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Schatzkammer modern inszeniert

Exponat-Einrichter Sven Braun (r.) und der wissenschaftliche Ausstellungsassistent Jan-Erik Becker (l.) im Münzkabinett.
Exponat-Einrichter Sven Braun (r.) und der wissenschaftliche Ausstellungsassistent Jan-Erik Becker (l.) im Münzkabinett. FOTO: dpa
Dresden. Münzen sind ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes. Mit ihnen wurde gezahlt, aber auch Politik gemacht und repräsentiert. Das Dresdner Münzkabinett ist eine der herausragendsten Sammlungen dieser Art in Europa. Simona Block

Gold, Pergament oder Glas: Im Georgenbau des Dresdner Residenzschlosses öffnet sich in wenigen Wochen eine fürstliche Schatzkammer. Zig kleine Exponate, für deren Betrachtung Besucher oft eine Lupe brauchen, funkeln in großen Räumen. Elf Jahre, nachdem es die Pforten im Albertinum schließen musste, kehrt das Münzkabinett auf die Bildfläche zurück - in modernster Inszenierung.

"Die Numismatik hat es etwas schwer, weil die Objekte oft winzig sind und man viel erklären muss", sagt der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckard Köhne. Dabei seien es wichtige Zeitzeugen der Geschichte. Im Georgenbau des Schlosses werden ab Juni die größten Schätze einer der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Deutschland mit europäischem Rang gezeigt.

"Es wird eine ganz neue Version von Münzkabinett", sagt der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD), Hartwig Fischer. "Das spezielle Thema Geld und Numismatik, die Wissenschaft von den Münzen, steht zu Unrecht etwas im Schatten der Aufmerksamkeit", weiß Münzkabinettdirektor Rainer Grund. Er hofft, dass die neue Inszenierung die Neugier junger Menschen weckt.

Immerhin zeichnet der Rundgang die Geschichte des Geldes von den ersten Prägungen im 7. Jahrhundert vor Christus bis in die Gegenwart nach. Und Sachsens Kurfürsten beschränkten sich beim Sammeln nicht auf ihr Territorium, sondern interessierten sich auch für die restliche Welt. Mit der Förderung von Edelmetallen und der Verbesserung der Münztechnik entstanden Prägungen auch zur Repräsentation. "In der Renaissance entwickelte sich eine neue Gattung der bildenden Künste: die Medaille." Kunstobjekt statt Zahlungsmittel.

Ein Berliner Architekturbüro konzipierte für die Präsentation ein Raum-in-Raum-Prinzip mit Wandeinbauten in den einst fürstlichen Wohnräumen - drei Kabinette, ein Saal und ein Raum. Die Kabinette ermöglichen eine intime Begegnung mit der Kleinkunst, die in einer Art Schaufensterzone arrangiert und fast senkrecht an Rückwänden befestigt und angestrahlt werden.

Zudem bieten Vitrinen die Möglichkeit, Münzen und Medaillen genau und aus verschiedenen Perspektiven zu studieren. Laut Direktor Grund können rund 3000 Objekte untergebracht werden - nur ein Prozent des Gesamtbestandes. "Wir müssen uns aus Platzgründen beschränken." Daher wurden in erster Linie seltene, herausragende und künstlerisch hochrangige Objekte und Unikate ausgewählt. "Im Vergleich zu früher ist es trotzdem das Zweieinhalbfache."

Zu den Highlights gehören eine originalgetreue Fotoreproduktion des Bergaltargemäldes von Hans Hesse aus der St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz, einem vielzitierten Hauptwerk. "Die Prozesse vom Erz zur Münze werden nachvollziehbar - Suche, Fund, Abbau, Verhüttung bis zur Vermünzung." Der Silberreichtum im Erzgebirge war Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung - sichtbar an der Abfolge der großen Währungsperioden vor Einführung der Mark: Pfennigwährung, Groschenwährung sowie Talerwährung.

"Letzere ist die weltweit erfolgreichste Währung, deren Geschichte wir ausführlich erzählen", sagt Grund. Der Name Taler habe sich schnell durchgesetzt und verbreitet. "Er lebt bis heute abgewandelt fort: im Dollar." Den gibt es auch in Gold und auf Papier. Der "Kosmos des Geldes" reicht von der Antike bis zur Gegenwart, von der alten Drachme bis zur modernen Euro-Währung. "Da geht es auch um die großen Kulturen im Orient."

Dass Geld mehr ist als die Entwicklung der Münze zeigt eine Auswahl von Papiergeld mit 80 Exemplaren, darunter Raritäten wie ein John-Law-Schein von 1719. Versammelt ist zudem ein Spektrum der Zahlungsmittel von organischem Material wie Schneckengehäuse über Gerätegeld bis zu Barren. Dementsprechend breit ist die Palette der Materialien: Gold, Silber, Bronze, Kupfer, Platin, Messing, Palladium, Eisen, Nickel, Zink, Blei, Magnesium, Niob, Titan oder Zinn - und sogar Porzellan, Pergament, Glas und Leder.