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| 02:47 Uhr

Rollenwechsel im Filmtheater

Vorhang auf für den neuen Kinoleiter Tino Züchner und Applaus für Gerd Sprecher (l.): Der langjährige Kinochef gibt den Staffelstab an einen Jüngeren weiter.
Vorhang auf für den neuen Kinoleiter Tino Züchner und Applaus für Gerd Sprecher (l.): Der langjährige Kinochef gibt den Staffelstab an einen Jüngeren weiter. FOTO: Würz
Hoyerswerda. Hoyerswerdas Kinochef Gerd Sprecher gibt nach Jahrzehnten den Staffelstab an Jüngeren weiter. Der neue Chef kehrt in die alte Heimat zurück. Catrin Würz

Das ist doch mal ein Abschied, wie ihn man sich wünscht: Ein ganzes Haus voller Frauen zur ausverkauften Vor premiere des neuen Kinoblockbusters "Fifty Shades of Grey", Teil 2, am gestrigen Mittwochabend. Mehr als 300 Glas Sekt sind auszuschenken, bevor sich der Vorhang für die mit Spannung erwartete Filmpremiere öffnet. Wie gut, dass diesmal gleich zwei Herren den für die Frauenkino-Reihe üblichen Sektempfang managen: Es sind der neue und der alte Kinochef von Hoyerswerda.

Denn seit dieser Woche ist der Wechsel an der Spitze des Cinemotion-Kinos nun amtlich: Tino Züchner, 26-jähriger Kulturmanager mit schon mehrjähriger Kinoerfahrung, übernimmt den Staffelstab von Gerd Sprecher. Der 62-Jährige hat sich bereits im Januar in den Ruhestand verabschiedet. Eine Entscheidung, die er mit etwas Wehmut, aber auch mit großer Erleichterung traf. "Das Kino ist ein Kulturbetrieb, der für junge Leute arbeitet. Deshalb sollte auch der Manager annähernd im Alter seines Publikums sein", findet Gerd Sprecher, der selbst fast drei Jahrzehnte lang die Verkörperung von Kinokultur in Hoyerswerda war. Mit 14 Jahren legte er seine erste Filmrolle in einen Lichtbogen-Projektor ein - und war sofort von der Kinoleidenschaft gepackt. Das ist jetzt fast 50 Jahre her.

Seit 1986 ist sein Name mit Kino in Hoyerswerda untrennbar verbunden: Als stellvertretender Kreisfilmstellenleiter organisierte Sprecher einst das legendäre Sommer-Kino-Café am Knappensee. In der "Tonne" ging es bei manchmal bis zu 40 Grad Innenraumtemperatur nicht nur auf der Leinwand heiß her. Vor fast 20 Jahren übernahm er die Leitung des Hoyerswerdaer "Filmeck". Spätestens von diesem Tag an war Gerd Sprecher quasi mit dem Lichtspielbetrieb "verheiratet". Er führte das Kino unter drei verschiedenen Betreibern (UFA, CineStar, Cinemotion) durch Höhen und Tiefen. Heute gehört "sein" Filmtheater dank der weitsichtigen neuen Betreibergesellschaft K-Motion aus Hamburg zu den modernsten und schicksten Kinos weit und breit: neues kuscheliges Foyer, neue Klimatechnik in den vier Sälen, hochmoderne Vorführtechnik. Ganz loslassen kann Gerd Sprecher noch nicht: Ab und zu will er im Kino weiter aushelfen.

Es sind große Fußstapfen, in die Tino Züchner da tritt. Doch der 26-Jährige ist für die Aufgabe gerüstet. Er wuchs in Hoyerswerda auf und studierte nach seinem Abitur am Lessing-Gymnasium Kultur und Management in Görlitz. Schon als Student arbeitete er im Kino mit und schrieb seine Bachelorarbeit über die neue Filmstadt Görlitz. Nach dem Studium übernahm er 2014 die Leitung des Filmpalastes Pirna. Als ihn Ende 2016 die Nachricht erreichte, dass in Hoyerswerda ein neuer Kinochef gesucht wird, zögerte er nicht lange.

Sein Rezept für ein gutes Kinoprogramm ist klar: "Vielseitigkeit ist alles", sagt Tino Züchner. Die schon gut laufenden Kinoreihen für Senioren, für Kinokenner und für Frauen wird es weiter geben - und auch die Live-Übertragungen aus der Metropolitan Opera New York. Züchner will künftig aber auch ein paar "Bonbons" für andere Musikfreunde anbieten: Konzertfilme mit Rockmusik oder Hiphop. Eine Premiere soll es schon im Februar geben: Der Konzertfilm "Rammstein in Paris" wird auch in Hoyerswerda laufen.