betriebsverband und nimmt ab 1. Juni 1990 als GmbH den Geschäftsbetrieb auf. Gesellschafter ist die Treuhandanstalt (Abk.: THA). Die anfänglich interessierten Alteigentümer, die Papierfabriken Julius Glatz in Neidenfels und Schoeller & Hoesch in Gernsbach, lehnen am 7. Dezember 1990 eine Reprivatisierung ab.

Ende 1990 sind die Büchelabteilung, die Flexodruck- und Beschichtungsanlage sowie die Anlage 1 auf Grund der plötzlich weggebrochenen Märkte stillgelegt. Die OFM-Belegschaft ist von etwa 300 auf 125 Mitarbeiter reduziert. Anstelle der in DDR-Zeiten in den Betrieben wirksamen SED- und Gewerkschaftsgruppen konstituiert sich am 19. April 1990 der erste frei gewählte Betriebsrat.

18. Juli 1991 - Hoffnung kommt auf. Gerd Horsch erwirbt von der THA die Oberlausitzer Feinpapierfabrik Bad Muskau GmbH. In der Hauptsache wird auf der Anlage 2 und Ende 1992 für einige Monate auch auf der Anlage 1 Zigarettenpapier für die Zigarettenfirmen Philipp Morris, Reemtsma, BAT sowie für den Export nach Osteuropa gefertigt. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bücherei in Leipzig entwickelt und produziert OFM 1992 bis 1995 ein Spezialpapier für die Restaurierung alter Schriften und Druckerzeugnisse nach dem Spaltverfahren. Trotz intensiver mannigfaltiger Bemühungen verschlechtert sich vor allem wegen des erhöhen Preisdruckes die Auftragslage. Neue Absatzmärkte können in kurzer Zeit nicht gewonnen werden. Erforderliche Investitionen sind aus finanziellen Gründen nicht realisierbar. Seit Anfang 1994 arbeitet die Anlage 2 nur noch im 3-Schicht-Rhythmus. Ende 1994 zählt OFM 68 Mitarbeiter. Als Konsequenz dieser Situation muss Gerd Horsch als geschäftsführender Gesellschafter am 9. Dezember 1994 die Eröffnung des Gesamtvollstreckungsverfahrens beantragen. Harald Bußhardt wird als Verwalter eingesetzt. Erneut beginnt unter seiner Leitung die Suche nach einem geeigneten Käufer für die OFM.

Den Zuschlag erhalten Antojo Kowara und Tilo Wachs. Die Bad Muskau-Köbelner Papierfabrik heißt nun ab 1. September 1996 “Oberlausitzer Feinpapierfabrik GmbH„ und produziert im Wesentlichen wie seit 1991 nur Zigarettenpapier. Mit weiterem Personalabbau, insbesondere beim leitenden Fachpersonal, sollen Fertigungskosten gesenkt werden. Begonnen wird mit 54 Personen, nach kurzer Zeit muss jedoch personell aufgestockt werden. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wird OFM zahlungsunfähig. Ein Gläubiger beantragt am 2. März 2000 die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Am 18. April wird in der traditionsreichen Bad Muskau-Köbelner Papierfabrik bislang zum letzten Mal auf Anlage 2 Zigarettenpapier hergestellt. Seitdem steht der Betrieb still.

Mit Kaufvertrag vom 3. August 2000 veräußert die beauftragte Verwalterin Hannelore Krüger-Knief die OFM an Ahmad Rowshandel. In der neuen “ofm Feinpapierfabrik GmbH„ sind von 2002 bis 2007 unter Leitung von Walter Reichelt vier Handwerker damit beschäftigt, durch entsprechende Wartungs- und Reparaturarbeiten einen Wiederanlauf der Maschinen vorzubereiten.

Für die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist “ihre„ Köbelner Papierfabrik nach dem Arbeitsplatzverlust vor 10 bis 20 Jahren nicht vergessen. Die Frage: Wann wird endlich in Köbeln wieder produziert? - kann wohl auch am 23. Juli 2010 zum Treffen der ehemaligen OFM-Belegschaft leider noch immer nicht beantwortet werden.

Der Autor bedankt sich herzlich bei Peter Strobl (Enkel von Hermann Colombo) und Walter Reichelt für die Unterstützung bei der Erarbeitung des Beitrages.