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| 17:36 Uhr

Ich kaufe regional
Rollende Läden – beliebt und notwendig

Verkäuferin Ingrid Brunsch (54, Mitte), arbeitet seit 2002 bei Bäckerei Höfchen; hier auf dem Foto macht sie gerade am Standort in Krauschwitz, Ecke Geschwister-Scholl-Straße/Schäferstraße, unter der großen Eiche Station. Die Krauschwitzer kommen gern an den Wagen einkaufen.
Verkäuferin Ingrid Brunsch (54, Mitte), arbeitet seit 2002 bei Bäckerei Höfchen; hier auf dem Foto macht sie gerade am Standort in Krauschwitz, Ecke Geschwister-Scholl-Straße/Schäferstraße, unter der großen Eiche Station. Die Krauschwitzer kommen gern an den Wagen einkaufen. FOTO: Arlt Martina
Daubitz/Krauschwitz. Am Verkaufswagen von Höfchens gibt es immer ein nettes Wort. Von Martina Arlt und Regina Weiß

Die Einkaufswagen der Bäckerei Höfchen kommen viel rum. Zwei sind es, die der angestammte Bäckereibetrieb, den es im 151. Jahr gibt, durch den nördlichen Teil des Landkreises Görlitz schickt. Vor Jahren hatte Seniorchef Lothar Höfchen diesbezüglich den Begriff „soziale Einrichtung“ für die Verkaufswagen geprägt. Und daran hat sich bis heute nichts geändert, hört man zu, was Juniorchefin Konstanze Jahn erzählt. Teilweise sind die Verkaufsfahrten engt getaktet, damit der „Laden“ auch die kleinsten Dörfer erreicht. „Am Mittwoch beispielsweise gibt  es elf Haltepunkte“, so Konstanze Jahn. Da wird in Sagar oder Pechern Halt gemacht. Dienstag sind Krauschwitz und der Markt in Bad Muskau an der Reihe. Sogar ins „Ausland“ geht es, nach Zschorno und Jämlitz ins Brandenburgische. Das ist die Nordtour. Der Süden reicht von Steinbach bis Boxberg oder Reichwalde-Ziegelei. Viele dieser kleinen Orte hatten entweder nie einen Laden oder es gibt schon lange kein Geschäft mehr.

Deshalb ist für die fahrenden Läden eins von hoher Priorität: die Pünktlichkeit. „Der Wagen wird jedes Mal schon erwartet. Dann versammelt sich sozusagen die Rollatoren-Gang“, sagt Konstanze Jahn und meint das ganz liebevoll.  Über die vielen Jahren weiß man natürlich, was besonders beliebt und nachgefragt ist. Neben den Waren des täglichen Bedarfs – Brot und Brötchen vorneweg – scheinen die Käufer durchaus Süßem nicht abgeneigt zu sein. „Konfekt wird zum Beispiel öfter nachgefragt“, erfährt die RUNDSCHAU. Und dann gibt es da noch die personenbezogenen Bestellungen, die bei Höfchens eingehen. Wenn Frau Müller eben Avocados von Marktfrisch Rothenburg  möchte oder Leberwurst von der Löbauer Fleischerei Richter oder Eier aus Lodenau, dann wird das Paket zusammengepackt und fährt im Verkaufswagen in den Heimatort von Frau Müller mit.

 Das alles würde nicht funktionieren ohne die Frauen, die die Verkaufswagen steuern. „Die muss man ehren. Es ist ein Knochen-Job“, findet Konstanze Jahn. Denn auf den Wagen wird bei minus 15 Grad Celsius gewartet, genauso wie bei 30 Grad Celsius. Im Winter haben die Frauen Streusalz und Starterkabel mit, um im Fall der Fälle gewappnet zu sein.

Besonders auf den Dörfern ist es für die Einwohner eine große Erleichterung, dass verschiedene Verkaufswagen an unterschiedlichen Standorten Station machen. Diese Einkaufsmöglichkeit wird besonders gern von älteren Leuten genutzt, die nicht mehr mit dem Auto oder mit dem Bus zu den Supermärkten fahren können. Oft erwarten sie schon sehnsüchtig den „kleinen Konsum“.

Verkäuferin Ingrid Brunsch ist seit 2002 in der Bäckerei Höfchen angestellt und tourt mit einem Verkaufswagen durch die Region. „Ich  bin dienstags bis samstags mit dem Fahrzeug unterwegs. Am Freitag ist immer am meisten Betrieb. Überwiegend werden die Backwaren gekauft. In den Dörfern wie Sagar oder Pechern, wo es weit und breit keine Kaufhallen gibt, werden auch sehr oft andere Lebensmittel aus unserem Wagen gekauft. Fehlt mal dies oder das, was die älteren Kunden dringend benötigen, dann besorge ich das auch.“

80 Prozent der Leute sind Stammkunden, man kennt sich. Vorbeifahrende halten manchmal spontan an, so die 54-jährige Verkäuferin. „Es gibt immer ein nettes Pläuschchen. Es wird über Gartenarbeit oder Urlaub gesprochen. Es wird auch einmal das Leid geklagt, ein Spaß gemacht oder Rezepte werden ausgetauscht. Ich bin gern mit dem Wagen unterwegs. Wir sind eben so eine Art Treffpunkt für die Dorfbewohner geworden“, sagt Ingrid Brunsch.

Zu den ersten Kunden am Dienstag gehört Käthe Barthel (81) an der großen Eiche in Krauschwitz: „Diesen Lebensmittelpunkt gibt es seit der Wende für uns, und darüber sind wir sehr glücklich. Zwei- bis dreimal wöchentlich kaufe ich überwiegend Backwaren.“ Bei Brot sei es eine ganz bestimmte Sorte. Die 80-jährige Edeltraud Beier ist immer dienstags am Wagen zu finden: „Ich kaufe dann sehr gern die Semmeln, die friere ich mir ein, dann sind sie wie frisch. Es gibt oft ein Pläuschchen, dieser Treffpunkt ist einfach super und für die Versorgung der Menschen auch ganz wichtig.“

Zur Kundschaft in Krauschwitz gehört Jürgen Krautz (67). Er wohnt in der Nähe und findet diese Einkaufsmöglichkeit wunderbar. „Sie sollte unbedingt erhalten bleiben.“ Günter Balzer (77), der gerade angeradelt kommt, sieht das ebenso.

Ingrid Brunsch freut das Lob der Kunden. Diese trifft sie an manchen Tagen an drei und manchmal acht Stationen wie in Pechern, Werdeck, Bad Muskau, Halbendorf, Groß Düben und Jämlitz.

Ich kaufe regional 4c
Ich kaufe regional 4c FOTO: LR