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| 16:07 Uhr

Radwegekonzept
Wegebau könnte doch so einfach sein, ist er aber nicht

Für einen neuen Radweg zwischen Rietschen und Daubitz müsste sich erst die Gesetzeslage ändern. Archivfoto: dpa
Für einen neuen Radweg zwischen Rietschen und Daubitz müsste sich erst die Gesetzeslage ändern. Archivfoto: dpa FOTO: dpa / Swen Pförtner
Rietschen. In Rietschen sollen neue Radwege entstehen. Dazu braucht es jedoch Schützenhilfe von oben. Von Christian Köhler

Es könnte alles sehr einfach sein: Einen Radweg planen, dann bauen und ihn schließlich benutzen. Denkste! So einfach geht das nicht. In Rietschen wird einmal mehr deutlich, was passiert, wenn Gesetze erlassen werden, deren Absichten sicher gut gemeint, aber in vielerlei Hinsicht nicht an den ländlichen Raum angepasst sind.

Ein Beispiel: Seit Jahren schon wünschen sich die Rietschener einen Radweg von der Gemeinde aus über Neuhammer nach Daubitz. Platz ist dafür genug da. Auch die Gemeindeverwaltung steht dahinter. „Wir würden gern dort einen Radweg bauen“, erklärte Bürgermeister Ralf Brehmer (parteilos) schon vor mehr als einem Jahr. Eigentlich könnte längst losgebaut werden. Passiert ist aber bislang noch nichts. Dass es nicht so einfach ist, liegt nicht etwa daran, dass die Gemeindeverwaltung zerfahren ist oder man nicht hinter der Sache stehen würde, sondern wegen eines Gesetzes, dass den Rietschenern schon seit einiger Zeit das Leben erschwert.

„Der Gesetzgeber schreibt vor, dass wir den Radweg erst bauen können, wenn auf beiden Seiten der Fahrbahn ein Fußweg existiert“, erläutert der Bürgermeister während der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses. Nun ist die Verbindungsstraße zwischen Rietschen und den beiden Ortsteilen alles andere als Hauptverkehrsader wie etwa die Frankfurter Allee in Berlin. Dort ist es wegen des Verkehrsaufkommens sicher sinnvoll, wenn Radfahrer nicht auf einer Seite der Straße in beide Richtungen unterwegs sind. Aber in Rietschen? Zwar spricht es niemand in der Sitzung aus, aber offensichtlich zweifeln Räte und Verwaltung daran, dass es sinnvoll ist, einen neuen Fußweg zu errichten.

Und die Bürger? Die wünschen sich immer noch einen Radweg an jener Stelle. Das ist auch das Ergebnis einer Umfrage, die die Gemeinde noch im August im Ort durchführen ließ. „Wir konnten anhand der Rückmeldungen mehrere Schwerpunkte ausmachen, die den Bürgern besonders am Herzen liegen“, erklärt Ralf Brehmer. Knapp 70 Prozent der Umfrageteilnehmer wünschen sich danach jene Radewegeverbindung. „Wir schlagen nun vor“, so erklärt der Bürgermeister weiter, „auf einer Seite einen sehr breiten Fußweg anzulegen und setzen darauf, dass sich die Gesetzeslage ändert. Dann stellen wir auch entsprechende Schilder auf.“ Denn dass gerade im Ortsteil Neuhammer die Radfahrer wegen der Verkehrsführung einer besonderen Gefahr ausgesetzt sind, darauf macht auch Gemeinderat Gerd Wenzel (Freie Wähler) aufmerksam. Brehmer erklärt daraufhin, dass man die Maßnahme im Zuge der Erneuerung eines Teilabschnittes der Straße zwischen 2021 und 2023 angehen werde. In diesem Zeitraum nämlich will sich der Landkreis der Straße annehmen, in dessen Zuge auch etwas für Sicherheit der Radfahrer getan werden könne. „Denn ich denke, es ist unstrittig, dass Radfahrer auf Radwegen sicherer unterwegs sind als auf der Straße“, so Brehmer.

Jene Maßnahme ist nicht die einzige, die in den kommenden Jahren angegangen werden soll. Im Folgenden sind einige aufgezählt: Ein Radweg soll zwischen Nieder Prauske und Rietschen entlang der Bautzener Straße entstehen. Die Maßnahme ist für 2019 oder 2020 geplant. Im gleichen Zeitraum soll auch in Daubitz an der Alten Muskauer Straße einer gebaut werden. In den Haushaltsplan eingestellt ist ebenso die Aufstellung eines Spiegels in der Nähe der Sparkasse in Rietschen für das kommende Jahr. Was aus einer besseren Anbindung des Radweges an der B 115 an der Einfahrt zu den Heidehäusern wird, sei dagegen noch nicht klar.

Ebenfalls ungeklärt ist der Umgang mit dem Wunsch einiger Umfrageteilnehmer, am Rietschener Bahnhof Schließboxen für Fahrräder aufzustellen. „Dort stellen die Leute kaum ihre Räder ab, weil sie Angst haben, dass diese dort gestohlen werden“, deutet Torsten Lohrenscheit (WfR) an. Das spiegelt auch das Umfrageergebnis wider. 76 Prozent der Rietschener gaben  an, ihr Rad aus Angst vor Diebstahl nicht abzustellen. „Wir kennen das Problem, aber die Frage ist, was machen wir?“, fragt Bürgermeister Ralf Brehmer in die Runde – immerhin haben sich bei der Umfrage 17 Prozent der Teilnehmer für Schließboxen ausgesprochen. Man einigte sich im Ausschuss darauf, nochmals die Möglichkeiten und die Folgekosten zu prüfen. Ohnehin werde die vorberatene Problematik der Radwege nochmals in den Gemeinderat gebracht, bevor tatsächlich feststeht, wie weiter verfahren wird.

Eines aber wolle man, so Bürgermeister Ralf Brehmer, sofort angehen. „Das betrifft die Forderung, die Radwege häufiger zu kehren.“ Das sei umgehend an den Bauhof der Gemeinde weitergegeben worden.

Wo genau zusätzliche Fahrrad­ständer aufgestellt werden, das haben die Bürger ebenfalls vorgeschlagen: an den Bushaltestellen am Gemeindeamt, an der Kirche oder am Kino. Erfreulich dagegen für die Gemeinde jedoch ist, dass die Rietschener das Radewegenetz innerhalb der Ortschaft als überwiegend positiv bewerten (50 Prozent gut, 40 Prozent mittel und zehn Prozent schlecht).