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Rietschener wollen großen Kinosaal behalten

Ein leidenschaftliches Plädoyer für den Erhalt des großen Kinosaals hielt Udo Zange, ehemaliger stellvertretender Bürgermeister.
Ein leidenschaftliches Plädoyer für den Erhalt des großen Kinosaals hielt Udo Zange, ehemaliger stellvertretender Bürgermeister. FOTO: dpr
Rietschen. Ein eindrucksvolles Bekenntnis für ihr Kino-Café lieferten am Dienstag rund 120 Rietschener. Gegenüber Bürgermeister und Gemeinderat forderten sie, das Kino behutsam zu renovieren und zu modernisieren – ohne dabei aber die jetzige Saalgröße zu verändern. Daniel Preikschat

Elke Knöfel von der Gemeinde Rietschen gab sich alle Mühe mit ihrem Vortrag im fast überfüllten Kino-Café-Vorführsaal. Aufgrund der weiter sinkenden Einwohnerzahl und des steigenden Durchschnittsalters ihrer Bürger, führte sie aus, müsse die Gemeinde kostengünstig seniorengerechte Wohnungen anbieten. Das Eckgrundstück Görlitzer Straße/Rothenburger Straße in zentraler Lage biete sich dafür an. Hinter dem Kinosaal sei Platz für einen Wohnungsneubau. Mit dem Abriss des ehemaligen Gasthauses "Lausitzer Eck", das an das Kino angebaut ist und seit Jahren leer steht, werde zudem eine schlecht einsehbare Bundesstraßenkreuzung für Autofahrer entschärft.

Soweit gab es im Saal allerdings auch nicht den geringsten Widerspruch. Der regte sich erst, als Elke Knöfel und Bürgermeister Ralf Brehmer (Freie Wähler) auf die wirtschaftlichen Nachteile hinwiesen, die sich ergeben, wenn der Saal im Zuge des Um- und Ausbaus seine jetzige Größe behält. Kosten für den Einbau digitaler Vorführtechnik und Gebäuderenovierung könnten bei derzeitiger Saalauslastung nicht wieder eingespielt werden. Zudem stünde weniger Fläche für den Bau der Wohnungen zur Verfügung, die sich über Mieteinnahmen refinanzierten. Den Kinobetreibern indes, das sei klar, wolle die Gemeinde auch weiterhin keine Miete abverlangen.

Ein Kulturangebot wie das in Rietschen, hielt Simone Schmidt von der 15-köpfigen Interessengemeinschaft "Erhalt Kino-Café Rietschen" dagegen, sei immer ein Zuschussgeschäft. Einfach einen Teil des Kinos abzuschlagen, um ihn zu vermieten, sei keine Lösung. "Im Cottbuser Staatstheater", sagte sie, "werden auch keine Teilflächen vermietet." Simone Schmidt sagte ganz klar: Wird der Saal auf die Hälfte zusammengestutzt, werde aus der Interessengemeinschaft kein Verein hervorgehen, der sich beim Betreiben des Kinos auch finanziell beteiligt. Auch Udo Zange, ehemaliger stellvertretender Bürgermeister in der Gemeinde, sieht eine "funktionierende Einrichtung" im Ortszentrum zerstört, wird aus dem Saal irgendein x-beliebiger kleiner Kino-Vorführsaal.

Auch Ortswehrleiter Bernd Weise und eine Reihe weiterer Bürger argumentierten geschlossen gegen eine Saalverkleinerung. So wie es ist, sei das Haus für Veranstaltungen aller Couleur flexibel nutzbar, nicht nur, um Filme zu zeigen. Die unbedingt erhaltenswerte historische Bausubstanz und die sehr persönliche Art, mit der das Kino von Helmut Fechner und Ingolf Schulz geführt wird, machten seinen einzigartigen Charme aus, hieß es weiter. Auf dem Grundstück könne wie geplant abgerissen und gebaut werden, auch ohne den Saal zu verkleinern.

Am Ende hätte die Botschaft für den Bürgermeister und die anwesenden Gemeinderäte nicht eindeutiger sein können. "Wir werden unsere Entscheidung überdenken", sagte Brehmer. Das sei ja gerade Ziel der Veranstaltung gewesen, ein klares Meinungsbild zu bekommen.

Kino-Betreiber Helmut Fechner freute sich. Er hätte nie damit gerechnet, dass sich so viele Rietschener um das Kino sorgen - und ihm aus dem Herzen reden.