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| 02:50 Uhr

Saisonstart mit Wolf, Wippe & Weide

Die Räuber-Beute-Wippe ist der Renner des neuen Erlebnisparks vor der Wolfsscheune. Dem Hund Benno von Kerstin Friebe war die Attraktion allerdings ein wenig unheimlich.
Die Räuber-Beute-Wippe ist der Renner des neuen Erlebnisparks vor der Wolfsscheune. Dem Hund Benno von Kerstin Friebe war die Attraktion allerdings ein wenig unheimlich. FOTO: amz1
Rietschen. Mit neuen Angeboten ist der Rietschener Erlichthof in die Saison 2017 gestartet. Ab sofort laden vor der Wolfsscheune acht Attraktionen ein, die sich vorwiegend an die jungen Gäste richten.

In den vergangenen Monaten ist dort ein Aktivgelände herangewachsen, das auf spielerische Weise viel Wissenswertes über den Wolf vermittelt. Höhepunkt bildet eine "Beute-Räuber-Wippe", auf der bis zu 25 Personen Platz finden. Ziel sei es, so erklärt Jana Endel vom Wolfskontaktbüro, den Zusammenhang zwischen der Anzahl der Nahrungstiere des Wolfes und der Zahl der Graupelze selbst zu verdeutlichen. Oder anders gesagt: Es sind wesentlich mehr Beutetiere erforderlich als Wölfe, um das Gleichgewicht, das durch eine rote Kugel angezeigt wird, herzustellen. Technischer Hintergrund: Die Wippe ist asymmetrisch angelegt.

Darüber hinaus können die Besucher die sechs Stufen auf einen hölzernen Hochstand steigen und nach Isegrim Ausschau halten. Um es vorwegzunehmen: Meistens wird man tatsächlich einen Wolf zu Gesicht bekommen. Wenn auch "nur" eine Attrappe aus Pappe, die immer mal wieder an anderer Stelle im umgebenden Gelände positioniert wird. Außerdem gibt es eine knallbunte Fotowand, wo Besucher ihre Köpfe hineinhalten können. Die von einer Dresdner Künstlerin gezeichneten Wölfe wundern sich dann über die neugierigen Besucher, die nach Spuren und Losung Ausschau halten. Weitere Attraktionen sind das Märchenhaus, in dem Szenen aus "Rotkäppchen" und den "sieben Geißlein" nachempfunden werden sowie ein Märchenbuch, das Wolfsgeschichten aus aller Welt präsentiert. Eine Fährtentafel, ein Räuber-Beute-Schaukasten und ein hölzerner Isegrim runden das Angebot ab.

Mit Letzterem feiert Bildhauer René Theurich aus Niesky-See eine kleine Premiere. "Mein erster Wolf", erklärt der Künstler. Die Frauen vom Wolfsbüro hätten ihm für seine Arbeit extra ein echtes Präparat ausgeliehen. Tatsächlich habe es Theurich geschafft, ein Stück Holz in einen Graupelz zu verwandeln.

Insgesamt 81 000 Euro seien in den neuen "Wolfserlebnispark" investiert worden, rechnet Jürgen Eichhorst, Leiter des Kreisforstamtes Görlitz, vor. Das Wolfskontaktbüro ist seiner Behörde angegliedert. Der Betrag sei komplett über Fördermittel des Umweltministeriums finanziert worden. Fast ausschließlich einheimische Firmen hätten das Werk dann praktisch umgesetzt. Übrigens: In diesem Jahr besteht die Wolfsscheune seit genau zehn Jahren.

Darüber hinaus lockt zum Saisonauftakt auf dem Erlichthof auch eine kleine Ausstellung. Dort präsentiert Claus Weber, der extra aus Chemnitz angereist ist, seine "wilden Kreationen", wie er seine Kunstwerke aus Birke, Weide, Thymian, Rebholz und Hartriegel selbst bezeichnet. Daraus zaubert er verschiedenste Sträuße, die von den Gästen sehr gut angenommen werden.

Grit Striese aus Daubitz hat dagegen 50 Apfelsorten mitgebracht. Manche Sorten, so erzählt die Fachfrau, seien zwar im Herbst geerntet worden, begännen aber erst jetzt zu schmecken. Ein Beispiel bilde der weit in der Lausitz verbreitete Ontario-Apfel, der aufgrund seiner Herbheit erst ab Februar genießbar sei. Andere Sorten könnten bis in den Sommer gegessen werden, etwa der Rote Eisenapfel.

Die Besucher sind von den Angeboten auf dem Erlichthof begeistert. Karin Richter und ihre Tochter Claudia Späck sind extra aus dem bayerischen Ingolstadt angereist. "Wir machen hier gerade Urlaub", berichtet Karin Richter. "Unser Hotel in Niesky hat uns den Erlichthof empfohlen. Und es ist tatsächlich ein sehr lohnenswertes Ensemble." Claudia Späck ergänzt: "Ich stehe auf Bioprodukte, habe gleich Brot, Leinöl und Schokolade eingekauft". Die Familie wolle auf jeden Fall wiederkommen. Vielleicht zum Jahreshöhepunkt, dem Fischerfest, das diesmal am 23. September stattfindet. Insgesamt besuchen Jahr für Jahr zwischen 60 000 und 70 000 Menschen den Erlichthof, rechnet Marion Girth von der Tourist-Information vor. Mindestens die Hälfte nehme auch die Wolfsscheune unter die Lupe. Vielleicht werden es dank der neuen Angebote noch mehr. Dann dürfte auch der Wunsch von Forstmann Jürgen Eichhorst in Erfüllung gehen: "Wir wollen mit solchen Angeboten auch die aktuelle Wolfsdiskussion versachlichen."