| 02:38 Uhr

Autobahn
Sechs Spuren – und das schnell

Marko Schiemann (M.) und Stephan Meyer bauen für ihr Anliegen auf die Unterstützung des Leiters der Polizeidirektion Görlitz, Torsten Schultze.
Marko Schiemann (M.) und Stephan Meyer bauen für ihr Anliegen auf die Unterstützung des Leiters der Polizeidirektion Görlitz, Torsten Schultze. FOTO: U. Menschner
Görlitz/Bautzen. Ostsächsische CDU-Landtagsabgeordnete gehen mit ihren Forderungen zur BAB 4 in die Offensive. Sie verlangen die Freigabe der Randstreifen in Stoßzeiten und mehr Überholverbote. Uwe Menschner /

Marko Schiemann hat die Nase voll. Und er ist nicht der Einzige: Lothar Bienst, Frank Hirche, Heinz Lehmann, Stefan Meyer, Aloysius Mikwauschk, Octavian Ursu und Patricia Wissel geht es ebenso. Sie alle haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind CDU-Abgeordnete des sächsischen Landtags und sie meinen: So wie in den letzten Jahren kann es auf der Bundesautobahn (BAB) 4 nicht weitergehen.

37 000 Fahrzeuge sind im Schnitt pro Tag zwischen Hermsdorf und der polnischen Grenze unterwegs. Für einen sechsstreifigen Ausbau wären nach den aktuell geltenden Richtlinien 70 000 erforderlich. "Ich kenne diese Zahlen. Und ich spreche ihnen jede Aussagekraft ab", erklärt Marko Schiemann. Denn: Was kann eine Durchschnittszahl schon abbilden? "Sie besagt, wie viele Fahrzeuge täglich von 0 bis 24 Uhr auf der Strecke unterwegs sind, einschließlich Sonn- und Feiertagen. Zu Spitzenzeiten - beispielsweise an den typischen Pendlerreisetagen - steigt die Belastung auf bis zu 80 000 Fahrzeuge. Und das passiert immer öfter."

So auch am vergangenen Mittwoch. Auf bis zu 30 Kilometern staute sich da der Verkehr zwischen Pulsnitz und dem Dreieck Nossen, wo die A 14 nach Leipzig von der A 4 abzweigt. Für den Bautzener CDU-Landtagsabgeordneten und seine ostsächsischen Kollegen ist das das endgültige Fanal dafür, dass sich etwas ändern muss. Und zwar schnell. "Uns ist klar, dass ein Ausbau von den gegenwärtigen vier auf sechs Streifen seine Zeit braucht. Doch wenn wir nicht mit der Planung anfangen, wird es nie. Auch nicht dann, wenn die Durchschnittszahl mal tatsächlich bei 70 000 Fahrzeugen liegt", so Marko Schiemann.

Bis es so weit ist, müsse man sich anders behelfen. Beispielsweise mit einer zeitweisen Freigabe der Randstreifen für den Fahrverkehr, wie es auf der BAB 8 bei Nürnberg bereits praktiziert wird. "Ich fordere, dass das Bundesverkehrsministerium endlich seine ablehnende Haltung zu dieser Idee aufgibt", so der Abgeordnete. Und noch eine weitere Idee hat er, die möglicherweise zur Abwendung des totalen Verkehrsinfarktes beitragen könnte: die Ausweitung der Überholverbote für Lkw.

"Das soll nach dem Abschluss der gegenwärtigen Bauarbeiten zwischen Pulsnitz und Hermsdorf getestet werden", weiß der Leiter des Autobahnpolizeireviers in Bautzen, Frank Wobst. Er und sein Chef, der Leiter der Polizeidirektion Görlitz, Torsten Schultze, befürworten die Initiative der ostsächsischen CDU-Landtagsabgeordneten. "Wir können die Fakten und Zahlen sowie unsere Erfahrungen liefern, um die Argumentation zu unterstützen", so Torsten Schultze. Und die haben es in sich: "In den letzten zehn Jahren hat sich der Verkehr zwischen Hermsdorf und der polnischen Grenze verdoppelt. Heute fahren täglich 1600 Lkw mehr auf der BAB 4 als noch vor drei Jahren." Zudem sind Lkw an weitaus mehr Unfällen beteiligt, als es ihrem statistischen Anteil an der Fahrzeugmenge entspräche. "Und im Zusammenhang mit Staus, wie wir sie immer öfter haben, sind die Folgen zumeist dramatisch", so Torsten Schultze.

Die Forderungen von Marko Schiemann und seinen Landtagskollegen gehen aber noch weiter: "Wir brauchen die rollende Landstraße von Polen bis zum Dreieck Nossen", unterstreichen sie. Dafür müsse freilich die Bahnstrecke Görlitz-Dresden elektrifiziert werden - eine weitere "Endlosbaustelle" der Bundesverkehrspolitik, bei der noch nicht einmal ein Anfang absehbar ist.

"Ja, wir müssen dicke Bretter bohren", ist sich Marko Schiemann bewusst. Dass er das kann, hat er bewiesen: "Für ,meine' Brücke habe ich 20 Jahre gebraucht, doch jetzt wird sie gebaut", sagt er mit Blick auf die Bahnunterführung der Zeppelinstraße in Bautzen. Dass der heute 62-Jährige die Realisierung all seiner Forderungen noch als politischer Funktionsträger erlebt, darf bezweifelt werden. Und da ist noch gar nicht von der besseren Anbindung der Städte Zittau, Weißwasser und Hoyerswerda an die Autobahn die Rede, die ebenfalls auf der Agenda steht. Sein Kollege Stephan Meyer hat da schon bessere Chancen - er ist erst 36 ...