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| 16:15 Uhr

Eine musikalische Faszination, die lebt
Schleife ist erneut Dudelsack-Eldorado

Hanka Sarodnik aus Hoyerswerda ist Dudelsackspielerin beim  Sorbischen Folkloreensemble Schleife und gehört zu den Mitwirkenden beim Dudelsackfestival am Samstag und Sonntag in Schleife.
Hanka Sarodnik aus Hoyerswerda ist Dudelsackspielerin beim  Sorbischen Folkloreensemble Schleife und gehört zu den Mitwirkenden beim Dudelsackfestival am Samstag und Sonntag in Schleife. FOTO: Gabi Nitsche
Schleife. Beim 8. internationalen Festival bringen am Wochenende Mitwirkende Dudelsäcke aus Deutschland, Polen, Tschechien, Irland, Serbien, Spanien und Schweden zum Klingen. Samstag um 14 Uhr geht’s los. Von Gabi Nitsche

Wolfgang Kotissek (66) vom Sorbischen Folkloreensemble Schleife kann wieder lachen – alles, was in Vorbereitung auf so eine große Veranstaltung wie dieses Dudelsackfestival notwendig ist, ist von Diana Matitza, Stephanie Bierholdt, Marion Mudra, ihm und den fleißigen Mannen vom Bauhof abgesprochen und getan. Logistisch war es eine Herausforderung, die ihresgleichen sucht.

Alle vier Jahre ist Schleife Gastgeber für das internationale Treffen. Wolfgang Kotissek ist überzeugt, dass es am Samstag und Sonntag an der Schleifer Kirche stimmungsvoll zugeht und alle begeistert sein werden. Dafür sorgen neun Gruppen und Einzelspieler aus fünf verschiedenen Ländern. Sie bringen die „Böcke“ aus Deutschland, Polen, Tschechien, Irland, Serbien und Spanien zum Klingen. Weltweit gibt es 360 Arten, allein in Europa schon 180.

Kotissek spielt den traditionellen sorbischen Dudelsack, der aus einem behaarten Ziegenfell ohne Naht besteht, ein Rohrblättchen aus Bambus hat und eine offene Spielweise verlangt. „Also Loch für Loch wird beim Spielen von den Fingern freigegeben. Ähnlich wie bei der Blockflöte spielen wir hoch und runter“, erklärt der 66-Jährige, der sein Können – genau wie das Spiel mit der dreisaitigen Geige – schon an viele Nachwuchskünstler weitergab.

Als in den Vorjahren einer nach dem anderen wegen Ausbildung und Studium das Ensemble verließ, war das deprimierend. Umso größer die Freude, dass jetzt wieder goldene Zeiten angebrochen sind, was den Nachwuchs angeht. Wolfgang Kotissek erzählt: „Joana  spielt die große dreisaitige Geige und ist so ein Beispiel. Sie ging weg, studierte. Ich hatte sie schon aufgegeben. Nun ist sie wieder bei uns, arbeitet im Landratsamt, wohnt in Trebendorf, und ihr Freund hat großes Verständnis für dieses Hobby.“

Zum erfolgreichen Nachwuchs gehört auch die 16-jährige Sophie aus Mühlrose, die Geige und Violine spielt. „Geige – die beherrschten auch die Geschwister Jos und Emy aus Mulkwitz hervorragend. Dann gingen sie nach Bautzen, hörten im Ensemble auf. Doch manches Mal gibt es Zufälle, an die man kaum zu denken wagt“, so der Halbendorfer. Er berichtet: „Vor etwa anderthalb Jahren kam Sophie zu mir und sagte, ihr Freund spielt auch die dreisaitige Geige. Ich horchte auf und wollte wissen, wo er das gelernt hat. Sophie sagte lachend ,bei Ihnen’. Es war Jos, und er gehört wieder zu uns.“ Damit hat die Geschichte aber noch kein Ende gefunden. Denn auch seine Schwester Emy ist wieder mit an Bord. Eine große Freude für Wolfgang Kotissek.

Zusammen mit Ida aus Klein Düben und Greta aus Forst sowie Hanka Sarodnik (16) aus Hoyerswerda, verstärkt von Tochter Melanie Kotissek hat die Nachwuchsgruppe beim Festival einen eigenen Programmblock und damit deutlich mehr Auftritte als das Ensemble an sich. „Wir spielen Melodien aus aller Welt, die ich teilweise selbst arrangiert habe. Schon das Proben macht sehr viel Spaß.“ Sonntag treten dann Ida, Greta und Lehrer Wolfgang Kotissek außerdem mit dem Kinder- und Jugendensemble Schleife auf.

Gespannt ist Wolfgang Kotissek auf Marco Foxo aus Galizien. Er gehört dem königlichen spanischen Dudelsackorchester an. „Dort gibt es eine Akademie mit 15 000 Dudelsackspielern, die von seinem Vater geleitet wird.“ Kein Wunder. „Denn Spanien hat eine viel längere Tradition, was den Dudelsack angeht als Schottland.“ In Schleife wird der sorbische Dudelsack seit dem 14. Jahrhundert gespielt, ohne Unterbrechung, sagt Wolfgang Kotissek, und die Tradition lebt weiter.