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Rohner fühlen sich als Opfer

Über die Zukunft der Lausitz nach der Braunkohle sprachen am Dienstagabend Bürgermeister, Landräte und Amtsdirektoren mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.
Über die Zukunft der Lausitz nach der Braunkohle sprachen am Dienstagabend Bürgermeister, Landräte und Amtsdirektoren mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. FOTO: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Schleife. Matthias Jainsch macht die aktuelle Situation an einem Beispiel klar: Gerade mal noch 22 Rohner hätten sich eingefunden, um den Maibaum zu stemmen. "Die Leute ziehen sich zurück", schildert er im Gemeinderat Schleife sichtlich bewegt. Regina Weiß

In seiner Funktion als Ortsvorsteher berichtet er über die jüngsten Geschehnisse in Rohne. Im Mittelpunkt steht die Einwohnerrunde, die kürzlich stattgefunden hat, und die sich mit der Frage "Wie weiter nach der Leag-Entscheidung?" befasst hat.

Dachten die Rohner die vergangenen zehn Jahre, sie werden umgesiedelt, ist seit Ende März wieder alles anders. Laut Jainsch sehen sich die Rohner wiederum als Opfer der verfehlten Energiepolitik der Bundesregierung. 72 Einwohner verlieren sie durch Nochten I. Danach werden sie unmittelbarer Anrainer an der Tagebaukante sein und befürchten immense Belastungen.

So fordern sie, dass der Tagebau die K 8476 (Kreisstraße nach Mühlrose) nicht überschreiten soll. Ein Damm sowie Schallschutzmaßnahmen stehen ebenso im Forderungskatalog wie ein Ausgleich für den Werteverfall der Gebäude.

Insgesamt finden sich 17 Punkte in dem Rohne-Papier, so Jainsch. Das fängt an bei der nicht DIN-gerechten Feuerwehr und geht bis zum neuen Standort der Kita. Denn die Milenka, da sind sich die Rohner einig, könne nicht am jetzigen Standort bleiben, würde sie doch zu nahe am Tagebau stehen.

Um den Erhalt der sorbischen Sprache gehe es auch beim Bau eines Kompetenz- und Sprachzentrums. Dieses könnte die Verbindung von Njepila-Hof zum Kindergarten sein.

Jainsch schildert weiter, dass er Tränen erlebt hat und Menschen, die um Fassung ringen. Es gab aber auch Vorwürfe gegen Kommunalpolitiker und Tagebaugegner. Matthias Jainsch hofft sehr, dass man gegenseitig das nötige Verständnis aufbringe und dass sich die Situation entschärfen lässt.

Schon vorher hatte Jörg Funda, stellvertretender Bürgermeister von Schleife, das Thema aufgegriffen. Wie die Trebendorfer eine Woche vorher, war es auch Fundas erstes Anliegen, wie es gelingen könnte, in absehbarer Zeit gleiche Verhältnisse herzustellen bei Abwasser, Breitband, Wärmeliefervertrag, Erdgas, Emissionsschutz und Sanierungsstau an kommunalen Straßen und Gebäuden.

So liegen beispielsweise fünf Brücken im ehemaligen Abbaugebiet, in die Schleife in jüngster Zeit kein Geld mehr gesteckt hat. Außerdem geht es Funda um die Entwicklungsmöglichkeiten von Schleife, wo die Leag mittlerweile zum größten Grundstücksbesitzer geworden ist. Und auch rechtlich gibt es aus Sicht von Funda dringlichsten Handlungsbedarf.

"Ein Nein zum Abbaufeld II muss ein Nein bleiben. Das muss rechtlich sichergestellt werden. Über zehn Jahre Unsicherheit sind genug", wie Jörg Funda unterstrich.

Zum Thema:
Am 20. Juni findet im Sorbischen Kulturzentrum eine gemeinsame Gemeinderatssitzung Schleife/Trebendorf statt. Dazu sind Vertreter der Leag, der Staatsregierung, Bundes- und Landtagsabgeordnete eingeladen. Auch die Bürger sind dazu eingeladen. Im Vorfeld sammelt die Gemeinde Schleife bereits Fragen der Gemeinderäte.