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| 16:37 Uhr

Muskauer Park
Prost Brauerei

 Die Herren der Spaten: Stadtrat Thomas Krahl, Bürgermeister Andreas Bänder, Planer Roland Ladusch und der ehemalige Parkleiter Ekkehard Bruksch (v.l.n.r.) beim symbolischen Anpflanzen am ehemaligen Köbelner Tor. Ebenfalls als Gärtner probieren sich die Landtagsabgeordneten Thomas Baum, Lothar Bienst und Weißwassers OB Torsten Pötzsch aus.
Die Herren der Spaten: Stadtrat Thomas Krahl, Bürgermeister Andreas Bänder, Planer Roland Ladusch und der ehemalige Parkleiter Ekkehard Bruksch (v.l.n.r.) beim symbolischen Anpflanzen am ehemaligen Köbelner Tor. Ebenfalls als Gärtner probieren sich die Landtagsabgeordneten Thomas Baum, Lothar Bienst und Weißwassers OB Torsten Pötzsch aus. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau . Der erste Abschnitt zur Revitalisierung der Industriebrache in Bad Muskau ist beendet. Der Schlusspunkt wird in Form von Bäumen gesetzt. Von Regina Weiß

Dass sich der Hof der Brauerei in Bad Muskau bestens als Biergarten eignet, das ist noch kurz vor Ostern ausprobiert worden. An den Stehtischen wird Fürst-Pückler-Pilsner, -Schwarzbier und -Postdamer gekostet. Andreas Ulke, Geschäftsführer vom Cottbuser Brauhaus Pückler-Muskau, hat sie an den Ort mitgebracht, wo bis vor 55 Jahren das Parkbräu entstanden ist. Danach begann die Zeit vom Malzbier, bis irgendwann nur noch Limonade abgefüllt wurde. Ab 1991 war auch damit Schluss und das Haus stand leer und wuchs zu. Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, erinnert sich: „Wenn man nach Bad Muskau reingefahren ist, dann wollte man hier nur noch wegsehen.“ Die Grenze zur Altstadt wurde von einem Schandfleck dominiert.

Seit anderthalb Jahren ist Bewegung in der Sache. „Es wandelt sich gerade – vom Wegsehen zum Hinsehen“, ist sich Cord Panning sicher. Der erste Bauabschnitt ist sozusagen fast Geschichte. „Er war eine Herausforderung für alle“, sagt Planer Roland Ladusch, Leiter der Rauh-Damm-Stiller-Partner Planungsgesellschaft aus Weißwasser. Es ging nicht nur um die Notsicherung des Komplexes, sondern auch die Rückführungen auf die alte Baukubatur. Mancher marode Anbau, Schuppen, Unterstand musste weichen. Im Juli vergangenen Jahres hatten die Abbrucharbeiten begonnen. Die größte Veränderung war der Rückbau der Mosterei und des Schornsteins. Hinzu kam der Bau der Dächer. So werde abgesichert, dass Wind und Wetter keine Angriffsflächen mehr haben. Dieser erste Abschnitt wurde über den Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement Sachsen (ZFM) realisiert. Für den zweiten Bauabschnitt stehen die Finanzen ebenfalls bereit. 1,5 Millionen Euro steuern Partei- und Massenorganisatoren der DDR bei. Dieses Geld wird dafür sorgen, dass die Süd- und Westfassade „aufgehübscht“ werden. In diesem Jahr wird dafür die Planung gemacht, um dann 2020 zu starten. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Hier kommt dann das Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ zum Tragen. Vor wenigen Tagen konnte Bad Muskau stolz vermelden, Fördermittel von 5,8 Millionen Euro zu erhalten, mit denen Investitionen von rund 10,9 Millionen Euro umgesetzt werden können. Mit einem Teil des Geldes soll die Schmuckfassade, die auf die Parkseite zeigt, wieder errichtet werden. 1845 bei der Eröffnung war vor allem jenes Gebäude ein Schmuckstück. Denn neben dem  Solitärbau war das damalige Hotel Düsseldorf (später Niederländischer Hof) ein echter Hingucker. Laut Flyer zur „Geschichte der Muskauer Brauerei“, den die Stiftung zusammengestellt hat, war das Haus im Stil der normannischen Neogotik erbaut worden. Es hatte Erker, Ziermauertürmchen, Zinnen und bunte Dachziegel. Cord Panning ist sich sicher, wenn man diese Seite wieder zum Klingen bringt, dann ist es für den Park eine Bereicherung. Und nicht nur das. Der Parkdirektor spricht vom einem Schatz. Den in Verbindung mit dem Bier zu setzen, „wird ein Selbstläufer“, ist er sich sicher. Und mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Bier wird auch bei der künftigen Menschheitsentwicklung sicherlich eine Rolle spielen.“

Paula Lailach ist Offizierin und hat im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum bei der Stiftung in Bad Muskau absolviert. Die Verbindung zum Bier liegt mit Vater Andreas Ulke sozusagen in der Familie. Die Vermarktung von Bier über soziale Netzwerke wird sie in ihrer Masterarbeit beschäftigen. Könnte durchaus sein, dass das dann zukünftig auch die Brauerei betrifft.

Doch dort soll nicht nur Gerstensaft wieder eine Rolle spielen. In den Eiskellern, auch sie haben zum Schutz ein Dach erhalten, könnte das Thema Kur „Klein aber fein“ eine wichtige Rolle übernehmen. Sole und Moor warten als Schätze Bad Muskaus darauf, mehr in den Fokus zu rücken. Die Stadt hat Professor Karl-Ludwig Resch beauftragt, neue Produkte zu entwickeln. In der Stadtratssitzung im Mai wird darüber mehr zu erfahren sein. Hinzu kommen neue Förderoptionen, lässt Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) anklingen.

 Paula Lailach schenkt im Innenhof der Brauerei in Bad Muskau ein Fürst-Pückler-Radler aus. Auch in Sachen Bier soll das altehrwürdige Haus künftig wieder belebt werden.
Paula Lailach schenkt im Innenhof der Brauerei in Bad Muskau ein Fürst-Pückler-Radler aus. Auch in Sachen Bier soll das altehrwürdige Haus künftig wieder belebt werden. FOTO: Regina Weiß

Diese Entwicklung wird begossen. Übrigens nicht nur mit Bier, sondern auch mit Wasser. Acht Bäume sind auf dem Gelände vis-a-vis der Brauerei gepflanzt worden. Sie sollen an das Köbelner Tor erinnern, was es hier vor Jahrhunderten gegeben hat. Pyramideneichen, Manna-Esche und Schnurbaum sind gesetzt worden. Letztere werden mit schaumigen Blüten aufwarten, sagt Cord Panning. Ganz passend zum Thema Brauerei und Bier.

 Die Brauerei von der Parkseite aus gesehen: Bis dato aufgeräumter aber unscheinbar. Das soll sich bis 2023 ändern. Bis dahin werden 6,5, Millionen Euro in das Gebäude geflossen sein.
Die Brauerei von der Parkseite aus gesehen: Bis dato aufgeräumter aber unscheinbar. Das soll sich bis 2023 ändern. Bis dahin werden 6,5, Millionen Euro in das Gebäude geflossen sein. FOTO: Regina Weiß