Von Torsten Richter-Zippack

Den 11. August 2019 wird Daniel Jakubik wohl nicht mehr vergessen. Denn an jenem Sonntag stand der 44-jährige Schleifer in den ausgedehnten Wäldern rund um seinen Heimatort Auge in Auge einem Wolf gegenüber. „Geschätzte zehn Meter lagen zwischen uns“, erinnert er sich. Dann machte es klick. Jakubik hatte das Porträtfoto seines Lebens. Der Welpe erschrak jedoch und suchte das Weite. „Nach vielleicht fünf Minuten war alles vorbei“, sagt der begeisterte Naturfotograf.

Er hatte sich zuvor für ganze zehn Minuten in einem Kieferngebüsch auf die Lauer legen müssen, dann erschien der erste von mehreren Wolfswelpen. „Der Wind stand günstig, er hat mich deswegen nicht mitbekommen“, erklärt Jakubik. Genau in jenem Moment, als der Schleifer bei seiner Kamera den Auslöser betätigte, schaute das Tier ihm direkt in die Augen.

Glücksfall einen Wolf vor die Kamera zu kriegen

„Ein absoluter Glücksfall“, urteilt der 44-Jährige. Aus seiner inzwischen siebenjährigen Erfahrung als Natur- und insbesondere Wolfsfotograf weiß er, dass solche Momente extrem selten auftreten. „Ich muss geschätzte 100 Mal in den Wald gehen, um einmal einen Wolf zu sehen. Obwohl manche Leute behaupten, dass die Wölfe in der Lausitz überhandnähmen, ist es extrem schwer, mal einen mit eigenen Augen zu sehen. Ich würde dies mit einem Sechser im Lotto vergleichen.“

Doch mit den Graupelzen geht es noch näher: „Ich bin mal mit meinem Hund unterwegs gewesen. Im Gras gleich nebenan, vielleicht einen Meter entfernt, hatte ein Wolf geruht. Er kam dann auf die Beine und verschwand.“

Respekt vor Wölfen, aber keine Angst

Daniel Jakubik sagt, dass er Wölfe bislang ganz anders erlebt hat, als diese oftmals dargestellt werden. „Kein Mensch braucht vor ihnen Angst zu haben“, sagt der Schleifer ganz ruhig. „Respekt ist angebracht, Furcht jedoch nicht.“ Stattdessen gebe es ganz andere heimische Wildtiere, vor denen Jakubik tatsächlich Angst hat. „Einmal bin ich in eine Kuhle mit Frischlingen geraten. Die Bache setzte mir sofort nach. Zum Glück habe ich das Rennen für mich entschieden“, erinnert er sich.

Den ersten Kontakt zu Wölfen hatte Daniel Jakubik eher zufällig. „Beim Pilze suchen hatte ich einen gesehen. Dann wollte ich unbedingt mehr über diese Tiere erfahren.“ Seitdem ist er mit seiner Kamera in der Natur unterwegs und lichtet Wölfe ab. Die Aufnahmen werden dem Wildbiologischen Büro Lupus in Spreewitz zur Verfügung gestellt. Dessen Mitarbeiter befassen sich wissenschaftlich mit den Lausitzer Wölfen. Inzwischen betreut Ehrenamtler Jakubik ein Gebiet in den Landkreisen Görlitz, Bautzen und Spree-Neiße.

Fotograf wartet auf Waschbären

Neben den Wölfen gibt es nur noch wenige Wildtiere, die der 44-Jährige noch nicht abgelichtet hat. An eine weitere Sternstunde unter freiem Himmel erinnert er sich noch gern: Im Tagebauvorfeld bei Trebendorf durfte ich mal 40 männliche Rothirsche fotografieren.“ Darüber hinaus verweist der Schleifer auf seine Bilder vom weißen Damwildrudel, dessen rund 20 Tiere ebenfalls in der Region leben. Nicht minder eindrucksvoll sind Motive eines Rehkitzes bei dessen ersten Gehversuchen. Ebenso gehört die Vogelwelt, angefangen vom Seeadler bis zur Amsel, zu Jakubiks Portfolio.

„Derzeit bin ich auf der Spur von Waschbären“, sagt der Naturfotograf. Obwohl diese häufig sind, ist mir noch kein Foto gelungen.“

Jakubik bezeichnet sein Hobby als Ausgleich von seinem mitunter stressigen Beruf als Notfallsanitäter im Rettungsdienst in Weißwasser. „Durch meine 24-Stunden-Dienste habe ich den entsprechenden Freizeitausgleich. Das kommt der Fotografie sehr entgegen. Zumal die besten Chancen auf gute Aufnahmen in der Dämmerung bestehen.“

Seine Fotos präsentiert der Schleifer auch im sozialen Netzwerk Facebook. Seit diesem Jahr gibt er darüber hinaus einen Wildtierkalender heraus. Das Exemplar für 2020 soll im September vollendet sein, kündigt Jakubik an. Nicht zuletzt gibt der 44-Jährige sein Wissen in Vorträgen weiter. Seine Intention: „Ich versuche, den Leuten die Wölfe möglichst authentisch herüberzubringen.“

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