ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:02 Uhr

Heimatgeschichtlicher Fund bei Spielplatz-Bauarbeiten
Uralter Brunnen taucht in Schleife auf

 Unmittelbar neben dem Arche-Spielplatz am Pfarrhaus befindet sich der historische Brunnen.
Unmittelbar neben dem Arche-Spielplatz am Pfarrhaus befindet sich der historische Brunnen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Schleife. Das Alter des Brunnens am Pfarrhaus ist noch unbekannt. Die historische Wasserstelle soll eine Attraktion werden. Von Torsten Richter-Zippack

Er ist geschätzte drei bis vier Meter tief, hat einen Durchmesser von rund anderthalb Metern und ist noch erstaunlich gut in Schuss. Während der Arbeiten am Arche-Spielplatz am Schleifer Pfarrhaus sind Arbeiter auf einen historischen Brunnen gestoßen. „Wir alle wussten zuvor nichts davon. Dann brach völlig unerwartet ein Radlader ein, und die Überraschung kam zum Vorschein“, sagt die Schleifer Pfarrerin Jadwiga Mahling. Dem Fahrer des Baufahrzeuges war nichts passiert, und die Schäden an seinem Gefährt hielten sich in Grenzen, sagt die Kirchenfrau weiter.

Umso größer war dann das Staunen über den Grund des Malheurs. „Der Brunnen muss sehr alt sein“, vermutet Jadwiga Mahling. Denn das Bauwerk besteht nicht wie üblich aus gebrannten Ziegeln, sondern aus Feldsteinen. Der Ring, auf dem die Konstruktion fußt, besteht dagegen aus Holz. So könne jetzt mittels moderner Technik das genaue Alter bestimmt werden.

Erst zu Beginn dieser Woche waren die Experten des Landesamtes für Archäologie Sachsen vor Ort und haben den Brunnen genauer unter die Lupe genommen. Nach Angaben von Sprecher Dr. Christoph Heiermann reicht der Brunnen bis in eine Tiefe von 3,20 Meter. „Sein Alter ist unbekannt. Pläne dazu liegen ebenfalls nicht vor, und auch die Kirchgemeinde wusste nichts von seiner Existenz. Der Brunnen muss also bereits über einen langen Zeitraum nicht mehr in Nutzung sein“, erklärt der Experte. Die Archäologen haben den Brunnen dokumentiert, fotografiert und eingemessen.

„Selbst unsere 80- bis 90-jährigen Kirchgänger können sich an diese Wasserstelle nicht mehr erinnern“, weiß Pfarrerin Mahling aus Gesprächen. Sie vertritt die These, dass der Brunnen möglicherweise zum alten Pfarrhaus gehört hat. Das jetzige Gebäude stammt laut der Ortschronik aus dem Jahr 1894.

Der langjährige Schleifer Bürgermeister Helmut Hantscho hatte vom Pfarrhaus-Brunnen bislang ebenfalls keine Kenntnis. „Das ist mir neu“, sagt er gegenüber der RUNDSCHAU. „Allerdings gab es bis in die 1960er-Jahre auf fast jedem Schleifer Hof einen Brunnen. Dann wurde die zentrale Wasserversorgung gebaut, und die Brunnen verloren ihre Funktion“, erklärt der Ex-Bürgermeister (1990-2001). Auf seinem Hof existiert ebenfalls noch ein alter Brunnen. „Ich schätze, der ist vielleicht vier Meter tief“, sagt Hantscho. Wasser sei dort seit über 40 Jahren nicht mehr drin. Schließlich habe der Bergbau mit seinen großflächigen Grundwasserabsenkungen den Todesstoß für die Brunnenwirtschaft versetzt. Viele Schleifer hätten ihre alten Wasserstellen längst verfüllt oder würden diese anderwärtig nutzen.

Erwähnung findet der Schleifer Pfarrhaus-Brunnen möglicherweise im Werk „Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte“, verfasst vom Volkskundler Willibald von Schulenburg mithilfe des Schleifers Jan Hantscho-Hano anno 1882. Dort ist zumindest von einem „Pastorenbrunnen“ die Rede. Allerdings gibt es dazu keine nähere Ortsangabe.

„Es obliegt nun der Kirchgemeinde zu entscheiden, wie mit dem Brunnen weiter verfahren wird“, sagt Christoph Heiermann. Pfarrerin Jadwiga Mahling schwebt eine Integration der historischen Wasserstelle in den Pfarrhaus-Garten vor. „Wir wollen ihn der Öffentlichkeit zugänglich machen“, kündigt die Kirchenfrau an. Bereits an diesem Wochenende finde ein Arbeitseinsatz auf der Fläche statt. In diesem Rahmen solle Licht in den Brunnen gebracht werden. „Dann kann jeder die imposante Feldstein-Konstruktion betrachten“, kommentiert Jadwiga Mahling.