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Roboter erobern Laubusch und wollen Studenten locken

Laubusch. Technik begegnet uns heutzutage überall. Umso wichtiger ist es, ausgebildetes Fachpersonal zu haben. Die TU Chemnitz versucht mit ihrer Robo-School auf ungewöhnliche Art die zukünftigen Studenten für sich zu begeistern. Jens Dettlaff

Aus seinen blauen Augen funkelt er die staunenden Zuschauer an. Sein Gesicht ist freundlich, die Sprache noch etwas blechern, und die Musik kommt direkt aus seinen Ohren. Langsam bewegt er sich zur Melodie aus der Hocke in die aufrechte Position und beginnt zu tanzen. Nach 30 Sekunden ist der etwa 50 Zentimeter große Nao-Roboter fertig mit seiner Showeinlage. All die Bewegungen, die der Roboter kann, verdankt er den wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studenten der Technischen Universität (TU) Chemnitz, die ihn programmieren. Nur ein Fehler in der Programmierung und der 12 000 Euro teure Roboter könne umfallen oder im schlimmsten Fall auch über die Tischkante "hinaustanzen", sagt Maja Riedel von der TU. Sie spricht aus Erfahrung.

In den zurückliegenden Tagen standen Roboter im Mittelpunkt der sogenannten Robo-School. Die TU Chemnitz hatte dafür naturwissenschaftlich interessierte Schüler der neunten bis 13. Klasse aus ganz Deutschland in das Internationale Informatik- und Begegnungszentrum Sachsen (IBS) nach Laubusch eingeladen. Das IBS, welches über mehrere Seminarräume, Speisesaal, Küche und Unterkünfte verfügt, sei für einen solchen Workshop ideal, so Maja Riedel. Insgesamt 20 Plätze waren zu vergeben, die Nachfrage jedoch höher, sodass man den einen oder anderen leider habe vertrösten müssen, informiert die Organisatorin. Allerdings sollen in diesem Jahr noch drei weitere Workshops dieser Art stattfinden. Dann aber an anderer Stelle.

In dem renovierten Gebäude, in dem einst die Verwaltung der Brikettfabrik ihren Sitz hatte, wurden den Jugendlichen innerhalb von nur fünf Tagen die Grundlagen der Robotik in Theorie und Praxis vermittelt. "Robotik ist sehr interessant, weil Mathematik, Physik und Informatik gleichermaßen einfließen", begründet Neuntklässler Jan Natkowski seine Teilnahme. "Man musste eigentlich kein Vorwissen mitbringen. Nur Interesse für die physikalisch-technische Sache haben", fügt Klassenkamerad Michael Leopold vom Johann-Gottfried-Herder Gymnasium in Schneeberg hinzu. Die 20 Teilnehmer, darunter auch drei Mädchen, bauten nach den ersten zwei Theorie-Tagen bereits kleine fahrbare 3-Pi-Linienverfolger. Etwa handtellergroße Roboter, die einer auf den Tisch aufgeklebten Linie folgen. Am Donnerstag traten die Miniroboter der Schüler auf einem Parkour gegeneinander an. Programmierfehler wurden damit bestraft, dass der Roboter in einer Kurve geradeaus weiterfuhr oder "verwirrt" ins kreiseln geriet. "Von morgens bis abends, sogar in der Freizeit haben sich die Schüler mit dem Programmieren der Roboter beschäftigt", erzählt Maja Riedel.

Zum Thema:
Die Robo-School ist für die Teilnehmer kostenlos. Finanziert wird der Workshop vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ziel der TU Chemnitz ist es, junge Menschen für ein Studium aus dem MINT-(Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)Bereich an ihrer Universität zu begeistern. Hintergrund des Werbens ist die stetig rückläufige Zahl der Studienanfänger in diesen Fächern. Die Jugendlichen sollen in der Robo-School bereits einen Einblick bekommen, was sie bei einem Studium erwartet.