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| 17:53 Uhr

Feuerwehr
Schwachpunkt: die Altersstruktur der Wehr

Frank Chrissulis zeichnet Horst Gerth, Anneliese Hauck, Brigitte Gerth und Helga Najorka (v.l.) für 50 Jahre in der Feuerwehr aus. Links Philipp Noack.
Frank Chrissulis zeichnet Horst Gerth, Anneliese Hauck, Brigitte Gerth und Helga Najorka (v.l.) für 50 Jahre in der Feuerwehr aus. Links Philipp Noack. FOTO: Ingolf Tschätsch
Gablenz. 20 Einsätze stehen bei den Brandschützer von Gablenz für 2017 zu Buche. Mehr Anreize sollen für die Mitgliedschaft geschaffen werden. Von Ingolf Tschätsch

Die Freiwillige Feuerwehr Gablenz ist personell auseichend gut aufgestellt. Diese positive Einschätzung stellte Kamerad Philipp Noack an den Anfang seines Rechenschaftsbericht auf der Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag. Als stellvertretender Wehrleiter vertrat er Feuerwehrchef Freddy Schmidtke, der an Grippe erkrankt war.

So zählen die Gablenzer Brandschützer bei den Erwachsenen 36 Kameraden und zwölf Kinder und Jugendliche bei der Jugendwehr. Bei der aktiven Gruppe sind es 20 Florianjünger. Doch Philipp Noack schränkte sogleich ein: „Allerdings liegen wir nur mit zwei Kameraden über der geforderten Mindeststärke der doppelten Fahrzeugbesatzung von 18 Einsatzkräften. Daran muss dringend gearbeitet werden, genauso wie an der Altersstruktur unserer aktiven Gruppe.“ Denn: Bis zum vollendeten 30. Lebensjahr sind gerade einmal vier Kameraden dabei. In diesem Zusammenhang warnte der stellvertretende Wehrleiter: „Hier gilt es mit der Gemeinde vorausschauend – ich betone vorausschauend – einen Plan zu entwerfen, um zu verhindern, dass unsere Feuerwehr genauso nicht mehr einsatzfähig ist, wie zuletzt in den Medien von anderen Feuerwehren zu lesen war.“ Es werde immer schwieriger, jüngere Leute oder die mittleren Alters für ein solches Ehrenamt zu begeistern.“

Zu 20 Einsätzen mussten die Gablenzer im vergangenen Jahr ausrücken. Diese Zahl gliedert sich folgendermaßen auf: eine Übung; technische Hilfeleistung bei der Beseitigung von zwei Ölspuren und zwei unter Wasser stehenden Kellern; dreimal Bekämpfung von Bränden; eine Tragehilfe für den Rettungsdienst; eine Türnotöffnung; zweimal Rettung von Katzen; achtmal technische Hilfe bei der Beseitigung von Sturmschäden. „Längst ist das Löschen oder Verhindern von Bränden nicht mehr Hauptbestandteil der Aufgaben einer Feuerwehr“, erklärte Philipp Noack anhand dieser Statistik. Wie er betonte, seien die Einsätze allesamt erfolgreich beendet worden.

Während der Versammlung gedachten die Kameraden mit einer Schweigeminute des am 24. Mai 2017 verstorbenen Ehrenmitgliedes der Gablenzer Wehr und stellvertretenden Kreisbrandmeisters Henry Kosack. „Wir erinnern uns, als er letztes Jahr noch hier stand und die Auszeichnung für Kamerad Willi Paulick vornahm. Als ehemaligem Gablenzer lag ihm das Wohl dieser Gemeinde besonders am Herzen“, so Noack.

Steven Kaiser von der Jugendwehr berichtete, dass diese durch Umzug einen Mitstreiter verloren habe. So gehören ihr jetzt unter Leitung von Janek Tiefel zwölf Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 16 Jahren an. Der Junge lobte Maik Schuster von der Erwachsenenwehr, der die Truppe gut auf die Wettkämpfe der Jugendwehren des Landkreises Görlitz im vorigen Jahr in Niesky vorbereitet hatte. Auch wenn es am Ende nicht für einen Platz auf dem Treppchen gereicht hatte, schlugen sich die Gablenzer wacker.

Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) sprach in der Diskussion von einer stabilen Entwicklung der Brandschützer. Für Nachwuchs sei auch durch die gut funktionierende Jugendwehr gesorgt. Er übermittelte den Männern und Frauen in ihren blauen Uniformen den Dank der Kommune für ihr Engagement. „20 Einsätze sind nicht gerade wenig“, sagte das Gemeindeoberhaupt anerkennend. Was die Altersstruktur betrifft   Kritikpunkt im Rechenschaftsbericht –  sei man schon wesentlich schlechter aufgestellt gewesen.

In diesen Tagen werde sich entscheiden, ob Gablenz mit einem neuen Feuerwehrauto rechnen kann, wie der Bürgermeister betonte. Gemeinsam mit Bad Muskau und den polnischen Partnern habe sei ein neuer Fördermittelantrag gestellt worden.

Frank Chrissulis, kommissarischer Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, überbrachte die Grüße des Landkreises. Er zähle 3534 aktive Mitglieder, davon 462 Frauen, in den Reihen der Feuerwehr. „Damit haben wir über 150 verloren“, legte der Redner sogleich den Finger in eine tiefe Wunde. Gerade deshalb sei es enorm wichtig, die Attraktivität der Feuerwehr zu erhöhen und Anreize zu schaffen, um neue Brandschützer zu gewinnen. Chrissulis sprach hier von Entscheidungen, die auf höherer politischer Ebene zu treffen seien. Als ein Beispiel nannte er die Einführung einer Rente für Feuerwehrangehörige. Einen persönlichen Dank richtete er an Kathrein Spiegel. Die Gablenzerin hat als Kassenwart bei der Jugendwehr des Kreises eine verantwortungsvolle Aufgabe übernommen.