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| 20:52 Uhr

Dürre in der Lausitz
Rietschener Teichwirte müssen ihre Fische retten

 Auch der Birkwiesenteich bei Rietschen musste teilweise notabgefischt werden.
Auch der Birkwiesenteich bei Rietschen musste teilweise notabgefischt werden. FOTO: Torsten Richter-Zippack / Torsten RIchter-Zippack
Rietschen. Auch der Regen der vergangenen Tage hat nicht geholfen. Nach wochenlanger Dürre mangelt es nach wie vor an Wasser. In Rietschen müssen Teichwirte nun zum Notfallplan greifen. Von Torsten Richter-Zippack

17 Liter: So viel Regen ist pro Quadratmeter am Sonntagabend und am Montagmorgen in Rietschen gefallen. Wer nun glaubt, der extreme Wassermangel im neun Gewässer zählenden Rietschener Teichgebiet habe sich damit erledigt, der irrt. Das sagt Dr. Karsten Tusche, der gemeinsam mit seinem Vater Helmut Tusche die Geschäfte der Fischzucht Rietschen GmbH führt. „Wir bräuchten über 300 Liter pro Quadratmeter, um das Trockendefizit einigermaßen auszugleichen“, erklärt der Experte.

70 Zentimeter weniger Wasser als sonst

Die Folgen der Dürre sind verheerend. Bereits zwei Teiche der neun Gewässer innerhalb der Teichgruppe Rietschen mussten notabgefischt werden, ein dritter zumindest teilweise. Der Hauptgrund: „Das Wasser reicht den Fischen nicht mehr zum Leben“, erklärt Karsten Tusche. Lediglich durch den Weißen Schöps, die Raklitza und diverse Gräben wird das Gebiet gespeist. Doch auch in diesen Gewässern gibt es nur noch wenig Wasser. Schlimmer noch: Das wenige Teichwasser strömt in die tiefer gelegenen Gräben und wird abtransportiert.

 Hier zeigt Teichwirt Karsten Tusche einen geretteten Karpfen.
Hier zeigt Teichwirt Karsten Tusche einen geretteten Karpfen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
 Hier zeigt Teichwirt Karsten Tusche einen geretteten Karpfen.
Hier zeigt Teichwirt Karsten Tusche einen geretteten Karpfen. FOTO: Torsten Richter-Zippack

So präsentiert sich der 1,3 Hektar große Waldteich, der sich rund einen halben Kilometer hinterm ­Rietschener Erlichthof erstreckt, jetzt ohne Wasser. 30 bis 40 Zentimeter hoch stand das lebenswichtige Nass dort zuletzt, normal wären 1,20 Meter. Im Extremfall können pro Tag schon mal sechs bis sieben Zentimeter Wasser durch Verdunstung und durch die Pflanzenaufnahme verschwinden.

Fische drohten zu ersticken

„Wir mussten die Karpfen notabfischen, ansonsten hätten sie nicht mehr genügend Sauerstoff atmen können“, erklärt Karsten Tusche. Darüber hinaus werden jetzt im Spätsommer die Tage kürzer und die Nächte länger, sodass die Pflanzen nicht mehr so viel Sauerstoff produzieren können.

Um den Fischen Stress zu ersparen, wird im Herbst abgefischt, wenn die Temperaturen niedriger sind. Wenn im Sommer notabgefischt werden muss, dann erfolgt dies bereits in den frühen Morgenstunden.

Die Satzkarpfen aus dem Rietschener Waldteich bringen durchschnittlich nur 300 statt normaler­weise 400 Gramm auf die Waage. Sie werden jetzt in andere Teiche, die mehr Wasser enthalten, umgesetzt. Dort dürfen die Tiere bis zum Herbst 2020 weiterleben, ehe sie erntereif sind, wie die Teichwirte zu sagen pflegen.

Noch mehr unter der Trockenheit haben indes Edelfische wie Barsche, Zander und Hechte zu leiden. „Sie benötigen mehr Sauerstoff als Karpfen“, begründet Karsten Tusche. Viele dieser Kiemenatmer hatten bereits den vergangenen Sommer nicht überlebt. „Obwohl wir nur gut zehn Prozent Edelfische produzieren, bringen diese 30 bis 40 Prozent des Ertrages“, verdeutlicht Tusche die Dramatik.

Von den insgesamt 50 Teichen mit einer Gesamtwasserfläche von 260 Hektar, die sein Unternehmen bewirtschaftet, können lediglich fünf belüftet werden. Dadurch fallen aber weitere Kosten an.

Kann Schaufischen stattfinden?

Indes machen Karsten und Helmut Tusche Mut für das traditionelle Schaufischen am letzten September-Wochenende im Dienstwiesenteich am Erlichthof. „Wir werden alles tun, damit diese Veranstaltung am 28. September stattfinden kann“, kündigt Helmut Tusche an. Im vergangenen Jahr fand zwar das Fischerfest statt, doch musste das Schaufischen ausfallen. Der Grund: Der Teich war ausgetrocknet.

 Auch der Birkwiesenteich bei Rietschen musste teilweise notabgefischt werden.
Auch der Birkwiesenteich bei Rietschen musste teilweise notabgefischt werden. FOTO: Torsten Richter-Zippack / Torsten RIchter-Zippack