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| 19:15 Uhr

Muskauer Faltenbogen
Sanfter Tourismus im Weißwasseraner Seenland

Mit kleinen Booten wurde im September 2017 das erste Faltenbogen-Gewässer im Weißwasseraner Seenland getauft. Es heißt Smaragdsee.
Mit kleinen Booten wurde im September 2017 das erste Faltenbogen-Gewässer im Weißwasseraner Seenland getauft. Es heißt Smaragdsee. FOTO: Richter-Zippack
Weißwasser. Der Geopark will das gewässerreiche Gebiet nördlich der Stadt behutsam entwickeln. Von Torsten Richter-Zippack

Rund 30 kleinere und größere Gewässer gibt es nördlich von Weißwasser. Manche, beispielsweise der Waldsee, sind beliebt bei Badegästen, andere wiederum präsentieren sich sehr abgelegen und fast zugewachsen. Sie gehen vor allem auf die ehemaligen Braunkohlegruben Hermann und Adolf zurück. Hermann ging vor genau 150 Jahren in Betrieb, Adolf glatte 40 Jahre später. Im Gebiet wurde bis 1959/1960 Rohbraunkohle gewonnen. Die ausgekohlten Restlöcher füllten sich bald mit Wasser und bilden seitdem quasi das Weißwasseraner Seenland. Dieses stellt den Scheitelpunkt des Muskauer Faltenbogens, der sich wie ein Hufeisen in der Landschaft präsentiert, dar.

Diese landschaftlich reizvolle Region spielt in den Planungen des Geoparks Muskauer Faltenbogen eine besondere Rolle. „Bereits jetzt nutzen Waldeisenbahn und Geoparkführer dieses Areal zur Illustration ihrer Erläuterungen, zur Umweltbildung und weil dieses Fleckchen Erde tatsächlich sehr spannende Geschichten und eben die außergewöhnliche Seenlandschaft bereithält“, erklärt Geoparkleiterin Nancy Sauer.

Massentourismus sei fremd in dieser Region – und soll es auch bleiben. Stattdessen setzen die Protagonisten vor Ort auf sanften Tourismus, beispielsweise für Naturliebhaber, Wanderer und Radfahrer. „Klar erscheint die Perspektive, das Gebiet für den Geotourismus zu nutzen und Wege auszubauen oder einen Rundwanderweg zu errichten, recht attraktiv“, erklärt Sauer. Allerdings, so sagt die Expertin weiter, stoße man dabei schnell auf Grenzen. „Denn die Möglichkeiten, dieses Areal zu entwickeln, sind beschränkt.“ Bestehende Wege werden zwar bereits genutzt, weitere oder neue Angebote zu schaffen, liege allerdings allein in der Hand des jeweiligen Waldbesitzers. „Mittelfristig sind dort daher keine nennenswerten Aktivitäten vorgesehen, und wenn doch, dann nur in Abstimmung mit den Eigentümern“, erklärt Sauer. Denkbar seien unter anderem die Taufen weiterer Gewässer. Erst im Spätsommer 2017 wurde der Smaragdsee nahe der Waldeisenbahnstrecke nach Kromlau auf diesen Namen getauft. Hintergrund bildet die namensgebende Wasserfarbe.

Darüber hinaus setzt der Geopark auf die natürliche Entwicklung. Besonders in den unzugänglicheren Teilen und an den Gewässerrändern kann sich die Natur ungestört entwickeln. Das kommt einer ganzen Anzahl gefährdeter Pflanzen- und Tierarten zugute. Zudem bleiben die Hinterlassenschaften des Bergbaus weiter für Interessierte lesbar.

Kurioserweise gibt es im Weißwasseraner Seenland keinen Rechtsnachfolger für das dortige Altbergbaugebiet. Bei Gefahr in Verzug oder Grundbrüchen zeichnet sich das Oberbergamt für die dann notwendige Sicherung verantwortlich. Ansonsten setzt sich das Gebiet aus Privateigentum zusammen.