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| 15:08 Uhr

Jubiläen in Rohne
Rohne ohne die beiden Vereine undenkbar

  Sie gehören zu den Geehrten des Njepila-Vereins: Gert Emmrich, Vorsitzender Manfred Nickel, Manfred Hermasch, Ingrid Lehnigk und Lydia Noack (v.l.).
Sie gehören zu den Geehrten des Njepila-Vereins: Gert Emmrich, Vorsitzender Manfred Nickel, Manfred Hermasch, Ingrid Lehnigk und Lydia Noack (v.l.). FOTO: Gabi Nitsche
Rohne. Die Jubilare Njepila-Verein und Schalmeien-Kapelle bereichern das Dorfleben. Zur Feier empfingen die  55-Jährigen die „jungschen Spunde“. Von Gabi Nitsche

Ein kleines Dorf wie Rohne lebt vom Zusammenhalt seiner Bewohner. Und das funktioniert nach den Worten von Ortsvorsteher Matthias Jainsch super. Beredte Beispiele sind der Njepila-Verein und die Schalmeien-Kapelle.  „Ihr bereichert das Dorfleben“, so Jainsch. Die Hausherren und die Musiker aus der Nachbarschaft haben gemeinsam Geburtstag auf dem Njepila-Hof gefeiert und hatten sich dazu viele gute Freunde und Verbündete eingeladen. Die wurden am Freitagabend bei der Festsitzung mit der Guten-Laune-Musik empfangen von Dieter Graul und seinen Mitstreitern.  Zum eigenen 55. kann man schon mal ordentlich auf die Pauke hauen. Und die „jungschen Spunde“ vom 20-jährigen Njepla-Verein erwiesen sich einmal mehr als glänzende Gastgeber.

Ja, gutes Essen hält Leib und Seele zusammen. Oder anders gesagt: Liebe geht durch den Magen. Fettschnitten, selbstgemachte Wurst, Blechkuchen – darauf verstehen sich Manfred Nickel und dessen Mitstreiter genauso gut, wie sie den Besuchern nahebringen, wie die Menschen zu Zeiten von Hanzo Njepila ihr Leben bestritten. Denn auf dem Njepila-Hof gilt das Motto: „Kak to jo bylo? Wie war das früher einmal?“

Dem sind sämtliche Veranstaltungen im Jahresverlauf zugeordnet. Familienfeiern wie Hochzeit und Taufe, Schlachtfest, Federnschleißen, Feldarbeiten, Osterbräuche, Ernte, Kirmes, Spinte, Weihnachten … Die Besucher lernen dabei viel über sorbische Bräuche und Familientraditionen der Altvorderen.

 Die Schalmeien-Kapelle, die ihren 55. Geburtstag feierte, empfing  die Gäste auf dem Njepila-Hof natürlich musikalisch.
Die Schalmeien-Kapelle, die ihren 55. Geburtstag feierte, empfing  die Gäste auf dem Njepila-Hof natürlich musikalisch. FOTO: Gabi Nitsche
 Die Schalmeien-Kapelle, die ihren 55. Geburtstag feierte, empfing  die Gäste auf dem Njepila-Hof natürlich musikalisch.
Die Schalmeien-Kapelle, die ihren 55. Geburtstag feierte, empfing  die Gäste auf dem Njepila-Hof natürlich musikalisch. FOTO: Gabi Nitsche

Manfred Nickel ist stolz, dass es immer wieder gelingt, die sorbischen bäuerlichen Traditionen und den Hof lebendig zu halten. „Wir tragen bei allen Festen aufgearbeitete Schleifer Trachten, singen Schleifer Lieder und sprechen Schleifer Sorbisch.“ Der Verein ist stolz auf sein Lieder- und das Wörterbuch. Das höre sich alles einfach an, bedeute aber viel Arbeit. Alles in allem: „Eine wahnsinnig schöne Aufgabe“, so der Vereinschef.

„20 Jahre sind ja eigentlich keine lange Zeit, aber wir sind eben auch entsprechend älter geworden.“ Ohne tatkräftige und auch finanzielle Unterstützung von vielen fleißigen Helfern sei das Ganze nicht umsetzbar. Von Anbeginn brauchte es Verbündete für die zehn Gründungsmitglieder des Vereins, auch wenn diese noch so optimistisch ans Werk gingen. „Unsere Beharrlichkeit hat sich gelohnt.“ Der Schweiß, der vor allem bei der Rekonstruktion des alten Bauerngehöftes geflossen ist, und die Mühen wurden belohnt. Der einstige Hof des schreibenden Halbbauern Hanzo Njepila, dem Namensgeber des Vereins, ist ein wahres Schmuckstück geworden und steht der Nachwelt zur Verfügung. Nicht als Museum, sondern als ein lebendiges Zeitzeugnis. Mit einer Festwoche feierten die Njepilaner 2006 das 200jährige-Bestehen des Hofes und die erfolgreiche Sanierung. Wer den Hof besucht, gerät ins Staunen. Alles ist bestens erhalten, sauber und einladend.

Neben unzähligen kleinen Veranstaltungen und Führungen für interessierte in- und ausländische Besucher sind die alljährlichen Hoffeste im September besonders spektakulär. Dann treffen sich schon gern einmal um die 1000 Gäste auf dem Hof zum gemütlichen Beisammensein. Im September steht das 20. auf dem Plan.

 Andreas Pudel und Marco Jainsch kommen im Namen der Feuerwehr gratulieren.
Andreas Pudel und Marco Jainsch kommen im Namen der Feuerwehr gratulieren. FOTO: Gabi Nitsche

Ortsvorsteher Matthias Jainsch erinnert sich noch wie heute an die Zeit vor zwei Jahrzehnten. Er und seine Familie waren gerade nach Rohne gezogen. „Als ich den Hof gesehen habe, war mir klar, der macht nicht mehr lange.“ Doch die Stimmung, die Geselligkeit seien einmalig gewesen. Da wurden eben kurzerhand Bänke mitten auf den Hof gestellt, auf der Wiese wurde getanzt und gefeiert. „Ich weiß noch, wie Rudi Krauz damals zu mir kam und meinte, hier musst du unterschreiben …“ Das war sein Start als Vereinsmitglied. „Hätte ich damals gewusst, was noch alles auf uns zukommt ...“, so Jainsch augenzwinkernd. Ohne zu zögern fügt er an: „Aber es war die richtige Entscheidung, den Hof zu erwerben und auszubauen.“

Der Rohner sieht noch Gert Emmrich vor sich, der damals oft mit dem Kopf gegen den Türbalken gelaufen ist, weil alles so niedrig war. Oder anfangs, als hier noch geschlachtet werden durfte. „Da war plötzlich das Schwein weg. Es wurde wieder eingefangen, und die Wurst war umso leckerer.“

Und die Schalmeien-Kapelle ist immer mit dabei, wenn auf dem Njepila-Hof gefeiert wird. Vor 55 Jahren ins Leben gerufen, lagen die eigentlichen musikalischen Rohner Wurzeln bei einem Spielmannszug. 1933 gegründet, dann von den Nazis verboten, existierte dieser von 1950 etwa 16 Jahre. Doch in den 1960er-Jahren hatte dann Heinz Hein in Rohne das Schalmeien-Feuer entfacht.

Otto Lehmann war der Erste, der die Leitung innehatte. Heinrich Kreisel, Horst Hein waren die Nachfolger, heute ist Dieter Graul der Chef. Und das schon seit 2000. Dieter Graul erinnerte am Freitagabend an die wichtigsten Stationen seit 1964. Immer mehr Spielleute wechselten in die Kapelle. „Je mehr Bläser wir waren, desto voller klang unsere Kapelle. Wir spielten überall. Auf Polterabenden genauso wie bei der Einweihung der Bushaltestelle in Rohne. Die zwei Märsche, die wir kannten, spielten wir wieder und wieder.“ Die Leute waren begeistert. Neue Märsche wurden gelernt. Fortan gab es kaum ein Fest hier und in der Region, bei dem die Rohner nicht aufspielten und bestens unterhielten, und das machen sie bis heute.

 Dieter Graul erinnerte Freitag an die zahlreichen Auszeichnungen für gelungene Darbietungen bei Wettbewerben. In den zurückliegenden Jahren gab es ein Kommen und Gehen im Verein. 40 Mitglieder hatte die Kapelle zwischenzeitlich. „Schade, dass einige noch immer hier leben, aber den Weg nicht mehr zu ihrer alten Kapelle finden“, bedauert Dieter Graul. Sein Wunsch sei es, dass die Jugend den Staffelstab übernimmt und erfolgreich den Weg weitergeht.

Das kameradschaftliche Miteinander werde bei den Schalmeienspielern genauso großgeschrieben wie beim Njepila-Verein. Ebenso der Zusammenhalt mit den anderen Rohner Vereinen. Jetzt steht die Kapelle vor einer großen Veränderung. „Wir verlangen ein dickes Ding von Euch“, umschrieb es Ortsvorsteher Matthias Jainsch. Die Musiker geben ihr bisheriges Vereinsdomizil auf und ziehen um in die Alte Schule. Denn die Ortswehr bekommt ein neues Gerätehaus, und dafür wird der Platz benötigt. Beide Gebäude stehen derzeit sehr dicht beieinander. „Der Umzug ist ein schwerer Schritt, aber wir wollen nicht der Hemmschuh dafür sein, dass das Gerätehaus nicht gebaut werden kann“, so Dieter Graul. Die Kameraden wüssten das sehr zu schätzen, versicherte Wehrleiter Andreas Pudel. Es gibt keine Zweifel, dass die Schalmeien dann zur Einweihung erklingen.

Darauf und auf die erfolgreichen Vereinsgeschichten stießen die Gäste gern an und verbrachten einen geselligen Abend. Über einen Beamer wurden Fotos gezeigt, die an schöne Veranstaltungen auf dem Njepila-Hof erinnerten. Da gab es viel zu erzählen. Nicht anders war es am Samstag beim gemütlichen Beisammensein am Nachmittag und dem abendlichen „Tanz auf der Tenne“.