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| 12:26 Uhr

Aus dem Gericht
Schmerzhafter Schlussstrich unter einer Freundschaft

FOTO: LR / Janetzko, Katrin
Weißwasser. ein 19-Jähriger ist wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Er hatte bei einem Streit einen Elektroschocker eingesetzt. Von Marlies Tieke

Wegen gefährlicher Körperverletzung hat jetzt Tino Z.* vor Gericht gestanden. Er wurde am Ende verwarnt und zu erzieherischen Maßnahmen verurteilt. Wäre das Erwachsenenstrafrecht angewandt worden, hätten es auch drei Monate Freiheitsstrafe sein können. Aber da der jetzt 19-Jährige zum Zeitpunkt der Straftat Heranwachsender war, konnte für ihn aufgrund seiner fehlenden Reife das Jugendstrafrecht angewandt werden.

Im August letzten Jahres hatte Z. mit seiner damals 16-jährigen Freundin Schluss gemacht und wollte danach den Kontakt zu ihr abbrechen. Das Mädchen aber konnte das offenbar nicht so hinnehmen und hat ihn über die sozialen Netzwerke ständig belästigt. Obwohl er sie immer wieder aufforderte, ihn doch in Ruhe zu lassen, richteten sich ihre negativen Kommentare bald auch gegen seine neue Freundin. Um dem Spuk ein Ende zu setzen, verabredete Z. sich mit dem Mädchen, um die Sache endgültig zu klären. In einem Hausflur am Professor-Wagenfeld-Ring in Weißwasser kam es dann an einem Dezemberabend zu dem Treffen. Es entwickelte sich ein Streit, bei dem der damals 18-Jährige einen Elektroschocker aus der Tasche zog und diesen dem Mädchen zwei Mal für mehrere Sekunden an den Hals hielt.

In seiner Aussage vor dem Jugendgericht bestätigte Z. den so geschilderten Tathergang und betonte, dass es ihm leid tut. Auf die Frage woher er das Elektroimpulsgerät hatte, erklärte er: „Das habe ich im Müll meiner ehemaligen Arbeitsstelle gefunden und einfach mitgenommen.“ Konkrete Pläne hätte er damit nicht gehabt, aber dieses an sich selbst ausprobiert und dabei festgestellt, dass es Schmerzen verursacht.

Warum er das Gerät, welches als Waffe laut Waffengesetz gilt, an jenem Abend zu dem Treffen mitnahm, konnte er dem Gericht nicht sagen. „Das war eine Kurzschlussreaktion von mir“, war seine einzige Erklärung. Erst kurz vor dem Treffen hatte er sich entschieden den Elektroschocker mitzunehmen. Für die Staatsanwaltschaft war diese Aussage ein Beleg dafür, dass er den Einsatz bewusst geplant hatte.

Richterin Sibylle Adamsky machte dem Angeklagten bewusst, dass eine Körperverletzung mit einer Waffe im allgemeinen Strafrecht bei Erwachsenen grundsätzlich mit einer Freiheitsstrafe geahndet wird. Deshalb war die Einschätzung der Jugendgerichtshilfe wichtig, um zu entscheiden, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet werden muss. Im Bericht des Jugendgerichtshelfers wurde deutlich, dass die Entwicklung des Angeklagten zum damaligen Zeitpunkt noch recht holprig war und er in seiner Persönlichkeit noch nicht gefestigt. Er empfahl die Anwendung des Jugendstrafrechts und die Auferlegung eines Täter-Opfer-Ausgleichs. Diesem Vorschlag folgte das Gericht.

Z. wurde verwarnt und hat bis zum 1. Oktober 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu verrichten. Als erzieherische Maßnahme wurde ihm ein Täter-Opfer-Ausgleich auferlegt. In ihrer Urteilsbegründung verwies die Richterin auch auf das Geständnis des jungen Mannes, wodurch er dem Mädchen eine Zeugenaussage vor dem Gericht ersparte.

Da auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichtet wurde, ist das Urteil bereits rechtskräftig.

*Name geändert