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| 16:45 Uhr

Sorbische Bräuche
Die Wiedergeburt des Ringreitens

Seit fünf Jahren verzichten die Halbendorfer auf einen alten Brauch. Jetzt gibt es Gedanken, das Ringreiten wiederzubeleben. Doch noch fehlt ein tüchtiger Macher an der Spitze. Von Torsten Richter-Zippack

Eine Ära ist zu Ende gegangen am 7. September 2013.  Denn an jenem Sonnabend hatte das vorerst letzte Ringreiten stattgefunden. Einem Neubeginn der aus dem Sorbischen stammenden Tradition würden sich die Einheimischen jedenfalls nicht verschließen. „Eigentlich wollten wir bereits in diesem Jahr eine Wiederauflage auf die Beine stellen“, sagt Andy Kowal, Vorsitzender des Halbendorfer Heimatvereins.

Angeboten hätte sich die Veranstaltung im Zuge der 90-Jahr-Feier der freiwilligen Feuerwehr Anfang September sowie des dann ebenfalls stattfindenden Treckerpullings. „Allerdings scheint es unter den Reitern kein Interesse mehr dafür zu geben. Denn wir bekommen nicht genügend Starter zusammen.“ Mehr noch: „Wir brauchen unbedingt einen Protagonisten, der sich dieser Tradition verschreibt und alle mitreißt. Doch bislang ist für diesen Posten noch niemand in Sicht“, so Kowal weiter. Der bisherige Macher, Lothar Kowal, stehe dafür nicht zur Verfügung.

Ines Kunzendorf, Projektmanagerin des Sorbischen Kulturtourismus-Vereins in Schleife, würde sich eine Wiederbelebung des Brauches sehr wünschen. „Das wäre ein Bekenntnis zu unserer Region.“ Ihr Verein würde eine neue Auflage unterstützen.

Beim Ringreiten durchqueren mehrere Reiter hoch zu Ross einen aufgestellten Torbogen. An diesem ist ein Ring aus Eichenblättern befestigt. Wer es als erster schafft, diesen zu durchstechen, hat gewonnen. Eine ähnliche Tradition gibt es im Dörfchen Dubring südlich von Hoyerswerda. Dort wird der Ring allerdings abgeschlagen. Darüber hinaus findet in vielen sorbischen/wendischen Dörfern der Niederlausitz von Mitte Juli bis in den September der Kokot, das Erntefest, statt. Beim Hahnenschlagen, wie der Brauch auf Deutsch genannt wird, müssen die Reiter einem an der Torpforte befestigtem toten Hahn den Kopf berühren oder abreißen. Der Brauch ist um Cottbus sowie in der Spreewaldregion bis heute sehr lebendig.

Der Halbendorfer Horst Scholta hatte einst das Ringreiten in seinem Heimatdorf moderiert. Aufgrund eines Unfalls während der Veranstaltung im September 2013 hätten sich die Protagonisten entschieden, die Tradition vorerst nicht weiter leben zu lassen. Damals war das Pferd eines Reiters aus Groß Düben gestolpert und hatte in diesem Zuge seinen Herren abgeworfen. Das Ross krachte auf ihn. Letztendlich musste der Mann mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Hoyerswerda geflogen werden. Nach dem Vorfall wurde das Ringreiten umgehend abgebrochen. Die Reittradition, so erinnert sich Horst Scholta, gibt es mindestens bereits seit sechs Jahrzehnten, anfangs auf dem damaligen Sandweg vor der örtlichen Schule. Scholta selbst lebt seit Ende der 1950er-Jahre in Halbendorf.

Indes, so findet Ines Kunzendorf, gehört das Ringreiten einfach zum Halbendorfer sorbischen Brauchtum dazu. Der Ort ist weithin für seine Vielfalt an sorbischen Traditionen bekannt. Dazu gehören unter anderem die Vogelhochzeit, das Zampern, der Ostereiermarkt, das Maibaumstellen, die Kirmes und natürlich das Christkind. Und beim Ringreiten hatten stets Mädchen in der Tracht des Schleifer Kirchspiels die Preise an die Erstplatzierten überreicht. An der bislang letzten Auflage des Brauches nahmen um die 20 Reiter aus der gesamten Region teil.

Vielleicht, so regt auch Kunzendorf an, könne der Brauch künftig aller zwei Jahre, jeweils im Wechsel mit dem Treckerpulling, stattfinden.