| 02:59 Uhr

Schöps-Autobahn verschwindet

Auch die parallel zum umverlegten Weißen Schöps verlaufende Straße wird abgerissen.
Auch die parallel zum umverlegten Weißen Schöps verlaufende Straße wird abgerissen. FOTO: Joachim Rehle/jor1
Boxberg/Rietschen. Vor Jahrzehnten ist der Weiße Schöps für den Tagebau Reichwalde schon einmal verlegt worden. Diese geradlinige Fluss-Autobahn wird nun rückgebaut. Die Fläche wird zum Wald und bietet zum Teil Platz für kleine Gewässer. Regina Weiß

Wer am Schöpslauf zwischen Hammerstadt und Kringelsdorf entlangfährt, den erinnert nichts daran, dass hier vor rund einem Jahr noch eine Großbaustelle den Anblick beherrschte. Auch wenn der neue Flusslauf von Menschenhand und mit viel Technik geschaffen wurde, sieht er aus, als hätte sich das Wasser selbst sein mäanderndes Bett gegraben.

Planierte Fläche

Davon konnte einige Kilometer weiter nördlich nie wirklich die Rede sein. Der Weiße Schöps, der in drei Bauabschnitten von 1977 bis 1991 verlegt worden war, wurde wie ein mit dem Lineal gezogener Kanal ausgebaut. Dieser verschwindet nun. Wer die Tagebaustraße in Richtung ehemalige Tagesanlagen Kringelsdorf/Gewerbegebiet entlangfährt, der kommt ins Staunen. Statt Fluss-Autobahn gibt es eine großräumig planierte Fläche. Brückenbauwerke, die nicht mehr gebraucht werden, wurden ebenfalls schon abgerissen.

Der Rückbau ist von zwei Seiten angegangen worden: nahe Rietschen beim Klärwerk und im Bereich Tagesanlagen Kringelsdorf. Rund fünf Kilometer Flussbett werden nicht mehr gebraucht und verfüllt. Aus ihm wird im Raum Kringelsdorf später einmal Wald werden. Bis in den Herbst werden die Pflanzarbeiten andauern. "Ein Ausgleich, den wir durch unseren Eingriff in die Natur bringen müssen", erinnert Corina Fiskal, Vattenfall-Projektverantwortliche, an die Zeiten des Fluss-Neubaus. Im Bereich Rietschen wird der Altlauf eine Mischung aus Wald, Lichtungen und Stillwasserflächen - Teiche - werden. "Dort haben wir hochstehendes Grundwasser, sodass wir dort drei Biotope anlegen können", so Corina Fiskal. Diese werden künftig ein Tummelplatz für Kleintiere und später auch für Vögel sein.

Für die Tiere

Nicht die einzige Maßnahme, die Vattenfall in Sachen Natur am neuen Fluss leisten muss. Für die Schwalben mussten nach dem Abriss der alten Stallanlagen der Viereichener Rindfleisch e.G. neue Nistmöglichkeiten gefunden werden. "Diese haben wir beim Technikstützpunkt eingerichtet", so Corina Fiskal. Ein ehemaliger Transformatorenturm wird zudem als "Wohnstätte" fürs Getier hergerichtet. Ein Storchennest ist schon aufgebaut, Unterschlupfmöglichkeiten für Fledermäuse sind ebenfalls zu finden. Das Vorhaben befindet sich in der Endphase.

Corina Fiskal hat die Hoffnung, dass es nicht lange dauert, bis die Tiere diese neu geschaffenen Angebote annehmen werden. "Uns macht schon stolz, dass wir den Eisvogel gesichtet haben. Das zeigt uns, dass wir richtig gearbeitet haben", so Corina Fiskal.

Zum Thema:
Weitere sieben Kilometer ehemaliger Flusslauf liegen im Vorfeld des Tagebaus Reichwalde. Sie werden so vorbereitet, dass sie vom Tagebau überbaggert werden können.Wer die Neubaustrecke des Schöpses aus der Vogelperspektive erleben will, der kann das leicht tun. Unter www.weisserschoeps.blogspot.de sind Fotos zusammengestellt worden. Das Bauvorhaben wurde für die Internetseite seit 2012 mit der Kamera begleitet.

Vom Schöps ist nahe der Kohlebandanlage an der Tagebaustraße nichts mehr zu sehen. Es fehlen nur noch die Setzlinge.
Vom Schöps ist nahe der Kohlebandanlage an der Tagebaustraße nichts mehr zu sehen. Es fehlen nur noch die Setzlinge. FOTO: Regina Weiß