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Sammelbestellung für Marihuana aufgegeben

Weißwasser. Das Verfahren gegen einen heute 21-Jährigen Weißwasseraner, der wegen Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Weißwasseraner Jugendgericht stand, ist jetzt eingestellt worden. Er soll im Sommer 2015 im Alter von 19 Jahren mehrmals mit Marihuana gehandelt haben. Christian Köhler

Weil er strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten war, hatte sich Jugendrichterin Sybille Adamsky gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft entschieden, dass Verfahren gegen ihn einzustellen. Allerdings muss der Jugendliche 20 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Dabei trat während der Verhandlung im Gerichtssaal doch Erstaunliches zutage: Offenbar, so erklärte der Angeklagte, hatte er zusammen mit seinen Freunden Geld für eine größere "Lieferung" gesammelt. Das, so die Richterin, habe die Auswertung des Handys des Beschuldigten ergeben. "Wir haben manchmal am Wochenende zusammen geraucht", sagte er und fügte an: "Wir haben dann Geld für eine größere Menge zusammengelegt." Laut Anklage immerhin 475 Euro, was laut Staatsanwaltschaft einer Menge von etwa 70 Gramm Marihuana entspricht. Mit dem Geld war ein ebenfalls Angeklagter Jugendlicher - gegen das Verfahren auch eingestellt worden war - nach Großschönau in den Süden des Landkreises Görlitz gefahren. Dort, so gab der Angeklagte zu Protokoll, sei er selbst auch "manchmal" gewesen, um für 20 oder auch 50 Euro Gras zu kaufen. Zu einer Übergabe der Ware sei es dann am Weißwasseraner Bahnhof gekommen.

"Sie wissen, dass der Erwerb und der Besitz von Marihuana illegal ist?", fragte die Richterin den Angeklagten. Dies sei dem 21-Jährigen, der nach seinem Fachabitur eine Lehre in Boxberg macht, bewusst. "Ich habe in letzter Zeit nichts mehr genommen", sagte er reumütig. Um zu zeigen, wie ehrlich er es meint, habe er bereits angefangen, gemeinnützige Arbeit zu leisten. Eine positive Sozialprognose stellte auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe: "Aufgrund der Ermittlungen gegen ihn und seine Freunde und der erhobenen Anklage kifft er nicht mehr. Es ist davon auszugehen, dass er drogenfrei bleibt." Das hoffte schließlich auch die Staatsanwaltschaft, denn nun werde nicht mehr das Jugendstrafrecht angewandt. "Wenn Sie nun mit einer solcher Menge irgendwo ertappt werden, zieht das eine Freiheitsstrafe nach sich", so der Staatsanwalt.