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| 14:29 Uhr

Lausitzer Sagen
Reiche Schleifer Sagenwelt bleibt in einem Buch lebendig

Stolz präsentieren die Mitautoren Hartmut Hantscho, Jörg Tausch und Dieter Reddo (v.l.n.r.) ihr neues Schleifer Sagenbuch. Der Titel des Werkes zeigt übrigens "Die sagenhafte Tafelrunde", in der sich Johann Hantscho-Hano und Wilibald von Schulenburg die Geschichten aus erster Hand von den Sagengestalten diktieren lassen.
Stolz präsentieren die Mitautoren Hartmut Hantscho, Jörg Tausch und Dieter Reddo (v.l.n.r.) ihr neues Schleifer Sagenbuch. Der Titel des Werkes zeigt übrigens "Die sagenhafte Tafelrunde", in der sich Johann Hantscho-Hano und Wilibald von Schulenburg die Geschichten aus erster Hand von den Sagengestalten diktieren lassen. FOTO: Richter-Zippack
Schleife. 150 Sagen enthält das 250-Seiten-Werk des Kolesko-Vereins. Fünf Jahre hat das Team die Geschichten gesichtet, gesammelt, niedergeschrieben und ins Schleifer Sorbisch übersetzt. Von Torsten Richter-Zippack

Was hat es mit der Tränenwiese im Muskauer Park auf sich? Wie ist die Schleifer Kirche zu ihrem Turm gekommen? Und warum besitzen Schweine krumme Schwänzchen? All diese Fragen und noch viele weitere beantwortet das druckfrische Schleifer Sagenbuch. Nach fünfjähriger Arbeit ist das 250 Seiten starke Werk jetzt im Atelier des Schleifer Holzkünstlers Thomas Schwarz erstmals öffentlich präsentiert worden. Der Gastgeber zeigt sich auch gleich hellauf begeistert: „Die Lausitzer Sagenwelt trage ich immer in meinem Hinterkopf. Wenn ich mal entsprechende Arbeiten in anderen Regionen anfertige, habe ich nicht solch einen Bezug zu den Geschichten wie in der Heimat. Daran merkt man, welchen Schatz wir hier haben.“

Diesen Schatz haben Hartmut Hantscho und Dieter Reddo für den Kolesko-Verein, der als Herausgeber fungiert, jetzt im Schleifer Sagenbuch zusammengetragen. Hantscho hat zu den Geschichten, die sich vorrangig im Schleifer Kirchspiel sowie in den angrenzenden Gebieten der Muskauer Heide sowie im Spremberger Gebiet zugetragen haben sollen, ohnehin ein ganz besonderes Verhältnis. „Mein Ururgroßvater Johann Hantscho-Hano hatte einst die unter den Leuten erzählten Geschichten zu Papier gebracht. Es war dann wohl eine glückliche Fügung, dass er im Jahr 1880 auf den bekannten Volkskundler Wilibald von Schulenburg traf. Dieser veröffentlichte einen Teil der Schleifer Sagen in seinem anno 1882 erschienenen Buch „Wendisches Volkstum in Sage, Brauch und Sitte“, berichtet Hartmut Hantscho. Weitere Ergebnisse wurden darüber hinaus in den Niederlausitzer Mitteilungen publiziert. „Jetzt haben wir die Schleifer Sagen erstmals in einem Werk zusammengetragen“, kommentiert Hantscho, der hauptberuflich als Sachverständiger beim Tüv sein Geld verdient.

Darüber hinaus hat Dieter Reddo zwei Geschichten beigesteuert, die bislang wohl noch nie veröffentlicht worden sind. Unter anderem geht es um das verschwundene Christkind von Mulkwitz. Das Mädchen soll vor langer Zeit von einem Edelmann gedrängt worden sein, seine Kutsche zu besteigen. Doch als das Gefährt die Neustädter Grenze überrollte, war das Christkind plötzlich verschwunden. „Die Geschichte haben die Alten erzählt, als ich jung war“, erinnert sich der 76-jährige Reddo, der als Fleischer tätig war. „Da habe ich sie einfach mal aufgeschrieben.“

Das Besondere am Sagenbuch: Die Texte sind sowohl in Deutsch als auch im Schleifer Sorbisch zu lesen. Die entsprechenden Übersetzungen nahmen Juliana Kaulfürst und Dr. Hync Rychtar als Lektor vor. „Wir wollen mit dem Buch den Menschen ein Werkzeug zum Schleifer Sorbisch in die Hand geben“, erklärt Hartmut Hantscho. Schließlich solle diese Sprache nicht aussterben.

Das Werk gliedert sich in sieben Kapitel. Die Geschichten werden in Sagen zur Ortsgeschichte, in sagenhafte Wesen aus Wald und Flur, in Haus- und Windgeister, Hexen und Zauberer, Teufel und nicht zuletzt in lustige Erzählungen eingeteilt.

Darüber hinaus lebt das Buch von seinen 43 Illustrationen, davon 16 in Farbe. Autor dieser Kunstwerke, die mittels Spachteltechnik geschaffen wurden, ist der Rohner Jörg Tausch. „Mich hatte vor Jahrzehnten der Hoyerswerdaer Maler Kurt Klinkert in die sorbische Sagenwelt eingeführt. Seitdem lässt mich dieses Thema nicht mehr los“, erklärt der gebürtige Hoyerswerdaer seine Intention. Der Schleifer Ortsvorsteher und Schulleiter Wolfgang Goldstein ist von den Bildern geradezu verzückt: „Man erkennt in diesen Geschichten weitere Geschichten. Dadurch wird das Buch zu etwas Einzigartigem“, erklärt der Pädagoge in seiner Laudatio.

„Mehr Heimatkunde geht eigentlich nicht“, fasst Hartmut Hantscho zusammen. Er wünscht sich, dass das Sagenbuch auch im Schulunterricht reichlich genutzt wird. Das Werk ist ab sofort zum Preis von 20 Euro im Sorbischen Kulturzentrum Schleife, beim Verein Kolesko, in der Smolerischen Verlangsbuchhandlung Bautzen sowie in der Cottbuser Lodka zu haben.