ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:00 Uhr

Wohnen auf Sachsens größtem See
Schwimmende Häuser für den Bärwalder See

   Grafik: Gemeinde Boxberg/Floating House/Joachim Rehle
Grafik: Gemeinde Boxberg/Floating House/Joachim Rehle FOTO: Gemeinde Boxberg/Floating House/Joachim Rehle
Boxberg. Die LMBV informiert über eine Explosion der Kosten für das Multifunktionsgebäude am Klittener Ufer. Die Räte müssen nun entscheiden. Von Christian Köhler

Still, klamm und heimlich hat die Gemeindeverwaltung Boxberg eine neue Attraktion für Sachsens größten See ins Laufen gebracht. „Wir haben Kontakt zu einem Unternehmen hergestellt, das im Hafen Klitten des Bärwalder Sees schwimmende Häuser und separate Liegeplätze für Hausboote errichten will“, berichtet Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (CDU) am Montagabend dem Gemeinderat. Das Unternehmen „Floating ­House“, in der Nähe von Berlin ansässig, will bereits im Mai ein Musterhaus im See errichten, wie Unternehmenssprecherin Marie Gest auf RUNDSCHAU-Nachfrage bestätigt. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Standorten“, erklärt sie, „und der See hat uns super gefallen.“

Die Nachfrage nach schwimmenden Häusern sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Allerdings, so der Bürgermeister, „dauern die Genehmigungsverfahren sehr lange, weshalb wir uns zunächst bedeckt gehalten haben“. Junker sei froh, dass schon im Frühjar Sichtbares geschehen soll. „Es gab eine Änderung des Lageplans“, erklärt Marie Gest, „und wir müssen dies nun in unser Konzept einarbeiten.“ Vorgesehen ist, einmal 22 Hausboote zu errichten.

Trotz der guten Nachrichten für den Klittener Hafen gibt es auch ein großes Problem für die Gemeinde, denn der Baustart für das neue Multifunktionsgebäude – es sollte im Wasser am Klittener Ufer errichtet werden und mit der WC-Anlage für die Bootsanleger versehen werden – wird einerseits wesentlich teurer als gedacht und andererseits nicht wie vorgesehen bis zum diesjährigen Saisonstart stehen. „Der Wunschtermin für den Neubau im Apil dieses Jahres kann nicht gehalten werden“, bestätigt Holger Üibrig vom Bergbausanierer LMBV. Das habe mehrere Gründe, wie er am Montag während der Ratssitzung erklärt: „Wir hatten sieben Lose zum Bau ausgeschrieben, aber leider nicht für alle Angebote erhalten.“ Gerade das nicht vergebene Los zur Einrichtung der Baustelle habe dazu geführt, dass man den Zeitplan nicht einhalten kann. Durch Verlängerung der Ausschreibung und das Einholen neuer Angebote ist die ursprünglich geplante Bausumme von 350 000 Euro nun auf 580 000 Euro nach oben geschnellt.  „Und wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange“, ist sich Holger Üibrig, der für die LMBV das Projekt leitet, sicher.

Der Markt für Bauarbeiten sei übersättigt und wenn es nur einen Bieter gibt, dann könne der auch die Preise diktieren. Ähnliches habe man am Berzdorfer See bei Görlitz erlebt. Dort haben sich die Kosten für ein Haus verdoppelt. Üibrig sieht nun zwei Varianten, wie man weiter vorgehen kann: „Entweder wir bauen zu dem Preis und sind im August fertig oder wir setzen alles auf Null und schreiben erneut aus. Dann aber wird das Haus erst 2020 stehen.“

Hafenmeister Gerhard Stübner warnt: „Wir haben jetzt schon eine große Nachfrage. Im Sommer sind bis zu 300 Personen vor Ort und wir haben nur ein WC.“ Man sei in Zugzwang, die Qualität für Bootsanleger und Besucher zu steigern, ist er sich sicher. Beide Varianten aber würden Probleme mit sich bringen. Würde man nämlich jetzt losbauen, würden die Arbeiten bis in den Saisonbetrieb reichen. Gemeinderat Amrin Hoffmann schlägt vor, eines der schwimmenden Häuser doch für diesen Zweck zu nutzen. Das aber, so entgegnet Üibrig von der LMBV, gehe nicht, weil die Fördermittel für den Bau des Multifunktionsgebäudes geplant sind „und nicht für den Kauf eines schwimmenden Hauses“.

Sigrun Hajdamowicz (CDU) unterdessen hält es für schwer vermittelbar, „dass die Gemeinde für ein zehn mal zehn Meter großes Haus auf dem See mehr als eine halbe Million Euro investieren will“. Durch den gestiegenen Preis nämlich erhöht sich trotz Fördergeld der Anteil der Gemeinde für das Vorhaben. „Man sollte prüfen, ob man das WC nicht einfach an Land baut und so Kosten spart“, schlägt die Gemeinderätin vor. Während Holger Üibrig den Vorschlag macht, dass man „auch WC-Container für die nächste Saison aufstellen“ könnte, bricht Bürgermeister Achim Junker die Diskussion ab. „Wir kommen jetzt zu keiner Lösung“, sagt er, „aber der Gemeinderat muss entscheiden, wie es weiter geht.“ Die Debatte um den Neubau soll nun im Ausschuss fortgeführt werden, bevor im Februar endgültig entschieden wird, wann, wo und wie das Haus gebaut wird.