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| 16:38 Uhr

Breitbandausbau im Schleifer Kirchspiel vergeben
Schnelles Internet kommt langsamer als gedacht

 Allein in Trebendorf sollen fast 33 Kilometer Glasfaserkabel verlegt werden .
Allein in Trebendorf sollen fast 33 Kilometer Glasfaserkabel verlegt werden . FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Schleife/Trebendorf/Groß Düben. Schleife, Trebendorf und Groß Düben vergeben den Glasfaserausbau in ihren Orten. Doch nicht alle haben etwas davon. Das ist schon jetzt klar. Von Christian Köhler und Regina Weiß

Der Gemeinderat von Schleife hat den Auftrag für den Breitbandausbau an die Firma Telekom Deutschland GmbH in seiner Sitzung in dieser Woche einstimmig vergeben. Das Ganze beläuft sich auf Kosten von 4,48 Millionen Euro. Doch es wird nicht gleich losgebaut. Da müssen sich die Schleifer noch mindestens ein Jahr gedulden.

Das schnelle Internet kommt gemächlich daher. Und das übrigens nicht nur in den sorbischen Dörfern. Warum das so ist, das hat Jörg Wylegalla von der TÜV Rheinland Consulting GmbH aus Dresden in der Ratssitzung erklärt. Mittlerweile beschäftigen sich Verwaltung und Rat rund zweieinhalb Jahre mit dem Thema. „Da fragt sich der Bürger, der vor seinem Computer sitzt, muss das so lange dauern?“, kann Wylegalla die Ungeduld der Nutzer verstehen. Doch bei einem neu aufgelegten Förderprogramm sei es so, dass immer wieder etwas ergänzt werde. „Da schraubt man hier mal und da mal. Es dauert überall so lange“, so der Projektleiter von der Beraterfirma. Auch deshalb bleibt das Unternehmen beim weiteren Verfahren als Berater an der Seite der Schleifer und ihrer Nachbarkommunen. Das kostet für die drei Orte jeweils rund 5295 Euro und wird aus den Zuweisungen des Landes für den Breitbandausbau zur Verfügung gestellt.

Im Juni 2017 hatte das Markt­erkundungsverfahren in der Gemeinde Schleife begonnen. So sollte herausgefunden werden, welche Anschlüsse über weniger als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Download verfügen und in welchen Ecken und Straßen drei Jahre nach Markterkundung nicht privatwirtschaftlich erschlossen wird. Außerdem begann das Fördermittelprozedere. Später brauchte das Ausschreibungsverfahren Zeit. „Unheimlich komplex“, sei es gewesen, lässt Wylegalla alle wissen. Es mussten wichtige Kriterien festgelegt werden. So sollte beispielsweise „eine Fünf-Mann-Firma rausfallen“ bei den Anbietern. Es sollte aber auch rechtssicher sein. „Wir wollten nicht, dass es uns später um die Ohren fliegt.“

Als feststand, dass es nur einen Bieter gibt, musste der sein Angebot finalisieren. Das brauchte wieder ein paar Wochen Zeit. „Bitter war, dass wir uns auf einen Realisierungszeitraum von drei Jahren einlassen mussten.“ Weil eben viele Sachen im Lande gleichzeitig laufen, ist es nicht anders zu schaffen, sagt das Telekommunikationsunternehmen.

Laut Wylegalla trete man nun in die Realisierungsphase ein. Doch das heißt nicht, dass beispielsweise ab März gebaut wird. Jetzt werde der finale Förderantrag gestellt. Und danach beginne die umfangreiche Papierarbeit. Ein Beispiel: Von jedem Grundstückseigentümer, auf dessen Areal ein Rohr verlegt wird, braucht es eine Genehmigung. Das sei auch eine unwahrscheinliche Belastung für die Verwaltung.

Springen wir ein Jahr weiter: Voraussichtlich ab Anfang 2020 kann endlich gebaut werden. Für Schleife, Mulkwitz und Rohne heißt das 16 Kilometer Tiefbau, 25 Kilometer Rohrverbände, 77 Kilometer Glasfaserleitungen. Das kostet dann besagte 4,48 Millionen Euro, die Bund und Land tragen. Was heißt, je Anschluss sind es 4413 Euro.

Das mag viel klingen. Doch in der Ratssitzung in Groß Düben erläutert der Berater, dass es im Landkreis Anschlüsse gibt, die bis zu 20 000 Euro kosten werden. Auch die Groß Dübener Räte haben dem Glasfaserausbau am Donnerstag in Halbendorf einstimmig grünes Licht gegeben. 330 Haushalte werden angeschlossen und 77 Kilometer Glasfaser verlegt.  Dabei sind es vor allem die Halbendorfer, die von der 1,5 Millionen Euro teuren Investition in die Zukunft erst mal kaum was haben. Zwar werde von der Vermittlerstelle in Schleife die Kabellage entlang der Dorfstraße zum Beispiel zur Prohav, zu Garten Eden oder nach Groß Düben geführt, doch der Kernort Halbendorf gilt bereits als erschlossen, wie die Markterkundungsanalyse gezeigt hat, weshalb ein erneuter Ausbau nicht förderfähig ist.

Ob da nicht doch etwas machbar ist, will Gemeinderat Sebastian Krüger wissen, wenn das Kabel schon am eigenen Grundstück vorbeigeht. „Das ist die Unlogik an dem Ganzen“, zeigt Jörg Wylegalla. Doch man müsse das bei der Förderung auseinanderhalten. Soll aber nicht heißen, dass man es nun laufen lässt. Lars Stechemesser versichert, dass man dieses Thema noch mal aufnimmt und mit der Telekom besprechen will. Er kann auch noch mal bestätigen, dass das Unternehmen im Zuge des Glasfaserausbaus auch das Thema Vectoring in Halbendorf angeht.

In Trebendorf und Mühlrose soll ebenfalls das Breitband ausgebaut werden. Hier gibt es ebenfalls nur einen Bieter für diese Leistung – die Telekom. Am Mittwoch in dieser Woche hatte der Rat der Vergabe von 633 000 Euro zugestimmt. „Das Unternehmen hat uns zugesagt, dass es ab Vertragsunterzeichnung innerhalb von 36 Monaten den Ausbau realisiert hat“, erläutert Lars Stechemesser von der Verwaltung den Räten. Insgesamt werden 120 Haushalte – vornehmlich in Klein Trebendorf – direkt mit Glasfaser erschlossen. „Das ist für die Hauseigentümer kostenlos“, so Stechemesser. Wer das nicht möchte, ist später gezwungen, sollte man doch einen schnellen Internetzugang haben wollen, es auf eigene Kosten zu realisieren. Derzeit liegen die Kosten dafür laut Schleifer Gemeindeverwaltung bei 800 Euro.

Gut acht Kilometer Tiefbau werden ab Anfang 2020 für den Breitbandausbau nötig. Allerdings bekommt nicht jedes Haus einen Glasfaseranschluss, bei einigen werden bestehende Kupferleitungen weiter genutzt. Dazu wird Glasfaser bis zu den Verteilerkästen im Ort verlegt und von da aus geht es über Kupferkabel in die Haushalte. Über das Vectoring werden dann Download-Geschwindigkeiten nach Angaben der Telekom von bis zu 100 Mbit/s möglich. Je weiter entfernt das Haus vom Verteilerkasten ist, desto stärker nimmt die Geschwindigkeit ab – „wobei 50 Mbit/s nicht unterschritten werden sollen“, erklärt Lars Stechemesser. Das Vectoring kommt in Mühlrose zum Einsatz. Die durchschnittlichen Anschlusskosten in Trebendorf und Mühlrose belaufen sich auf 3500 Euro.

Unterdessen aber hadern einige Räte mit dem Vorhaben Breitbandausbau. Nicht, weil sie sich nicht darüber freuen würden, dass endlich ausgebaut wird, sondern weil nicht überall gleichermaßen erschlossen wird. „Im Rahmen der Umsiedlung vor mehreren Jahren wurde der Ortskern Trebendorf bereits durch Vattenfall mit Glasfaser erschlossen“, erklärt Stechemesser. Das nun der Leag gehörende Netz wird durch das Unternehmen Marienberg GmbH betrieben. „Weil das so ist, gilt der Altort als erschlossen und, ähnlich wie in Halbendorf, ist ein weiterer Ausbau nicht förderfähig“, erklärt Lars Stechemesser. In der Folge werden in Trebendorf zwei von einander getrennte Netze entstehen. Gerade Gemeinderat Tilo Niemz gefällt das überhaupt nicht. „Marienberg ist teuer und ein Wechsel gar nicht möglich“, sagt er. „Ich wäre dafür, dass man eine Verbindung zwischen beiden Netzen schafft“, meldet sich Klaus Rohrbach zu Wort. Das aber, so entgegnet Stechemesser, werde nicht funktionieren. „Jeder, der über Marienberg angeschlossen ist, wird auch dort bleiben müssen“, so der für den Breitbandausbau verantwortliche Mitarbeiter. Bisherige Versuche, den Geschäftsführer des Unternehmens zu befragen, seien über den Beirat Bergbau gescheitert, hieß es. „Wir nehmen das noch einmal mit für unsere nächsten Gespräche mit der Leag“, verspricht Bürgermeister Waldemar Locke (CDU).