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Russische Seele ergreift die Nochtener in der gut beheizten Kirche

Die Maxim-Kowalew-Don-Kosaken brillierten in der Nochtener Kirche und rührten die Zuhörer mit dem Klang ihrer melancholischen Lieder.
Die Maxim-Kowalew-Don-Kosaken brillierten in der Nochtener Kirche und rührten die Zuhörer mit dem Klang ihrer melancholischen Lieder. FOTO: amz1
Nochten. Russland! Was fällt den Lausitzern als erstes zum Riesenreich im Osten ein? Der Kreml in Moskau. Eisige Winter. amz1

Und natürlich die melancholischen Klänge der Don-Kosaken. Letztere sind jetzt in Nochten zu Gast gewesen. Und das bei fast russischen Verhältnissen im derzeit eisigen und schneereichen Lausitzer Winter.

Zum Glück für die sieben Sänger und die rund 40 Zuhörer hatte Küsterin Christa Beland die Kirche rechtzeitig gut geheizt. "Wir hatten bereits am Sonntagmorgen Gottesdienst. Da ist die Kirche nicht allzu ausgekühlt", erklärt sie. Gefroren haben dürfte beim Konzert der Maxim-Kowalew-Don-Kosaken ohnehin niemand. Denn die renommierten Künstler brillieren unter anderem mit orthodoxen Liedern, mit Stücken bekannter Komponisten, darunter auch deutschen wie Johann Sebastian Bach, sowie bekannten Volksweisen. Als die sieben Stimmen, festlich gekleidet in Schwarz mit den roten Streifen auf den Hosen und den charakteristischen Gürteln sowie den Gurten, die die rechten Schultern umspannen, die ersten Töne ins Nochtener Kirchenschiff schicken, sind die Besucher wie gebannt. Manch einer dürfte Gänsehaut verspüren, so sehr beginnt die russische Seele, von den Gästen Besitz zu ergreifen.

Beispielsweise von Ulrike Matthieu aus Krauschwitz. Gemeinsam mit ihrem Mann, der an diesem Abend für das Konzert sogar auf das zeitgleich stattfindende Eishockey-Spiel der Weißwasseraner Füchse verzichtet, genießt sie die Don-Kosaken bereits ein zweites Mal. "Wir waren schon beim ersten Konzert im vergangenen Herbst in Bad Muskau ganz begeistert", erzählt Matthieu. Beeindruckend sei insbesondere die Vielseitigkeit des Programms. Und dass nicht ausschließlich Titel aus Russland präsentiert würden. Da habe es nahe gelegen, auch in die Nochtener Kirche zu fahren. Die Familie ist eigenen Angaben zufolge ohnehin ein großer Fan der russischen Chormusik. Gern würden die Matthieus mal wieder gen Osten reisen. Bereits zu DDR-Zeiten standen Moskau und Leningrad auf dem Ausflugsprogramm.

Begeistert ist auch Christine Beesdo aus Schleife. "Ich mag diese Klänge sehr", bekennt sie. Kein Wunder, verspüre sie bei Werken wie den "Abendglocken" oder "Ich glaube an die Macht der Liebe" durchaus eine Gänsehaut.

Die Nochtener Kirchgemeinde freut sich bereits seit Monaten auf das festliche Konzert zum Jahresbeginn. Extra dafür blieb noch die provisorische Bühne, zusammengezimmert aus Sperrholzplatten, im Gotteshaus stehen. "Dort hatte zu Heiligabend bereits das Krippenspiel stattgefunden", erklärt Christa Beland.

Nach Angaben von Katja Pietzsch von der Kirchengemeinde sei der Vorverkauf für den Kosaken-Chor allerdings schleppend verlaufen. "Dabei haben wir eine ganze Menge Werbung auf die Beine gestellt." Warum dann doch nur 40 Gäste kamen, könne sie sich nicht erklären. "Vielleicht lag es auch am Winterwetter", mutmaßt die junge Frau.

Etwa vor einem halben Jahrzehnt sei schon einmal ein russischer Chor in der Nochtener Kirche aufgetreten. Doch für die Maxim-Kowalew-Don-Kosaken sei es eine Premiere. Das Konzert in Nochten war für die sieben Männer übrigens die bereits zweite Veranstaltung an diesem Tag. Nur vier Stunden zuvor hatten sie noch ihr Publikum in der rund 80 Kilometer entfernten Pfefferkuchenstadt Pulsnitz begeistert.

Derzeit stellen die Nochtener ihren Jahresplan für 2017 zusammen. Möglicherweise wird es noch weitere interessante Veranstaltungen in der Kirche geben. Wobei der Zauber der russischen Seele vonseiten der Don-Kosaken nur schwer zu toppen sei, wie die Besucher befanden.