Von Christian Köhler

Neugierig haben einige Radfahrer am Klittener Ufer des Bärwalder Sees am Mittwoch Halt gemacht. Kein Wunder: Ein großer Kran hat ein ganzes Haus am Haken. „Es hat eine Reise von drei tagen über Deutschlands Autobahnen hinter sich“, erzählt David Heinrich. Er ist Projektmanager beim Unternehmen Floating House und hat in den vergangenen Jahren über 150 schwimmende Häuser zu Wasser gelassen. „Es ist immer wieder ein Ereignis“, weiß er aus Erfahrung.

Von den Niederlanden bis an den Bärwalder See

Von der Werft Arcarbo in den Niederlanden hat das schwimmende Musterhaus sein Weg an den Bärwalder See gefunden. „Es dient gewisser Maßen als Ausstellungsstück für möglich Hauskäufer“, berichtet Heinrich. Denn die Häuser am Klittener Hafen sind käuflich. Wenn alles gut geht, so hofft das Unternehmen, könnten an der Marina in den nächsten Monaten insgesamt 25 Häuser auf Anker gehen – so viel Plätze sind der Firma genehmigt worden. Und das erste Haus, was am Mittwoch gesetzt wurde, soll das letzte sein, was verkauft wird.

Häuser können gekauft werden

Stolze 310 000 Euro muss man auf den Tisch legen, wenn man auf dem Bärwalder See künftig in so einem Haus zu Bett gehen will. Insgesamt gibt es allerdings vier Haustypen, die sich preislich und auch in der Größe unterscheiden – drei davon haben einen eigenen Motor und können umher schwimmen. Das, was nun am großen Schwimmsteg in Klitten platziert ist, hat keinen Motor. „Es bietet aber 44 Quadratmeter Wohnfläche“, erklärt der Floatinghouse-Mitarbeiter. Mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern und einem großen Wohnzimmer samt Gaskamin und vollausgestatteter Küche soll es jede Menge Komfort bieten. In dem Kaufpreis ist darüber hinaus alles enthalten: Strom- und Wasser- sowie Abwasseranbindung, der Liegeplatz sowie die Kosten für die Befestigung.

Floating House: „Die Häuser sind zu 100 Prozent fest verankert“

Apropos Befestigung. Während am Geierswalder See größere Probleme mit den Häusern entstanden waren (RUNDSCHAU berichtete), sollen am Bärwalder See die Häuser dort bleiben, wo sie befestigt sind. „Die Häuser sind zu 100 Prozent fest verankert“, ist David Heinrich überzeugt. Dafür arbeite sein Unternehmen mit Spezialisten zusammen, die in ganz Deutschland – auch auf Talsperren mit großer Tide – Wohnhäuser verankern. „Die Sicherheitsauflagen sind sehr hoch“, beschreibt Heinrich den Aufwand, „und wir haben bislang noch keines unserer Häuser verloren.“

Nach gut zwei Stunden Vorbereitungszeit geht es endlich zur Sache. Der große Ponton, auf dem das schwimmende Haus platziert wird, wird an den Kran gehangen. „Er muss dann im Wasser stabilisiert werden, bevor wir die Kabine darauf setzen“, erklärt David Heinrich. Und das ist gar nicht so einfach. Immerhin wiegt allein der Ponton mehr als 27 Tonnen. Mit Stahlseilen wird dieser dann im Wasser verankert, bevor das Haus darauf gesetzt wird. Kurz nach dem Mittag ist es dann so weit: Ponton und Kabine werden „verheiratet“. Alles läuft bei strahlendem Sonnenschein glatt.

Gesamtkonzept steht - eine Gastronomie soll folgen

„Ich denke, es ist ein wichtiges Puzzleteil für das Gesamtprojekt Bärwalder See“, sagt Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (CDU). Für die Gemeinde sei es eine „tolle Sache“. Und: „Wir wünschen uns am Klittener Hafen noch eine Gastronomie und ein kleines Hotel“, blickt der Bürgermeister voraus. Die Ausschreibung für das Vorhaben zwischen der Feuerwache und dem Campingplatz soll im Herbst erfolgen.

Auch vonseiten der Bergbausaniererin LMBV gibt es Bewegung. „Wir sind dabei, die Anlegerampe für Fahrgastschifffahrt zu errichten“, erklärt Uwe Steinhuber. Die Arbeiten mit dem schwimmenden Bagger sind für das neue Haus auf dem See aber unterbrochen worden. Denn: Der Leuchtturm soll noch ein seine ursprüngliche Position. Bei einem Sturm Anfang März war dessen Verankerung teilweise gerissen. Das ist aber noch nicht alles: „Wir müssen für die Liegeplätze der Häuser zwei neue Stege errichten“, erklärt David Heinrich. Das Musterhaus selbst wird am Hauptsteg befestigt. Und für die Leitungen und Kabel, die zum Steg auf dem Seegrund führen, sind erste Untersuchungen erfolgt.

Am Samstag, 4. Mai, wird das Musterhaus zum Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vorgestellt. Es soll dann freitags bis sonntags geöffnet sein – auch für Kaufinteressenten.

Übrigens: Eigentlich sollte am Mittwoch ein zweites Haus ins Wasser, was bereits verkauft ist. Allerdings hatte es Probleme mit der Transportgenehmigung gegeben, hieß es. In den kommenden Monaten werden zwei neue Häuser in den Hafen gehievt.

Das Boot hat das schwimmende Haus an den Steg geschoben.

Bildergalerie Das Boot hat das schwimmende Haus an den Steg geschoben.