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Bürgermeistergespräch
Mehr als normale Förderpakete sind nötig

Bürgermeister Achim Junker.  Archivfotos: rwBürgermeister Achim Junker. Archivfotos: rw  Bürgermeister Achim Junker. Archivfoto: rw
Bürgermeister Achim Junker. Archivfotos: rwBürgermeister Achim Junker. Archivfotos: rw Bürgermeister Achim Junker. Archivfoto: rw FOTO: Regina Weiß
Boxberg. Boxbergs Bürgermeister wünscht sich Zuwachs und weiß, dass es dafür gut bezahlte Arbeitsplätze braucht.

Zum Jahresanfang ist die RUNDSCHAU mit Bürgermeistern der Region ins Gespräch gekommen, um sie nach ihrer Bilanz und ihren Wünschen zu befragen. Heute ist Achim Junker (CDU) an der Reihe, der seit August 2015 die Geschicke der größten Flächengemeinde des Freistaates Sachsen lenkt.

Herr Bürgermeister, was haben Sie, die Verwaltung und der Gemeinderat im Jahr 2017 für die Bürger erreicht?

Achim Junker: Das ist schon eine schwere Frage, denn auch das vergangene Jahr war gespickt mit Problemen. Das Thema Steuerrückzahlung ist abgehakt, leider. Wir werden nie mehr etwas davon sehen. Es beschäftigt uns aber nach wie vor. Es hat Auswirkungen auf unseren aktuellen Haushalt, was die Investitionen betrifft. Gut ist aus meiner Sicht, dass wir da im Gemeinderat eine sehr verantwortungsvolle Zusammenarbeit haben. Das Themen hinterfragt werden, ist manchmal nicht einfach, aber so auch notwendig. Ich glaube, wir können gemeinsam darüber froh sein, dass wir die Ausschreibung für die Sanierung der Boxberger Schule und den Ausbau des Begegnungszentrums im Obergeschoss auf den Weg gebracht haben. Das ist ganz wichtig für den gesamten Ort. Dann konnte in Uhyst der Bau des Abwassers zu Ende gebracht werden, was gleichzeitig wieder Aufgaben für uns bedeutet: den Straßenbau. Die Kurze Straße und die Schulstraße sind dran. Bei der Bautzener Straße sind wir als Kommune für den Gehweg und die Straßenbeleuchtung verantwortlich.

Das ist doch schon mal ein guter Ausblick?

Ja, aber ich muss klar sagen, dass die allgemeine Bedingung für die Straßenbauprojekte ist, dass wir Fördermittel dafür erhalten. In diesem Rahmen sind auch die Eigenmittel eingestellt. So wollen wir es auch in diesem Jahr schaffen, die Ortsdurchfahrt in Dürrbach zu sanieren.

Doch die Kommune kann nicht alles selbst realisieren?

Junker: Das stimmt, bei der Straße zwischen Kringelsdorf und Klitten sind uns beispielsweise die Hände gebunden. Ich bin dort mal in einem Bus mitgefahren und plötzlich sagte der Busfahrer: Das ist die am schlechtesten ausgebaute Straße des Kreises. Die Straße – für uns für den Bärwalder See wichtig – ist wirklich in keinem tollen Zustand. Als ich als Bürgermeister angetreten bin, hieß es vom Kreis, es wird 2017. Nun haben wir schon 2018.

Ein großes Thema war gerade auch im Raum Boxberg der Breitbandausbau?

Junker: Ja, der ist ja auch ganz wichtig für uns. Ich sehe nur große Fragezeichen, wie sich diese Bauarbeiten im Zeitraum zwischen 2018 und 2019 alle realisieren lassen sollen, wenn schnelles Internet überall ausgebaut werden soll.

Die Region steht erneut vor einem Strukturwandel. Was muss passieren, damit dieser gelingt?

Junker: Ich habe einen Wunsch an die große Politik, dass sie hoffentlich erkannt hat, dass der ländliche Raum mehr gefördert werden muss. Das ist eine Erkenntnis aus den letzten Wahlen. Der Bund ist gefordert, wenn es um die Strukturentwicklung geht, wie ich es lieber nenne. Er muss in der Zukunft für einen Ausgleich sorgen. Dazu gehört aus meiner Sicht auch, dass bei der Infrastruktur über das normale Maß hinaus Anstrengungen unternommen werden müssen. Mit den ganz normalen Förderpaketen wird man dieses Problem hier nicht stemmen können. Gibt es den Ausgleich nicht, dann kann es passieren, dass wir uns hier zurückentwickeln. Bei der Landeregierung hoffe ich, dass sie unsere Sorgen und Nöte erkannt hat und dass in der Praxis beim Bürger in den nächsten zwei Jahren auch Veränderungen ankommen.

Boxberg hatte sich ja auch um Fördermittel beworben. Gibt es dort schon positive Signale?

Junker: Es geht um die Revitalisierung der Altstandorte der Braunkohleindustrie in Boxberg . Im Blick haben wir den Standort Altkraftwerk und die Tagesanlagen Reichwalde. Noch gibt es keine Signale zu unserem Antrag. Fakt ist aber, die Umsetzung geht nur gemeinsam mit der Leag als Grundstückseigentümer. Mit im Boot ist die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH. In die setze ich große Hoffnungen. Sie soll der Ansprechpartner sein. Derzeit gibt es aber noch keine greifbaren Ergebnisse.

Der Bärwalder See ist bereits zu einem Markenzeichen für Boxberg geworden. Wie geht es dort weiter?

Junker: Man sieht es ja an der jüngsten Diskussion zu den Landerampen für das Fahrgastschiff am See, es wird nicht einfacher. Dort herrschen komplizierte geologische Bedingungen vor. Letztlich ist es in meinen Augen eine Katastrophe, dass keiner mehr so richtig Entscheidungen treffen will, sondern das immer neue Gutachten gebraucht werden. Damit will ich nicht kleinreden, dass es wichtig ist, genau zu gucken, wo und wie gebaut wird. Es geht ja um Tausende von Euro. Doch das ändert nichts am Gefühl, dass die Forderungen manchmal überzogen sind.

Der See hat in der Gemeinde nicht überall Fans?

Junker: Den Vorwurf, wir würden zu viel Geld in den See stecken, höre ich auch immer wieder aus den Ortsteilen. Das muss ich zum einen aushalten. Zum anderen muss man aber auch ganz klar sagen, dass wir als Gemeinde die Erschließung von Klitten-Jasua und auch die Anlegestellen für das Fahrgastschiff mit einem erheblichen Fördersatz bezuschusst bekommen. Das  wird es so sicherlich nicht mehr ewig geben, wenn ich an die Paragraf-4-Mittel denke. Es geht um die Grundlagen. Die weitere Entwicklung liegt dann in den Händen privater Investoren. Da hoffe ich, dass Armin Hoffmann mit seinen Vorhaben am See durchhält. Der hat sich das sicherlich auch einfacher vorgestellt.

Was finden Sie mit Blick auf die große Gemeinde für 2017 noch hervorhebenswert?

Junker: Einer der Höhepunkt aus meiner Sicht war definitiv die Lausitz-Rallye. In diesem Jahr wollen wir noch mal einen neuen Versuch unternehmen, ob wir nicht doch das Fahrerlager auf der Boxberger Seite unterkriegen. Die Bedingungen in Uhyst waren eben doch nicht ganz so ideal. Trotzdem toll, wie alles gestemmt werden konnte. Uhyst wiederum konnte mit seiner 675-Jahr-Feier total überzeugen. Dass im Festumzug alle Ortsteile mit ihren Vereinen vertreten waren, dass wir gemeinsam auftreten, so miteinander feiern konnten, das war wirklich eine Freude für mich.

Wenn Sie für Boxberg einen Wunsch frei hätten: Wie würde dieser Wunsch lauten?

Junker: Dass sich der Zusammenhalt in der Gemeinde noch weiter entwickelt. Und dass wir den Trend bei den Einwohnerzahlen endlich mal wieder umkehren könnten. Denn als Ort verlieren wir jedes Jahr rund 100 Einwohner.

Allein mit Biologie ist das nicht zu schaffen?

Junker: Nein (lacht). Dafür müssen Familien zurückkehren. Das hängt natürlich von vielen Bedingungen ab, zuallererst von gut bezahlten Arbeitsplätzen.

Mit Achim Junker
sprach Regina Weiß