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| 14:49 Uhr

Rietschener Zuchtbetrieb kämpft ums Überleben
Fischerfest diesmal ohne Fischzüge

Auf das Abfischen müssen die Gäste des Rietschener Fischerfestes in diesem Jahr verzichten.
Auf das Abfischen müssen die Gäste des Rietschener Fischerfestes in diesem Jahr verzichten. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Rietschen. Der Rietschener Zuchtbetrieb kämpft wegen der Dürre ums Überleben. Ein Fragezeichen steht hinter finanzieller Hilfe seitens des Freistaates. Immerhin: Die Qualität der Karpfen soll spitzenmäßig sein. Von Torsten Richter-Zippack

Normalerweise eröffnet Helmut Tusche das Rietschener Fischerfest mit dem Läuten einer Glocke am Dienstwiesenteich. Anschließend beginnt der erste von mehreren Fischzügen im Gewässer unmittelbar neben dem Erlichthof. Anders in diesem Jahr: „Wir können keinen Fischzug zeigen“, sagt der Fachmann von der Fischzucht Rietschen GmbH. Der Grund: „Wir mussten den Dienstwiesenteich bereits im Sommer not­abfischen. Dort befindet sich kein Wasser mehr“, erklärt Helmut Tusche.

Dass es von April bis September kaum regnete, hat der Experte in seinen 45 Berufsjahren als Fischer noch nie erlebt. „Die Klimaveränderung ist eine angesagte Sache, denn die Extreme nehmen immer mehr zu. Darauf müssen wir uns irgendwie einstellen.“

Die Rietschener mussten von ihren insgesamt 36 Teichen mit einer Gesamtwasserfläche von rund 350 Hektar bereits ein Siebtel notabfischen. Die entsprechenden Gewässer boten den Kiemenatmern nicht mehr ausreichend Wasser. Immerhin: „Durch diese Maßnahmen sind keine Fische eingegangen“, sagt Tusche. Denn die Tiere wurden rechtzeitig in andere Teiche mit mehr Wasser umgesetzt. Normalerweise beginne das eigentliche Abfischen bereits Ende August. In diesem Jahr seien die Rietschener davon weit entfernt. „Wir hoffen, dass es im Oktober losgeht“, glaubt Helmut Tusche. Denn auch die Hälterungsteiche enthalten nicht genügend Wasser. Dort werden die Fische bis zum Verkauf aufbewahrt. „Unser Problem ist, dass wir oberhalb von Rietschen keine Stauseen oder großen Speicherbecken haben, die während der Dürre Wasser einspeisen können“, erklärt Helmut Tusche. Daher gelte es in Zukunft, jeden Wassertropfen zurückzuhalten.

Der Experte erwartet für 2018 eine durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Ernte. Über Zahlen wolle er zum jetzigen Zeitpunkt nicht spekulieren. Aber: „Die Qualität der Karpfen ist hervorragend“, sagt Tusche. Aufgrund des heißen Sommers wurde die Nahrungszufuhr in die Teiche reduziert. So haben die Tiere weniger Fett angesetzt. Sie dürften also kleiner ausfallen, seien dafür umso schmackhafter. Ob die Verkaufserträge ausreichen werden, den laufenden Betrieb aufrechtzuhalten, kann Helmut Tusche derzeit noch nicht beurteilen. Auf jeden Fall müsse sein Betrieb mächtig kämpfen. Er hofft inständig, dass es im kommenden Jahr erheblich mehr Niederschläge geben möge.

Indes gibt es vonseiten der sächsischen Landesregierung noch keine Meldung auf mögliche finanzielle Unterstützung der betroffenen Teichwirte. „Diese Hilfe wurde bereits angemahnt“, sagt Helmut Tusche. Im Dresdner Umweltministerium hält man sich noch zurück: „Die Einbußen der Teichwirtschaft können erst nach den Abfischungen seriös beziffert werden“, erklärt Sprecherin Bianca Schulz. „Dennoch lässt sich schon jetzt abschätzen, dass sie in einigen Unternehmen empfindlich sein werden.“ Die Landtagsabgeordnete Katrin Kagelmann (Linke) hatte sich im August in Rietschen und Umgebung selbst ein Bild von der Lage gemacht. Sie sagte damals zu, die prekäre Situation der Teichwirte auf Landesebene anzusprechen. „Diesen Auftrag habe ich erfüllt“, erklärt die Politikerin. Bereits Ende August hatte sich der Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft des Landtages verständigt, zeitnah eine Anhörung zum Thema Dürrefolgen in Sachsen durchzuführen.

Karsten Tusche, Geschäftsführer der Fischzucht Rietschen GmbH, ist dort als einer von neun Sachverständigen tätig. „Ich erwarte, dass sich die Staatsregierung auf die Beiträge der Sachverständigen stützen wird, um weitere konkrete Maßnahmen der Unterstützung der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft in Sachsen abzuleiten. Spätestens in der nächsten Ausschusssitzung am 2. November werde ich die Umsetzung beziehungsweise neue Entwicklungen hinterfragen“, kündigt Katrin Kagelmann an.

Helmut Tusche will indes während des Rietschener Fischerfestes am 29. September den Gästen via Infotafel erklären, warum es dieses Mal keinen Fischzug geben kann. „Dennoch dürfen sich die Leute auf schmackhaften Fisch freuen, denn wir haben kleinere Teiche bereits beerntet“, so der Experte.