ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:21 Uhr

Ehrung
Rietschen wird fürs Energiesparen ausgezeichnet

Rietschen kann sich beim European Energy Award über die nächste Preisstufe freuen. Sie hat Gold erreicht. Am Montag findet die Preisübergabe in Dresden statt. Dann gibt es eine neue Trophäe für das Zimmer des Bürgermeisters. Foto: Regina Weiß
Rietschen kann sich beim European Energy Award über die nächste Preisstufe freuen. Sie hat Gold erreicht. Am Montag findet die Preisübergabe in Dresden statt. Dann gibt es eine neue Trophäe für das Zimmer des Bürgermeisters. Foto: Regina Weiß FOTO: Regina Weiß / LR
Rietschen . Beim Europäischen Energiepreis lässt die ostsächsische Kommune sogar Leipzig hinter sich. Am Montag, 6. November, gibt es dafür eine Auszeichnung. Von Regina Weiß

Wilfried Tielsch ist ein Fachmann. Seine Kläranlage kennt er aus dem Effeff. Vor zwei Jahren wurde in der Abwassereinigungsanlage der Gemeinde Rietschen eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 20,4 KW installiert. Auch wenn die Rahmenbedingungen, was die Strompreisvergütung betrifft, längst nicht mehr so ideal sind, hat die Anlage doch ihr Gutes. Sie hilft mit, dass die Rietschener weit und breit seit Jahrzehnten einen der besten Abwasserpreise haben „Wir sind beitragsstabil beim Trink- und beim Abwasser“, unterstreicht auch Bürgermeister Ralf Brehmer (Freie Wähler).

Dass auch deshalb, weil sich die Rietschener schon vor Jahren klimaschutzpolitisch auf den Weg gemacht haben. Dieser Weg wird nun am Montag im Hygienemuseum Dresden mit einer besonderen Ehrung belohnt. Rietschen hat sich in diesem Jahr zum ersten Mal dem Goldaudit beim Europäischen Energiepreis (European Energy Award) gestellt und ist auf Anhieb Sachsenmeister geworden. Bei möglichen 100 Prozent landete Rietschen in Auswertung seiner Maßnahmen und Investitionen bei 81,9 Prozent. Damit ist sie die vierte Kommune in Sachsen, die diese Erfolgsstufe erreicht hat. Nach Chemnitz und Delitzsch in den Vorjahren wird die ostsächsische Kommune nun gemeinsam mit Leipzig ausgezeichnet. Allerdings landet die Stadt an der Pleiße hinter Rietschen.

Vor 15 Jahren hat Rietschen das erste Konzept aufgestellt und seitdem immer weiter an dem Thema gearbeitet. „In Rietschen wird die Entwicklung gelebt“, lobt Energieberater Roland Michler das Durchhaltevermögen. Denn es geht auch anders. Umfragen aus Nordrhein-Westfalen zeigen, dass 90 Prozent solcher Konzepte im Papierkorb landen. In Rietschen dagegen wurden viele Vorhaben in die Tat umgesetzt, auch wenn nicht alle Blütenträume aufgingen. Ralf Brehmer spricht von einem Veränderungsprozess in einem Ort, der dem Ort und seinen Menschen aber auch etwas bringt. Da könne man noch so viel über die Reduzierung von Kohlendioxid reden, beim Bürger kommt es an, wenn Kosten über Jahre konstant bleiben oder im besten Fall sogar Geld eingespart werden. Wobei der Gemeindechef aber auch zugibt, dass sich nicht alles in Geld messen lasse.

Mehrere energetische Meilensteine haben die Rietschener in den vergangenen 15 Jahren gemeistert. Sanierung des Kindergartens und der 27 Wohneinheiten in der Straße am Wasserwerk, Aufbau von Solaranlagen und der Bau der Wolfsscheune mit passivhaustauglichen Elementen und die hochwertige Sanierung kommunaler Gebäude. Der Bau der Dorfheizung in Daubitz im Jahr 2013 war gleichzeitig die erste Energiegenossenschaft in Sachsen auf der Basis Wärme. In dem Berechnungstool liegt Rietschen bei 95 Prozent und damit ganz weit vorn. 2015 wurde das Energie- und Klimaschutzkonzept fortgeschrieben. Es ist die Grundlage für die nächsten Jahre. Auch wenn Rietschen seit 2014 stromseitig bilanziell autark ist und für die öffentlichen Gebäude sowie die Straßenbeleuchtung 40 Prozent gelabelten Ökostrom bezieht, ist das noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Das nächste Großprojekt soll die Umstellung der Straßenbeleuchtung werden. Zwar wird in der Zeit von 23 bis 4.30 Uhr in Rietschen in dem Bereich viel Strom gespart – weil die Beleuchtung dann aus ist – aber es geht noch mehr. Leuchten an Hauptverkehrsadern sollen in einem ersten Schritt mit LED-Lampen ausgerüstet werden. Das kostet allein rund 250 000 Euro. Rietschen rechnet mit 150 000 Euro Fördermitteln. Dann sollen weitere Lampen folgen. Insgesamt sind es über 900, die Rietschen umstellen will. Darüber muss nun der Gemeinderat entscheiden.

Außerdem ist die Gemeinde im Fördermittelrennen um eine weitere Dorfheizung. Diese könnte für die Wärmeversorgung der Rietschener Wohnblöcke, von Kino, Sporthalle und Fema sorgen. Die Leitungen dafür hat man vorsorglich bei der Sanierung der B 115 schon mit verlegen lassen.

Wie Antje Fritzsche von der Sächsischen Energieagentur GmbH sagt, ist eine Entscheidung dazu voraussichtlich erst Ende 2018 möglich. Aber auch ohne dieses neue Projekt sei die Erfolgsquote in Rietschen schon außergewöhnlich. Dafür gibt es nun Gold. In Form von neu umrandeten Straßenschildern und einer „Trophäe“ fürs Bürgermeisterbüro. Und der Ansporn, sich in vier Jahren wieder der Zertifizierung zu stellen.

Dann könnte es auch E-Autos geben. Für die Gemeindeverwaltung und auch für das Klärwerk Rietschen sind diese angedacht. Doch noch winkt Wilfried Tielsch bei dem Thema ab. Sein Dienstauto tut noch gute Dienste. Aber wenn Elektroauto, dann mit eigener solarbetriebener Ladestation.