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| 15:54 Uhr

Görlitz
Licht und Schatten am Berzdorfer See

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (hier mit EGZ-Projektleiterin Katharina Poplawski) informierte sich über die aktuelle Entwicklung am Berzdorfer See.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (hier mit EGZ-Projektleiterin Katharina Poplawski) informierte sich über die aktuelle Entwicklung am Berzdorfer See. FOTO: Uwe Menschner
Görlitz. Eine Radtour mit Wirtschaftsminister Martin Dulig zeigt Entwicklung, aber auch Stillstand an der Görlitzer Badewanne. Von Uwe Menschner

Erst mit dem Fahrrad ein Stück an einem See entlangfahren, anschließend im Boot wieder zurückschippern – es gibt sicher auch für einen Minister unangenehmere Arten, einen Arbeitstag zu verbringen. Dies umso mehr, wenn strahlende Sonne und eine kühlende Brise für angenehme äußere Bedingungen sorgen wie am Dienstag, als der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) den Berzdorfer See unter die Lupe nahm. Freilich nicht allein zum Vergnügen, sondern auch um sich davon zu überzeugen, dass die vom Freistaat Sachsen ausgereichten Fördermittel die ihrem Zweck entsprechende Verwendung finden.

Bedrohte Strandidylle. Der erste Eindruck, den der Minister und seine Begleiter gewinnen, ist der einer perfekten Strandidylle. „Noch ein paar Bäume zum Schatten spenden wären ganz gut“, sagt einer der Begleiter – doch ansonsten findet der stadtnahe Nordoststrand ungeteilte Bewunderung.

Aber für den Schatten braucht man keine Bäume, denn den gibt es auch so: „Wir haben hier ein Problem mit dem Wellengang. Wenn da nichts passiert, ist in einigen Jahren der ganze schöne Strand weg“, erklärt der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos). Diese „Kliffbildung“, ein Phänomen, das auch andere Lausitzer Seen betrifft, ist am Berzdorfer See aufgrund der hiesigen Windverhältnisse besonders stark ausgeprägt. Es gibt erprobte Mittel, ihr entgegenzusteuern: „Man schüttet einfach Steine auf die Böschung.“ Doch das sieht dann nicht mehr schön aus und lädt auch nicht zum Baden ein.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH setzt daher auf eine andere Methode: Sie will die nagende Flut bereits im Wasser mit Wellenbrechern eindämmen. Doch auch dabei gibt es Nebenwirkungen in Form einer eingeschränkten Sicht über den See und einer sich verschlechternden Wasserqualität innerhalb des Schutzbereichs: „Das ist eben ein künstlicher See, da muss man mit Kompromissen leben.“

Einer macht was, der andere nicht.Licht und Schatten liegen auch an der nächsten Biegung des Radweges, der als graues Band den See umrundet, dicht beieinander. Hier geht es nämlich nach Deutsch-Ossig – einen typischen „Restort“. Durch das Ende der DDR im letzten Moment vor der Zerstörung bewahrt, tut sich das Dörfchen nach wie vor schwer, neues Leben zu entwickeln. „Die Gebäude befinden sich in Privatbesitz. Die einen machen etwas, die anderen noch nicht“,weiß Katharina Poplawski, Projektleiterin für den Berzdorfer See bei der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH.

Einer von denen, die etwas machen, ist Ralf Richter. Er betreibt den Gastronomieservice Carari und ist Besitzer des früheren Pfarrhofes. „Ich möchte hier eine Pension mit Restaurant einrichten. Allerdings bräuchten wir hier Fördermöglichkeiten, die über das Normale hinausgehen.“ Was genau er damit meint, kommt nicht zur Sprache.

Der Minister verabschiedet sich höflich und radelt weiter. Ohnehin redet Martin Dulig nicht viel auf seiner Tour, sondern sieht seine Rolle eher in der des Zuhörers.

Ohne Schiffe kein richtiger Hafen.Wieder eine Ecke des Radwegs weiter ragt sie empor: Die „Mutter aller Investitionen“ am Berzdorfer See – die „Insel der Sinne“, ein erst vor wenigen Wochen eröffnetes Komforthotel. Mit ihm haben sich die Görlitzer Ina Lachmann und Henry Hedrich einen lang gehegten Traum erfüllt: „Wir haben schon viele schöne Hotels an Seen gesehen und wollten immer selbst einmal eines bauen.“ An diesem Ort südlich von Görlitz, an einem verregneten Tag, spürten sie die Magie und wussten: Das ist es! Jetzt steht sie hier, die Insel der Sinne – eine Insel auch in dem Sinne, dass sie noch ziemlich allein auf weiter Flur ist. Denn – das wird Minister Dulig auf dieser Tour zweifellos klar – mag der Tourismus am Berzdorfer See in den vergangenen Jahren auch eine beachtliche Entwicklung genommen haben, so steckt er doch noch immer in den Kinderschuhen.

Noch eine Ecke des Radwegs weiter wird das besonders deutlich: Hier erhebt sich ein ansehnlicher, fast schon futuristischer Bau – das Hafengebäude. Eine beachtliche Anzahl von Booten liegt am Pier vor Anker, doch es könnten noch viel mehr sein. „Wir brauchen endlich die Schiffbarkeitserklärung. Das dauert viel zu lange“, macht Arne Myckert aus seinem Ärger kein Hehl. Er ist Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen, die den Hafen betreibt und entwickeln will. „Doch wenn hier keine motorisierten Schiffe fahren dürfen, hemmt das die Entwicklung ungemein.“ Eigentlich sollte die Erklärung längst vorliegen, doch ein naturschutzfachliches Gutachten hat neue Hinderungsgründe aufgeworfen.

Minister Dulig hört geduldig zu, ohne sich seinerseits zu äußern. Klar ist, dass neben den Machern vor Ort auch er und seine Mitarbeiter noch Hausaufgaben zu erledigen haben, damit der Berzdorfer See sein Potenzial entfalten kann.