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Schlesische Künstler und der Erste Weltkrieg

Ivo Hauptmann, Kohlezeichnung aus dem Ersten Weltkrieg, 1916 – 18.
Ivo Hauptmann, Kohlezeichnung aus dem Ersten Weltkrieg, 1916 – 18. FOTO: René Pech, SMG
Görlitz. Zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg stellt das Schlesische Museum zu Görlitz in seiner neuen Sonderausstellung Kunst zum Kriegsgeschehen vor. Damit will die Einrichtung Denkanstöße zu einem nach wie vor aktuellen Thema vermitteln. red/dh

"Kunst zur Kriegszeit 1914 - 1918: Künstler aus Schlesien zwischen Hurrapatriotismus und Friedenssehnsucht" - unter diesem Titel berichtet die neue Exposition des Museums in Görlitz von der anfänglichen Kriegsbegeisterung der Menschen, aber auch von ihren Ängsten und schrecklichen Erfahrungen, die ab 1916 zum Ruf nach Frieden führten. Gezeigt werden rund 200 Exponate von 26 Künstlern, die in Schlesien tätig waren oder auf andere Weise mit Schlesien in Verbindung standen.

Wie Künstler anderer Regionen teilten sie 1914 fast ausnahmslos die allgemeine Kriegsbegeisterung. "Die meisten sahen es als ihre patriotische Pflicht an, ihren Militärdienst zu leisten oder zumindest daheim die deutsche Kriegspropaganda zu unterstützen", heißt es dazu in einer Mitteilung des Museums. "Nur wenige äußerten sich bereits zu Beginn des Krieges skeptisch oder artikulierten ihre Ängste vor den Kriegsereignissen."

Das Zustandekommen dieser besonderen Schau verdankt das Museum vor allem der Großzügigkeit privater Leihgeber sowie dem Engagement seines Fördervereins. Auf diese Weise ist unter den Kunstwerken viel Unbekanntes zur Kunstgeschichte Schlesiens zu entdecken.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt eine umfangreiche Dokumentation vom östlichen Kriegsschauplatz durch den Breslauer Akademieprofessor Max Wislicenus (1861 - 1957). Er war als Kriegsmaler in den ersten Kriegsjahren mehrfach im russisch besetzten Polen unterwegs. Voller Mitgefühl und Respekt schilderte er das stark in Mitleidenschaft gezogene Land und seine leidende Bevölkerung.

Eine Rarität sind des Weiteren drei bislang unbekannte Mappenwerke des Breslauer Akademieschülers Heinrich Tischler (1892 - 1938). In denen schildert der jüdische Nachwuchskünstler den Krieg aus eigenem Erlebnis und verlieh seinem drängenden Wunsch nach Frieden und Halt in einer auseinanderbrechenden Welt Ausdruck.

Als Leihgabe sind überdies zahlreiche Kriegszeichnungen von Ivo Hauptmann (1886 - 1973) zu sehen. Diese geben eine Vorstellung vom bedrückenden Frontgeschehen, das er im Briefwechsel mit seinem berühmten Dichtervater Gerhart Hauptmann in Agnetendorf immer wieder zur Sprache brachte.

Zur Ausstellung erscheint ein aufwendig bebilderter Katalog, der in Zusammenarbeit mit Dr. Tobias Weger vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg, entstand. (rund 300 Seiten, Preis: 39 Euro, Subskriptionspreis: 35 Euro bis einschließlich 10. Mai 2015).

Zum Thema:
"Kunst zur Kriegszeit 1914 - 1918: Künstler aus Schlesien zwischen Hurrapatriotismus und Friedenssehnsucht" - Eröffnung am Sonntag, 10. Mai, 11 Uhr, Ausstellungsdauer 11. Mai bis 31. Oktober 2015Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 UhrKontakt: 03581 87910, kontakt@schlesisches-museum.de www.schlesisches-museum.de

Hans Zimbal, Der Tod als Kriegstrommler, 1917.
Hans Zimbal, Der Tod als Kriegstrommler, 1917. FOTO: SMG