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Schiffbruch

FOTO: Johannes Swobodda
Dem Schiffbruch erleidenden Propheten Jona schickte Gott einen großen Fisch, um ihn aus dem tosenden Meer zu erretten. Jesus stillte den Sturm, als das kleine Fischerboot zu kentern drohte. Johannes Swoboda, Evangelische Kirche Weißwasser

Doch wer rettet uns, wenn wir in den Wogen des Alltags unterzugehen drohen, wenn die Probleme überhandnehmen und keine Hoffnung mehr ist?

Für Tamir abu Sahav war die Flucht über das Mittelmeer die einzig verbliebene Hoffnung, um sein bisschen Leben zu retten, das übrig geblieben war in Krieg und Terror in Syrien - und doch war diese seine letzte Reise eine Fahrt in den sicheren Tod. Wie groß muss die Verzweiflung sein und wie brutal die Realität, dass er sich an diesen einen kleinen Strohhalm Hoffnung krallt. Und Tamir abu Sahav weiß wohl, das Risiko im Meer umzukommen ist gewaltig groß. Die Schlepper, die ihn zu seinem Boot bringen, werden all sein Hab und Gut fordern und das Schiff, auf dem er mit Hunderten anderen dicht gedrängt eingepfercht wird, wird wohl kaum die Fahrt über das Meer bestehen. Wer schickt ihm Jonas Fisch zur Rettung und wer glättet die Wogen, dass die Überfahrt gelingt?

Beten allein hilft da nicht - wir, die wir in den Fluten des Lebens überlebt haben und von aufbrandendem Terror verschont bleiben, sind gefordert, endlich etwas dagegen zu tun und nicht nur unsere Betroffenheit auszusprechen. Nehmen wir die, die die Flucht geschafft haben, in unserer Mitte auf und lassen wir uns betreffen von ihrer Geschichte, dann bekommen die Tausenden Opfer Gesicht und Namen. Vielleicht hätte Tamir abu Sahav dann seine Flucht überlebt, vielleicht hätte er nicht einmal flüchten müssen.