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Schlafsäckchen für jedes Baby

Daniela Höhna und Thomas Göpfert aus Spremberg haben für ihren Sohn Finn, der am Sonntag in Weißwasser geboren wurde, einen Schlafsack in den neuen Farben erhalten. Seit 2006 hat Vattenfall die Neugeborenen im Kreiskrankenhaus Weißwasser mit Schlafsäckchen versorgt. Insgesamt über 3800. Jetzt setzt diese Kooperation die Leag fort.
Daniela Höhna und Thomas Göpfert aus Spremberg haben für ihren Sohn Finn, der am Sonntag in Weißwasser geboren wurde, einen Schlafsack in den neuen Farben erhalten. Seit 2006 hat Vattenfall die Neugeborenen im Kreiskrankenhaus Weißwasser mit Schlafsäckchen versorgt. Insgesamt über 3800. Jetzt setzt diese Kooperation die Leag fort. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Für mehr als 3800 Babys in Weißwasser hat Vattenfall seit 2006 bereits Schlafsäckchen nähen lassen und damit geholfen, dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen. Daran will auch Nachfolger Leag nicht rütteln. Gabi Nitsche

Für jeden Säugling, der im Krankenhaus hier zur Welt kommt, gibt es eins geschenkt. Das ab sofort in neuen Farben - grün und blau mit anthrazitfarbenen Logos und nicht mehr mit einem Elch, sondern dem tschechischen Löwen versehen. Dazu haben gestern der Leiter des Leag-Kraftwerkes Boxberg, Thomas Hörtinger, und die Geschäftsführer der Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz (MGLG), Andreas Grahlemann und Steffen Thiele, einen neuen Kooperationsvertrag unterschrieben.

Der plötzliche Kindstod beschäftige die Medizin schon seit geschätzt 20 Jahren. Es sei viel geforscht worden, aber hundertprozentig konnten die Ursachen bis heute nicht geklärt werden, so Dr. med. Ulrike Wetzel, Chefärztin der Kinder- und Jugendabteilung. Was man aus Studien nordischer Länder und Beobachtungen in der DDR wisse, sei, dass der plötzliche Kindstod zu besonderen Zeiten auftrete. Als Beispiele nannte die erfahrene Kinderärztin die frühen Morgenstunden und den Mittagsschlaf. Zu Phasen, als in der DDR angeordnet wurde, die Säuglinge mittags in Bauchlage hinzulegen, hieß es, dass das eine Ursache sein könnte. Als Notärztin habe sie solche Situationen bereits vorgefunden. Auf dem Bauch liegend hätten sich die Babys unter der Bettdecke nicht befreien können, weil sie viel zu klein waren. Deswegen sei es wichtig, aus dem Babybett "alles zu entfernen, was freibeweglich ist, und den Säuglingen dafür lieber die Schlafsäcke anzuziehen", rät die Ärztin. Sie betonte gestern im Rahmen der Vertragsunterzeichnung: "Ich finde die Sache sehr gut. Wir spüren, dass es sich bei den Eltern zunehmend herumspricht und Akzeptanz zeigt." Chefarzt-Kollege Dr. Dmitry Chuvashkin von der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung fügte lächelnd hinzu: "Die grüne Farbe ist von medizinischer Seite perfekt gewählt - sie wirkt sehr beruhigend auf die Babys."

Bisher sind 2017 etwa 120 Kinder in Weißwasser geboren worden. Der Chefarzt sprach von 350 bis 360 bis Jahresende. Er brach eine Lanze für die intensive Betreuung der Schwangeren durch die Hebammen und Kinderärzte. Das sei in kleinen Häusern wie Weißwasser längst nicht selbstverständlich. Das treffe auch auf die Ausstattung zu. "In dieser Woche erhalten wir ein neues modernes Ultraschallgerät. 80 000 Euro kostet es wohl, und damit können wir Hüft- und Kopfuntersuchungen machen. Und das ist nur eine von mehreren Maßnahmen", schilderte Chuvashkin. Geschäftsführer Andreas Grahlemann bestätigte den glücklichen Umstand, beide Abteilungen im Haus zu haben. Sie sollen noch weiterentwickelt werden wie auch andere Dinge im ambulanten und stationären Bereich, kündigte er an.

Er und Steffen Thiele würdigten das Partnerunternehmen für die weitere Unterstützung. "Es ist uns eine Herzensangelegenheit", versicherte Kraftwerksleiter Thomas Hörtinger. "Es gibt nichts Schöneres, als für Kinder etwas zu tun."

Jetzt können also die Nähmaschinen der Firma Graf & Maiwald in Wittichenau wieder rattern. Das Familienunternehmen verwendet für die Schlafsäckchen in zwei unterschiedlichen Größen Materialien aus Sachsen. Wie Ursula Maiwald berichtete, zum Beispiel aus Limbach-Oberfrohna. "Wir haben eine Produktionslinie eingerichtet, Maschinen dafür angeschafft."