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Dorfgeschichte
Schleife gibt es auf gut 300 Seiten

Autor Gerhard Fugmann und seine Helferin Ingrid Paulo präsentieren stolz die Schleifer Chronik.
Autor Gerhard Fugmann und seine Helferin Ingrid Paulo präsentieren stolz die Schleifer Chronik. FOTO: Torsten Richter-Zippack / LR
Schleife. Zehn Jahre hat es gedauert, jetzt ist das Werk erschienen: Schleife verfügt über seine Chronik. Jeder Haushalt im Dorf erhält ein kostenloses Exemplar voller Dorfgeschichte.

„Slepo/Schleife – Geschichte und Geschichten eines Dorfes sorbischen Ursprungs zwischen Nieder- und Oberlausitz“ lautet der Titel des druckfrischen Buches. Zur öffentlichen Präsentation sind gut 60 Menschen im Sorbischen Kulturzentrum erschienen. Sie interessieren sich für die Geschichte ihres Heimatortes, die möglicherweise bereits ein Jahrtausend zurückreicht. Wann genau Schleife gegründet wurde, verliere sich im Dunkel der Geschichte, erklärt Autor Gerhard Fugmann. Der Cottbuser Journalist hat schon mehrere Chroniken im Schleifer Kirchspiel verfasst, er kennt also Land und Leute.

Belegt sei jedoch die bislang älteste Urkunde, in der Schleife erstmals erwähnt wurde. Das war anno 1272. So stehe, wie Bürgermeister Reinhard Bork (parteilos) anmerkt, die 750-Jahr-Feier fast schon vor der Haustür. Bork war es auch, der das über 300 Seiten zählende Werk auf Korrekturen lesen durfte. Allerdings weilte das Gemeindeoberhaupt zu jener Zeit im Krankenhaus. „Dort habe ich mit dem Lesen begonnen und konnte nicht mehr aufhören“, erinnert sich der Bürgermeister.

Kein Wunder, beleuchtet doch Gerhard Fugmann das Dorf von allen Seiten. Er gräbt sich durch die Höhen und Tiefen der örtlichen Geschichte, erklärt, was es mit dem Ortsnamen auf sich hat, geht auf die Historie der einstmals riesigen Munitionsfabrik, kurz Muna, ein, beleuchtet intensiv die vier DDR-Jahrzehnte, um darüber hinaus ein Bild von der Jetztzeit zu zeichnen. Mehr noch: Im Anhang findet der Leser zahlreiche Fakten, beispielsweise eine Aufzählung der Bürgermeister seit dem Jahr 1882, die Hilfs- und Revierförster, die Wehrleiter der Feuerwehr seit 1925, namhafte Personen wie den schreibenden Halbbauern Hanso Njepila, Gemeindevorsteher und Heimatforscher Jan Hantscho-Hano sowie den bedeutenden Prosaschriftsteller Jakub Lorenc-Zaleski. Hinzu gesellen sich diverse Katastrophen aus der Schleifer Geschichte inklusive der zahlreichen Wald- und Dorfbrände.

Fugmanns Fazit: „Die Chronik macht sehr stolz auf die gemeinsame deutsch/sorbische Geschichte.“ Rund 30 Seiten widmet der Autor speziell dem sorbischen Leben. Ebenso fehlen diverse Bräuche und Sagen nicht.

Eigentlich, so sagt Bürgermeister Bork, sollte das Werk viel früher erscheinen. Bereits im Schleife-Vertrag von 2008 hatte Vattenfall (heute Leag) seine volle Unterstützung für dieses Vorhaben zugesagt. „Die Leag hat Wort gehalten“, kommentiert Bork. Doch sei anfangs der Recherche- und Arbeitsaufwand erheblich unterschätzt worden. Nicht zuletzt habe der Autor zeitgleich an weiteren Chroniken gearbeitet. 2011 erschien das Werk für Mühlrose, zwei Jahre später für Trebendorf. Hinzu kamen die Chronik zum 100. Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr Groß Düben sowie der 80. Feuerwehrgeburtstag in Rohne. Als Grundlage für die Schleifer Chronik diente indes das bereits im Jahr 1997 vom damaligen Bürgermeister Helmut Hantscho verfasste Buch.

Das neue Werk wird, so kündigt Bürgermeister Bork an, an alle Schleifer Haushalte kostenlos verteilt. Im Februar könne jeder sein Buch jeden Dienstag, jeweils zwischen 14 und 18 Uhr, in der Gemeindeverwaltung abholen. Ab März sei die Chronik im Sorbischen Kulturzentrum zu haben. Sie werde dort für 20 Euro pro Exemplar verkauft. Der Erlös solle an gemeinnützige Projekte gespendet werden.

Fritz Barber von der Filmart Potsdam GmbH, die unmittelbar nach der Buchvorstellung mehrere Filme präsentierte, sagt den im Kirchspiel erschienenen Chroniken eine große Zukunft voraus: „Den Fugmann wird man in zehn, 20 Jahren als Standard lesen. Respekt für diese Leistung.“