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Strukturwandel
Rohne steckt Kopf nicht in den Sand

Rohne. Ortschaftsrat bringt Einwohner auf den aktuellen Stand bei der Dorfentwicklung und fordert zum Mittun auf.

„Strukturwandel – das heißt für mich, Strukturen wandeln, umdenken, neue Wege gehen“, sagt Ortsvorsteher Mathias Jainsch. Es heißt nicht, den Kopf in den Sand stecken. Er wirbt dafür, sich einzubringen, das Dorf fit zu machen für die Zukunft. Und dass Rohne Zukunft hat, ist beim Dorfwettbewerb mit einem 3. Platz bescheinigt worden. Die Jury sieht vor allem im Miteinander von Jung und Alt Potenzial. „Wir müssen unserem Dorf eine Richtung vorgeben für die nächsten 15 Jahre“, fordert Jainsch.

Es ist Freitagabend. In der Mehrzweckhalle harren um die 100 Einwohner der Informationen. Fast zehn Jahre hatten sie an nichts anderes mehr gedacht als an ihre Umsiedlung. Doch die Leag schrieb das Revierkonzept neu. Nichts da mit Neu-Rohne. „Alles Schnee von gestern“, so Jörg Funda. Der vertritt den Bürgermeister. Aus Rohne weiß er, wie riesig der Nachholbedarf ist. An ihren Häusern haben die Menschen nur noch das Gröbste gemacht. Alles andere wäre ja rausgeschmissenes Geld gewesen. Da ist jetzt ein riesiger Berg Arbeit zu erklimmen. Auch aus kommunaler Sicht. Denn in Neu-Rohne sollte das Abwasser zentral entsorgt werden, schnelles Internet in jedem Haus verfügbar sein, und alle die Vorzüge aus dem Wärmeliefervertrag spüren – warme Stuben, heißes Wasser für kleines Geld. So, wie die, die eh bleiben sollten, schon lange

Die Nachteile müssen aus der Welt, alles andere schadet dem sozialen Frieden. Land, Kreis und Bergbaubetreiber haben im Juni den betroffenen Gemeinden Trebendorf und Schleife Unterstützung zugesichert. Was ist bisher geworden? Darum geht es heute Abend.

Abwasser: Das Abwasserbeseitigungskonzept steht, ohne es mit den Bürgern diskutiert zu haben. Gemeinderat Ingo Schuster kritisiert das. Jürgen Kochan vom Ingenieurbüro L.U.G.Cottbus erklärt, warum es das Wirtschaftlichste ist, wenn Rohnes Abwässer künftig zentral über eine Vakuumkanalisation über Schleife nach Weißwasser entsorgt werden. Für nur ein bis zwei Personen in einem Haus sei das nicht so, entgegnet Ingo Schuster. Von Gleichbehandlung könne keine Rede sein. Die gäbe es bei biologischen Kleinkläranlagen. Ob kleines oder großes Grundstück wären diese gleich teuer. Bei der zentralen Variante, so Schuster, wirke sich die Grundstücksgröße negativ aus. In Rohne gibt es derzeit 187 Abwasseranlagen, davon 17 abflusslose Gruben, 151 Kleinkläranlagen und 19 mit biologischer Reinigungsstufe.

Zuschuss für Umrüstung: Dort, wo sich die dezentrale Entsorgung nicht rechnet – 26 Grundstücke in Rohne – muss auf Bio umgerüstet werden. Das Land hat den Betroffenen jeweils 1500 Euro zugesagt. In der Praxis sei der Behördendschungel kaum durchdringbar. Bürgermeister Reinhard Bork sei jetzt der Geduldsfaden gerissen, so Amtsleiter Steffen Seidlich. Bork habe sich an Jens Albrecht von der sächsischen Staatskanzlei gewandt. Jetzt bewege sich etwas nach einem Telefonat von Bork mit Albrecht letzten Donnerstag. Die  Bürger brauchen schnell eine praktikable Auskunft.

Breitband: „Der Ausbau kommt auf uns zu“, informiert Jörg Funda. Für Rohne in Form eines Glasfasernetzes. Drei Millionen Euro Investitionskosten. Hauptamtsleiterin Marion Mudra hofft auf die Bewilligung noch vor Weihnachten. Dann könnte im Frühjahr ausgeschrieben und im Herbst Baustart sein.

Wärmeversorgung: Fakt ist, die Leag baut und betreilbt kein Gasnetz. Die Gemeindeverwaltung ist deshalb mit der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg und Spreegas am Tüfteln für die Gasversorgung. In den Häusern sind die Heizungssysteme meist veraltet, die Leute wollen so schnell wie möglich umrüsten, weiß Seidlich. Im Januar wisse man mehr. Der Baukostenzuschuss, den jeder Grundstückseigentümer zahlen muss, steige und falle mit der Zahl der Anschlüsse insgesamt. Einen Anschlusszwang gibt es nicht.

Nachteilsausgleich Wärmeliefervertrag: „Der Ärger eint uns in Rohne, Mulkwitz, Schleife-Süd und Klein Trebendorf“, sagt Jörg Funda. Die Räte aus den drei Orten sind sich einig: Das Angebot von der Leag dazu ist nicht das, was sich die Leute erhoffen. Aber: „Wir sind dran an etwas, das den Nachteil kompensiert.“

Dorfentwicklungskonzept: „Wir haben ein Dorf, wo der Tagebau 200 Meter heran kommt. Also Ärmel hochkrempeln! Macht mit, tragt Verantwortung mit“, spricht Ortsvorsteher Mathias Jainsch „seinen“ Rohnern ins Gewissen. Er werde nicht müde, es immer wieder zu erklären: Altes bewahren, wie den Njepila-Hof zum Beispiel, und Zukunft gestalten. Zum Beispiel mit dem Kita-Neubau. Denn der Tagebau kommt der jetzigen bald sehr nah. Man könnte ebenerdig bauen und mehr Plätze bieten. Die alte Kita lebt als Dorfgemeinschaftshaus weiter. Zukunftsmusik ist ebenso ein Lausitzer Zentrum europäischer Minderheiten, eine Bildungseinrichtung für Erzieher und Lehrer zum Sorbisch lernen. Ein dingerechtes Gerätehaus und ein Löschfahrzeug für die Ortswehr sind notwendig. Die alte Schule bietet Platz für ein Medizinisches Versorgungszentrum. „Das Leben auf dem Land wird viel mehr Bedeutung erlangen. Die Städte sind voll. Wir müssen den ländlichen Raum entwickeln. In Rohne nehmen wir das in die Hand. Und wenn wir das Angebot erhalten, die neue Kita wird bezahlt, dann greifen wir zu“, so Jainschl. Funda ergänzt: „Wir haben nur diese Chance. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir müssen Gas geben.“