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Kunsthandwerk
Thomas Schwarz – gefangen im Holz

„Der goldene Schnitt - griechische Olive - deutscher Stahl“ von Holzkünstler Thomas Schwarz ist nicht nur in der Herbstsonne ein Hingucker in seinem Skulpturengarten.
„Der goldene Schnitt - griechische Olive - deutscher Stahl“ von Holzkünstler Thomas Schwarz ist nicht nur in der Herbstsonne ein Hingucker in seinem Skulpturengarten. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Schleife. Sonntag lädt der Kunsthandwerker aus Schleife zum Tag des offenen Ateliers ein.

„Gefangen im Holz.“ So fühlt sich Thomas Schwarz und empfindet das mit großer Freude. „Das ist meine Leidenschaft, und ich komme davon nicht mehr los“ ist sich der Schleifer sicher, und dabei schweift sein Blick durch das Atelier. Geradeso, als wolle er damit jedes einzelne Stück streicheln.

Apropos Atelier. Am Sonntag hält der Holzkünstler die Türen dieses wieder einmal weit offen und begrüßt dazu als Gastkünstlerin Gabriele Häusler aus Potsam, eine Malerin. Erfahrungsgemäß finden immer wieder treue Bewunderer seines handwerklichen Geschickes den Weg nach Schleife. Denen bleibt nicht verborgen, wie sehr sich Thomas Schwarz künstlerisch weiterentwickelt hat. Das schätzt dieser selbst ein und sagt, das beste Beispiel sei „Der goldene Schnitt – griechische Olive – deutscher Stahl“. Die Olive von der Insel Korfu glänzt auffallend in der Herbstsonne. Schwarz schätzt das Alter auf mehrere hundert Jahre. „Sie ist herrlich knorrig, urig und innen hohl. An der Wurzel war sie dermaßen mit Sedimenten versehen, und es wuchsen ja schon Bäume aus ihr, dass ich sie drei Tage mit einem Industriekärcher bearbeitet habe.“ Thomas Schwarz hat den Olivenbaum von einem Hamburger Händler, mit dem er schon Jahre arbeite. Mit Hilfe von Reinert Logistic wurde die Olive, die er seit etwa fünf Jahren im Blick hatte, nach Schleife transportiert. Thomas Schwarz vermutet, weil diese einen auffälligen Einschnitt aufzeige, wollte wohl niemand vor ihm den Stamm. Für ihn war es lebendige Inspiration. „Der  Stamm hat so eine mächtige Dimension. Es wäre schade, ihn zu zerteilen.“ Der kreative Thomas Schwarz ging in sich. Das Ergebnis ist überzeugend, wenn auch völlig untypisch für die Lausitz. Lasiert und mit Goldpigmenten versehen, trägt die Olive „Äste“ aus gedrehtem Spezialdraht wie eine Trauerweide. Die Stäbe haben durch ihren Glanz etwas Magisches. „Gold steht für mich als Symbol für die Ewigkeit. Und in der Kombination mit ganz altem Holz – das passt, um Aktzente zu setzen“, beschreibt Thomas Schwarz und gesteht freudestrahlend: „Ich wollte genau diesen Hingucker.“ Schwarz spricht beim Goldenen Schnitt von Harmonie. Dieser würde die Säge im Stamm entgegenstehen. Er wolle damit zum Nachdenken über das Verhältnis und Miteinander in Europa anregen. Schwarz nennt Stichworte wie Schuldenschnitt, ökologische Einschnitte und so weiter.

Arbeitete Thomas Schwarz früher überwiegend an regionalen Aufträgen, sind seine hölzernen Kunstwerke heute nach wie vor hier gefragt, aber auch international. Liegt es an den besonderen Hölzern und die Geschichten, die mit diesen verbunden sind? Der Schleifer zuckt die Schultern. Stolz sei er natürlich, dass es regelrechte Sammler seiner Skulpturen gibt. Ein Beispiel sind die Elefanten-Köpfe aus  African Rosewood. Von einst vier  sei noch einer bei ihm. Thomas Schwarz widmet sich vielen Auftragsarbeiten, sagt er. Zum Teil sind das figürliche, zum Teil auch abstrakte Geschichten. „Ich schaue dann, was die Natur vorgibt.“

Der Tag des offenen Ateliers Sonntag von 10 bis 16 Uhr ist für den Holzkünstler ein Höhepunkt im Jahresverlauf. Dann holt er alle Sachen, die irgendwo ausgestellt sind, zurück. Außerdem zeigt sich das Atelier renoviert mit verschiedenen neuen Werken oder jenen, an denen Schwarz gerade Hand und Technik anlegt. Selbst auf einen mannshohen Fürst Pückler, entstanden aus einer 400 Jahre alten Jagdschloss-Eiche, stoßen die Besucher. Für die Holzkunst-Interessierten gibt es den ersten Kalender „Skulpturen 2018“. Schwarz freut, dass es ihm mit exklusiven Fotos von Frank Stein gelang, einen Einblick in sein vielfältiges Schaffen zu geben – von der acht Meter hohen Weltensäule bis zum kleinen Tanzenden Paar. „In der Größe A2 kann sich also jeder meine Skulpturen nach Hause holen“, scherzt Thomas Schwarz.

Thomas Schwarz zeigt seinen ersten Skulpturen-Kalender für 2018.
Thomas Schwarz zeigt seinen ersten Skulpturen-Kalender für 2018. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Thomas Schwarz zeigt eine Arbeit aus einem australischen Eukaliptus.
Thomas Schwarz zeigt eine Arbeit aus einem australischen Eukaliptus. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Diese Arbeit entstand aus einer etwa 250-jährigen Jagdschloss-Esche.
Diese Arbeit entstand aus einer etwa 250-jährigen Jagdschloss-Esche. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Beim Tag des offenen Ateliers treffen die Besucher auf Fürst Pückler.
Beim Tag des offenen Ateliers treffen die Besucher auf Fürst Pückler. FOTO: Gabi Nitsche / LR