| 16:38 Uhr

Rosemarie Müller schafft ersten Marathon

Die Zuschauer – hier Gäste aus Tschechien – feuern ihre Akteure im Wasser auf den letzten Metern lautstark an.
Die Zuschauer – hier Gäste aus Tschechien – feuern ihre Akteure im Wasser auf den letzten Metern lautstark an. FOTO: Ingolf Tschätsch /igt1
Boxberg. "Ich habe schon ein wenig Fracksausen. Wir sind Hallenschwimmer und haben so eine Strecke noch nie im Freien zurückgelegt. Das sind hier ganz andere Bedingungen." Ingolf Tschätsch / igt1

Das sagt Rosemarie Müller. Sie ist an diesem Sonnabend zum ersten Mal zum Marathonschwimmen an den Bärwalder See bei Boxberg gekommen. "Für mich ist nur wichtig, dass ich es schaffe, selbst, wenn ich Letzte werde. Wenn es nicht klappt, ist es auch nicht schlimm. Dann habe ich es wenigstens versucht", fügt die Weißwasseranerin hinzu, während sie ihren Neoprenanzug anlegt.

Rosemarie Müller ist mit ihren 64 Jahren die zweitälteste Teilnehmerin unter den 102 Männern, Frauen und Jugendlichen, die beim 9. Event dieser Art am größten See Sachsens ins Wasser steigen. 38 Jahre war sie Schwimmmeisterin in der Volksschwimmhalle Weißwasser. Jetzt trainiert sie die Erwachsenen im Sportverein Grün-Weiß ihrer Heimatstadt. "Das heißt, ich stehe meist am Beckenrand und gebe Hinweise, komme dadurch aber selbst gar nicht viel zum Schwimmen", erzählt die Seniorin. Erstmals wage sie sich an die 1,5-Kilometer-Distanz unter Wettkampfbedingungen in einem Gewässer heran.

Zusammen mit ihr stellen sich drei weitere Mitglieder von Grün-Weiß der sportlichen Herausforderung dieser Strecke: Anett Schreiber, Detlef Bellmann vom Jahrgang 1955 und damit zweitältester männlicher Starter, und Steffen Walter aus Klitten. "Steffen ist es auch gewesen, der uns motiviert hat, heute hier mitzumachen", erzählt Rosemarie Müller.

Am Uhyster Strand wird der Startschuss für die 7,5 Kilometer gegeben, an der Marina in Klitten gehen die Akteure für die vier Kilometer ins Wasser, und der Badestrand in Boxberg ist der Ausgangspunkt für jene Sportler, die, wie Rosemarie Müller, die 1,5 Kilometer packen wollen. Dieser Bereich ist außerdem das gemeinsame Ziel für die Schwimmer aller drei Distanzen.

Die rührigen Sportfreunde vom Bärwalder See mit ihrem Vereinsvorsitzenden Michael Meltzer haben wiederum mit vielen freiwilligen Helfern alles bestens vorbereitet. Mit von der Partie sind Aqua-Team und DLRG Weißwasser, die Wasserwachten Görlitz und Zittau sowie die Feuerwehr Boxberg. Die Sicherheit der Teilnehmer hat oberste Priorität.

Die Spannung bei der kleinen Grün-Weiß-Truppe steigt. Gleich soll es auf die 1,5 Kilometer gehen. Michael Meltzer gibt das Signal. Dann stürzen sich 42 Männlein und Weiblein - fünf mit Flossen - wagemutig bei 22 Grad Celsius Wassertemperatur in die Fluten. Die Weißwasseraner hatten zuvor noch damit gehadert. "Wir sind von der Halle 28 Grad gewöhnt", sagt Rosemarie Müller.

Schon nach 18 Minuten ist die Jugendliche Josefine Neudorf-Blochwitz von Tauchsport Döbeln als Erste im Ziel. Flossen an den Füßen machten sie so schnell. Dann kommt der Pulk der Schwimmer ohne Hilfsmittel. Die Anhänger am Strand - darunter tschechische Zuschauer -feuern ihre Sportler auf den letzten Metern lautstark an.

Gut eine halbe Stunde ist seit dem Start vergangen. Wo ist Rosemarie Müller, wo sind überhaupt die Grün-Weißen? Dort, unverkennbar an ihren grünen Badekappen, auch Rosi Müller ist dabei. Überglücklich, dazu lachend, steigt sie aus dem Wasser. "Ich habe es geschafft, es war cool", ruft sie begeistert wie ein Teenager, "und bin nicht mal Letzte geworden. Im nächsten Jahr schwimme ich wieder beim Marathon mit." Die 64-Jährige hat den Kampf gegen sich selbst gewonnen. Da spielt die Zeit von 39 Minuten und neun Sekunden - was Platz 13 bei den Damen bedeutet - eher eine untergeordnete Rolle.

Überhaupt haben sich vier von Grün-Weiß wacker geschlagen: Anett Schreiber wurde 11., Detlef Bellmann 20. und Steffen Walter gar Sieger in seiner Altersklasse.