Für den Neubau eines bedarfsgerechten deutsch-sorbischen Schulkomplex auf der Grundlage des Umsiedlungsvertrags zwischen Schleife und Vattenfall von 2008 muss das Bergbauunternehmen die Kosten übernehmen. Und Schleife sollte sich dafür um Fördermittel bemühen. "Wir haben unseren Part erfüllt, die Fördermittel liegen seit Dezember 2011 abrufbereit in Dresden", sagt Bork. Inzwischen haben sich diese acht Millionen Euro schon um eine knappe halbe Million reduziert, weil einige nicht förderfähige Posten rausgestrichen werden mussten.

Weiteres Ungemach droht, weil Vattenfall, so Bürgermeister Bork, bei der Größenordnung des Projektes einzelne Leistungsphasen für die Planung europaweit hätte ausschreiben müssen. Doch was Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat am meisten mit den Zähnen knirschen lässt, ist: "Vattenfall will uns einen Festpreis geben. Und damit sind wir nicht einverstanden. Das Risiko für die Gemeinde wäre viel zu groß, wenn wir darauf eingehen."

Bork nennt vor allem die schwankenden Baupreise. Vor zwei Jahren sei man aufgrund der damaligen Preise von Gesamtkosten für den Neubau des Schulkomplexes von knapp 26 Millionen Euro ausgegangen, und da sei der ebenfalls vereinbarte Abriss des alten Komplexes noch nicht mitgerechnet. Bork und seine Verwaltung sind überzeugt, dass dieser Preis heute nicht mehr hinhaut und der Schulbau deshalb teurer wird. "Rechnungen werden am Schluss gestellt", betont Bork. Er, der Jahrzehnte selbstständiger Elektromeister war, kennt das nicht anders.

Außerdem habe er auch die personelle Ausstattung seines Bauamtes im Blick. "Mit der jetzigen schmalen Besetzung könnten wir nicht so ein großes Projekt betreuen. Wir brauchen zumindest einen Projektsteuerer", nennt der Gemeindechef ein weiteres Problem, über das hinter geschlossenen Türen mit den Vattenfallern gestritten werde.

"2008 haben wir im Zuge des Schleife-Vertrages verabredet, dass wir an dem alten Schulkomplex keine großen Investitionen mehr vornehmen brauchen, weil ja gleich der Neubau kommt." Nun sei dieser weiter entfernt denn je, und es habe sich eine Menge an notwendigen Ausgaben angestaut, berichtet Reinhard Bork. Bei der Oberschule seien es zum Beispiel ein undichtes Dach und veraltete Handläufe, die ersetzt werden müsssen. Zum Teil Dinge, für die es Auflagen gebe, so der Bürgermeister. "Alles Geld, was wir nicht eingeplant haben." Er fragt sich indes, wie lange sich der Fördermittelgeber sowieso noch hinhalten lässt.

Was den Schleifer besonders umtreibt, ist, dass er die in den Vorjahren vorhandene Verlässlichkeit beim Verhandlungspartner jetzt vermisse. Es habe Zeiten gegeben, da habe ein Handschlag gereicht. Heute sei man davon weit entfernt. "Dinge, die lange vereinbart sind, werden wieder infrage gestellt - das ist Stress ohne Ende."

Manch einer frage sich, "warum wir schon den neuen Vertrag verhandeln, wo doch der alte noch nicht erfüllt ist", so Bork. "Und in den aktuellen Verhandlungen zum Umsiedlungsvertrag für Nochten II ist auch noch ein wesentlicher Bestandteil offen: Die Gemeinde muss in die Lage versetzt werden, rund 1700 Umsiedler langfristig zu schultern - verwaltungsmäßig, bauhofmäßig hinsichtlich Pflege und Unterhaltung von Anlagen und finanziell." Es gebe die Befürchtung, dass durch die Erweiterung des Tagebaus Nochten gute Steuerzahler in andere Gegenden umsiedeln. "Wenn zum Beispiel Reinert Logistic geht, dann würden wir das wohl spüren." Bork nennt außerdem sinkende Schlüsselzuweisungen.

Am Mittwoch folgt die nächste Verhandlungsrunde. "Wenn es beim Schlingerkurs bleibt, dann ist langsam Schluss", deutet er an. Reinhard Bork freut zumindest eins: "Wir sind uns in unserer Verhandlungsgruppe einig und treten geschlossen auf. Das erleichtert vieles." Das Hin und Her bei den Verhandlungen, die nun schon seit Juni laufen, zerre an den Nerven. "Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Gemeinde- und Ortschaftsräte alles ehrenamtlich machen und jedes Mal freinehmen müssen, um mit am Verhandlungstisch zu sitzen. Das bedeutet für einige massive Schwierigkeiten."