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| 17:04 Uhr

Rietschen
Pfarrerin ist keine Alleinunterhalterin

 Katharina Ende ist seit Jahresbeginn neue Pfarrerin in Rietschen. Am Sonntag wird sie im Gottesdienst vorgestellt.
Katharina Ende ist seit Jahresbeginn neue Pfarrerin in Rietschen. Am Sonntag wird sie im Gottesdienst vorgestellt. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Rietschen. Katharina Ende heißt die neue Kirchenfrau im Pfarrsprengel Weißer Schöps. Die 32-Jährige will die Gläubigen mehr in die Gottesdienste einbinden. Von Torsten Richter-Zippack

Seit Jahresbeginn ist im Pfarrsprengel Weißer Schöps mit Katharina Ende eine neue Pfarrerin tätig. Die 32-Jährige wird diesen Sonntag (20. Januar, 10 Uhr) während des Jugendgottesdienstes der Konfirmanden von Superintendent Dr. Thomas Koppehl der Gemeinde vorgestellt. Damit geht für die Kirchenfrau ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung: „nämlich in die Heimat zurückzukommen“, sagt Katharina Ende. Mehr noch: Rietschen sei für die gebürtige Görlitzerin, die im benachbarten Ludwigsdorf aufwuchs, keineswegs unbekannt. „Denn der ehemalige Pfarrer Ulrich Wollstadt war der Patenonkel meines älteren Bruders. Da sind wir ein, zwei Mal im Pfarrhaus zu Besuch gewesen“, erinnert sich Katharina Ende. Genau dieses Gebäude wird jetzt zur neuen Heimat für die junge Frau. Darüber hinaus freue sie sich auf das Leben im Dorf. „Ich möchte die Natur erleben“, begründet die 32-Jährige ihre Intention. Kein Wunder, war sie doch über viele Jahre in der Ferne unterwegs, davon etliche Jahre in Berlin-Friedrichshain. Im Herzen der Millionenstadt durchlief Katharina Ende ihr Vikariat, den kirchlichen Vorbereitungsdienst. „Eine sehr spannende Zeit“, urteilt sie heute. „Arm und reich, friedliche Menschen und Gewalt - einfach eine extreme Gegend.“

Rietschen dagegen besteche mit seiner Beschaulichkeit fernab der großen Metropolen. Und mit seinen offenen, warmherzigen Menschen. Rund 1800 Gemeindeglieder leben im Pfarrsprengel Weißer Schöps, zu dem neben der Rietschener vier weitere Predigtstätten gehören. „Ich bin dabei, alle zu erkunden“, gibt Katharina Ende zu.

Was die Gläubigen künftig von der „Neuen“ erwarten können? „Nun, sie können sich darauf einstellen, dass vieles traditionell weiter läuft wie bisher. Aber es soll auch einen gewissen Hang zu Irritationen geben, einen Hang zum Fragen stellen“, kündigt die Kirchenfrau an. Oftmals, so Ende, reiche es nicht, sich nur mit einer Antwort zu begnügen. Stattdessen fordere das Christentum immer wieder zum Hinterfragen auf. Beispiele seien Fragen nach dem Sinn des Lebens. Oder was die Gläubigen nach dem Tod erwarte. Oder anders ausgedrückt: „Ich sehe mich vor der Gemeinde nicht als Alleinunterhalterin. Die Ansichten der Menschen in der Kirche sind mir sehr wichtig“, stellt Katharina Ende klar. Genau diese Themen bewegen die Tochter eines Funkmechanikers und einer medizinisch-technischen Assistentin bereits seit Kindheitstagen. „Meine Mutter war oft mit mir in der Kirche“, erinnert sich Katharina Ende. „Dabei reifte in mir der Traum, selbst einmal vor dem Altar zu stehen und die Liturgie zu singen.“

Nach dem Abitur ging die Rand-Görlitzerin zunächst für ein diakonisches Jahr in die Westukraine. Bei der dortigen ungarischen Minderheit erlernte sie deren Sprache. Anschließend folgte an verschiedenen Hochschulen über neun Jahre das Studium der Theologie. „Meinen ersten Gottesdienst hielt ich übrigens auf Ungarisch in der Karpato-Ukraine im Rahmen meines Auslandsstudiums“, sagt Katharina Ende. Nach ihrem erfolgreichen Studienabschluss als Diplom-Theologin trat die Lausitzerin mit einer Freundin eine Pilgerreise über fast 400 Kilometer von Assisi nach Rom an. „Davon habe ich lange gezehrt“, resümiert Ende. Es folgte das Vikariat in Berlin, anschließend ein Auslandsvikariat in Rumänien und seit Jahresbeginn 2019 eben Rietschen.

Zwei Jahre dauert ihr Dienst in den Schöpsdörfern. Was danach wird, kann Katharina Ende derzeit noch nicht sagen. Nur so viel: „Ich war lange in der Fremde unterwegs. Ich möchte wieder auf Dauer in der Lausitz leben, vielleicht auch in Riet­schen. Aber das lässt sich nicht erzwingen.“ Neben ihren Kirchen und ihren Gläubigen freut sich die alleinstehende Frau, dass in Rietschen erstaunlich viel los sei. Besonders, dass der Ort mit einem Kino aufwarten kann, sei für die begeisterte Kinogängerin ein Segen. Und demnächst wolle sie sich unbedingt den Erlichthof mit seinem Schrotholzhaus-Ensemble näher ansehen.