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"Schlechte Resonanz auf Werbeversuche"

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Dresden/Weisswasser. Die RUNDSCHAU hat sich an die Kassenärztlichen Versorgung (KV) in Dresden gewandt und gefragt, wie die hausärztliche Versorgung in Weißwasser und Umgebung abgesichert werden soll. Suche nach Ärzten: Laut Geschäftsführer Michael Rabe sei es trotz intensiver Bemühungen der oben genannten Ärzte noch der KV gelungen, für diese Praxen eine Nachfolgelösung zu finden. Gabi Nitsche

Die RUNDSCHAU hat sich an die Kassenärztlichen Versorgung (KV) in Dresden gewandt und gefragt, wie die hausärztliche Versorgung in Weißwasser und Umgebung abgesichert werden soll.

Suche nach Ärzten: Laut Geschäftsführer Michael Rabe sei es trotz intensiver Bemühungen der oben genannten Ärzte noch der KV gelungen, für diese Praxen eine Nachfolgelösung zu finden. "Die Resonanz auf die Werbeversuche der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Bezirksgeschäftsstelle Dresden, für eine hausärztliche Tätigkeit in der Region Weißwasser war und ist leider sehr schlecht." Sowohl die Suche in den Ärzteblättern Sachsen, als auch die recht umfangreichen Fördermöglichkeiten bei einer Praxisübernahme bzw. -neugründung hätten bislang in der Ärzteschaft kein Interesse gefunden.

Rat für Patienten: Die KV verweist auf ein Service-Telefon, welches Patienten bei der Suche nach einem Arzt im ambulanten Bereich Hilfe bietet: montags bis freitags zwischen 8.30 und 12.30 Uhr sowie mittwochs von 14 bis 17 Uhr unter Telefon 0341 23493711.

Anzahl der Hausärzte: Zu den Fragen, wie viele Allgemeinmediziner es aktuell im Altkreis Weißwasser gibt, wie deren Altersstruktur ist und wie viele Stellen tatsächlich offen sind, verweist die KV auf ein kompliziertes System der Bedarfsplanung. Was den hausärztlichen Planungsbereich Weißwasser angeht, untergliedert sich diese laut KV in die Bezugsregionen Weißwasser und Bad Muskau. Zu Weißwasser gehören die Gemeinden Boxberg, Groß Düben, Schleife, Trebendorf und Weißwasser. Die Gemeinden Rietschen, Weißkeißel, Krauschwitz, Gablenz und Bad Muskau gehören zur Bezugsregion Bad Muskau. Derzeit sind 19 Hausärzte in der Bezugsregion Weißwasser tätig. Alter der Hausärzte: Davon sind sieben Ärzte über 60 Jahre alt. Wie viele Ärzte allerdings aufgrund des Renteneintrittsalters in den nächsten Jahren ausscheiden werden, kann die KV nicht vorhersagen. Ein Grund liegt in der Aufhebung der Altersbeschränkung für die Tätigkeit in der vertragsärztlichen Versorgung. Die Hausärzte entscheiden selbst, wann sie ihre Praxis abgeben möchten. "Von einer Überalterung kann unserer Meinung nach noch nicht gesprochen werden", so der KV-Chef.

Regionale Unterschiede: Der KV-Chef Michael Rabe bestätigt, dass es große regionale Unterschiede bezüglich der Wahl von Praxisstandorten gäbe. Für junge Fachärzte sind die Infrastrukturen der Umgebung von großer Bedeutung. Hier hat eine Umfrage seitens der Universität Trier vor einiger Zeit ergeben, dass für viele der jetzigen Medizinstudenten eine Praxis in einer ländlichen Gemeinde als nicht attraktiv angesehen wird und als Arbeitsort nahezu ausscheidet. Begründet wird dies damit, dass auf dem Land Infrastrukturen für junge Familien vorhanden sein müssen, wie Grund- und weiterführende Oberschulen, Einkaufsmöglichkeiten und höhere Vergütung. Für viele junge Fachärzte ist daher die Großstadt als möglicher Niederlassungsort interessanter.

Ärzte-Budgets und Demografie: Die Übernahme von Patienten geschlossener Praxen wird bei der gesetzlich vorgegebenen Budgetierung in Fragen der Honorierung vertragsärztlicher Leistungen ebenso berücksichtigt, wie bei der Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln. Dies gilt so auch für die demografischen Belange.

Wie sollen junge/neue Hausärzte für die Region gewonnen werden?: Damit Versorgungsengpässe verhindert werden bzw. behoben werden können, hat der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen im Freistaat Sachsen für Teile des Planungsbereiches Weißwasser, speziell für die Bezugsregionen Weißwasser und Bad Muskau, Anreize geschaffen. So existieren zum Beispiel für Ärzte Förderungsmaßnahmen in Form von der Gewährung eines Mindestumsatzes und eines Investitionskostenzuschusses. Der KV sind die Versorgungsdefizite in dem Planungsbereich schon seit Längerem bekannt. Infolgedessen wurden bereits in der Vergangenheit entsprechende Maßnahmen im Rahmen der Förderung ausgerufen. Dies führte dazu, dass zwei Hausärzte für die Region gewonnen werden konnten. Derzeit existieren für die Region Weißwasser zwei Förderstellen im Rahmen der Praxisübernahme und zwei Förderstellen für die Region Bad Muskau im Rahmen der Praxisneugründung/Praxisübernahme.

Politik ist gefordert: Unabhängig davon ist die KV über die verschiedensten Programme sehr darum bemüht, entsprechenden ärztlichen Nachwuchs zu gewinnen und bei der Politik immer wieder auf die Problematik hinzuweisen. Modellprojekt: In diesem Rahmen hat die KV in Zusammenarbeit mit der Universität Pécs das Modellprojekt "Studieren in Europa - Zukunft in Sachsen" ins Leben gerufen. Seit nun mehr drei Jahren studieren deutsche Medizinstudenten an der Universität Pécs und verpflichten sich nach Abschluss ihres Medizinstudiums als Hausarzt im ländlichen Raum Sachsens niederzulassen. Darüber hinaus bestehen auch Fördermöglichkeiten für Ärzte in Weiterbildung.