In früheren Zeiten müssen die nördliche Oberlausitz und das angrenzende Brandenburg ein Paradies für Schwarzstörche gewesen sein. Denn es gab uralte Wälder, viel Wasser und reichlich Fische, dafür nur wenige Menschen und die Vögel, die etwa zehn Prozent kleiner sind als ihr weißfarbenes Pendant, gelten als äußerst scheu. Allerdings wurde den Tieren später nachgestellt, da ihnen der Ruf als Fischräuber vorauseilte. Spätestens in den 1920er-Jahren war der Schwarzstorch aus der Hoyerswerdaer und Lohsaer Gegend verschwunden, wie es der Görlitzer Naturforscher Alfred Hartmann im Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda von 1925 festhielt. In diesen Gebieten, so Hartmann, sollen die schwarz gefiederten Gesellen noch bis zum Jahr 1898 beobachtet worden sein. Nach Angaben des sächsischen Schwarzstorch-Experten Ulrich Augst galt die Art zu Beginn des 20. Jahrhunderts sachsenweit als ausgestorben. Mitte der 1960er-Jahre habe es wieder vier Paare gegeben, allesamt in der Oberlausitz.

Doch wer heute in der Hoyerswerdaer Gegend und um Weißwasser Schwarzstörche beobachten will, habe schlechte Karten. In der Klittener Gegend lebe lediglich ein Tier. Ein Paar sei im Zittauer Gebirge beheimatet, ein weiteres seit erst vier Jahren unweit von Neschwitz. Diese Vögel würden mitunter auch im Wittichenauer Raum beobachtet. Hin und wieder gebe es darüber hinaus Schwarzstörche am Bärwalder See. Ob sie dort auch brüten, ist laut Augst nicht bekannt.

Der Experte sagt, dass die Vögel das Oberlausitzer Teichland verlassen hätten und nunmehr in den sächsischen Mittelgebirgen heimisch seien. "Dort ist das Leben für die schwarzen Störche einfacher", erklärt Augst. Seien früher die Berge frei von Schwarzstörchen gewesen, bilde nunmehr das Erzgebirge den wichtigsten Lebensraum in Sachsen. Ulrich Augst vermutet, dass im Tiefland inzwischen zu viele Nahrungskonkurrenten lebten. Seien beispielsweise früher ebenfalls fischfressende Graureiher selten gewesen, gebe es heute enorme Kolonien, beispielsweise am Graureihersee nahe der Energiefabrik Knappenrode. Zudem versprächen die klaren Bergbäche eine reichere Fischausbeute als die nicht selten eher trüben Flachlandgewässer.

Allerdings sei inzwischen im Gebirge die Anzahl der Schwarzstorch-Paare so hoch, dass sie in die Niederungen zurückkehrten. So sei am Klittener Schlossteich ein junger Schwarzstorch gesichtet worden, der einen Ring aus Tschechien trug. Auch das Neschwitzer Paar stamme aus dem Bergland.

Ob sich die Vögel auf Dauer wieder im Oberlausitzer Teichland ansiedeln, könne derzeit unmöglich prognostiziert werden. Denn neben dem Nahrungsangebot besitze auch das Wetter einen erheblichen Einfluss auf die Art. So hätten in Ostsachsen nach dem kalten und nassen Frühjahr 2013 lediglich zwei Jungstörche überlebt. Nicht zuletzt seien die Tiere extrem scheu. Würden sie nur einmal an ihrem Brutplatz gestört, verließen sie diesen meist für immer. Deshalb seien die genauen Standorte nur wenigen bekannt.

Zum Thema:
Sachsenweit gibt es laut Experte Ulrich Augst derzeit rund 50 Schwarzstorch-Paare. Im benachbarten und flächenmäßig wesentlich größeren Brandenburg seien es gerade einmal 30. Deutschlandweit gebe es gut 700 Schwarzstorch-Familien. trt1