| 03:01 Uhr

Rückbau mit Nagelschlag besiegelt

Setzten dem Wohnblock das neue Spitzdach auf: Zimmermänner und Dachdecker der Firmen Kosza und Melchior.
Setzten dem Wohnblock das neue Spitzdach auf: Zimmermänner und Dachdecker der Firmen Kosza und Melchior. FOTO: Joachim Rehle/jor1
Boxberg. Mit dem Richtspruch "Das Glas zersplittere im Grund, geweiht sei dieses Haus zur Stund" ist am Freitag der letzte Nagel in den neuen Dachstuhl des rückgebauten WBG-Wohnblocks in Boxberg geschlagen worden. Anja M. Lehmann

"Pünktlich wie die Maurer" begann Petra Sczesny, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser (WBG) am Freitag ihre kurze Ansprache zum Abschluss eines der wichtigsten Abschnitte beim Rückbau des WBG-Wohnblocks in der Straße der Freundschaft Boxberg. Beim traditionellen Richtfest gebührte Horst Jannack die Ehre, einen der letzten Nägel ins Gebälk zu schlagen.

Es sei ein ganz besonderer Tag für Boxberg, so Jannack. "Zum ersten Mal nach der Wende wird hier ein Block nicht abgerissen sondern rückgebaut und sogar neue Wohnungen entstehen", so der Ortsvorsteher. Nach der Verabschiedung des Gemeindeentwicklungskonzepts hatte er sich maßgeblich dafür eingesetzt, dass der Block stehen bleibt. "Eigentlich hätte er vom Markt genommen werden sollen", so Bauherrin Petra Sczesny.

Einige der überwiegend älteren Mieter blickten dem 1,2 Millionen Euro teuren Bauvorhaben, bei dem unter anderem die beiden oberen Etagen abgetragen und gegen ein Spitzdach ersetzt werden, skeptisch entgegen. Voll bewohnt wurden die ersten Umbauarbeiten von hiesigen Betrieben zügig umgesetzt.

"Wir freuen uns alle, dass wir nicht ausziehen mussten", erzählt Anneliese Göhlich. Staub und Lärm gehören eben zum Bau dazu, so die Rentnerin. Durch das Abtragen der oberen Etagen sind in ihrem Wohnzimmer zwei Gesteinsstücke aus der Decke gefallen. Es sei "nichts kaputt gegangen, was nicht wieder zu reparieren wäre". Seit fast 20 Jahren wohnt die ältere Dame in der zweiten Etage. Nun liebäugele sie mit einer der neuen Wohnungen, die im Dachgeschoss entstehen. "Da sind wir flexibel", sagt Petra Sczesny. Maximal acht neue Wohnungen sind unterm Dach geplant. Ende April werden neue Fenster eingebaut. Wenn die Fassadenarbeiten im August abgeschlossen sind, erhalten die Wohnungen auf der Ostseite Balkone.

"Einwandfrei", meint Hans Zimmermann. "Wenn es gestört hat, sind wir raus gegangen", berichtet er vom Umbau. Doch mit Blick auf den Fortschritt und das Resultat des Rückbaus seien die Belastungen der Arbeiten im Haus zu ertragen.

In einige der oberen Wohnungen ist wetterbedingt Regenwasser eingedrungen. Jedoch habe die WBG Glück mit den bisher eingetretenen Schäden. "Sie halten sich in Grenzen", teilt Petra Sczesny mit.

"Wir haben uns dazu entschlossen nicht auszuziehen, jetzt müssen wir noch ein wenig durchhalten", sagt Magdalena Mertin. Denn bis Oktober werden die Umbauarbeiten noch andauern. Das Ehepaar Mertin ist vor neun Jahren aus einem Abrissblock in die Straße der Freundschaft gezogen. Es sei überrascht gewesen, dass die Termine so strikt eingehalten wurden. "Die Handwerker waren immer so freundlich", erzählt die Rentnerin.

So sprach auch Petra Sczesny allen beteiligten Handwerkern ihren Dank aus. "Und ich danke vor allem den Mietern, die die Einschränkungen und Arbeiten geduldig ertragen", so die WBG-Chefin. Beim Einschlagen der letzten Nägel konnte sie Horst Jannack dann sogar unterbieten - im Endergebnis waren aber beide lange Nägel krumm. Petra Sczesny: "Wenn es das Einzige ist, was beim Bau krumm geht, kann ich damit leben."