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Rietschen
In der Theaterscheune ist schon Weihnachten – für ein Wochenende

Die Klöpplerinnen Margit Wagner und Liane Hesse präsentieren in der Theaterscheune auf dem Erlichthof ihre traditionelle Handwerkstechnik.
Die Klöpplerinnen Margit Wagner und Liane Hesse präsentieren in der Theaterscheune auf dem Erlichthof ihre traditionelle Handwerkstechnik. FOTO: amz
Rietschen. Das Erzgebirge präsentiert sich auf dem Rietschener Erlichthof.

Der Kalender zeigt zwar erst Ende Oktober, doch in der Rietschener Theaterscheune herrscht bereits Weihnachtsstimmung. Zumindest für ein Wochenende. Denn jetzt hat sich ein knappes halbes Dutzend Kunsthandwerker auf dem Erlichthof präsentiert. Von Beginn an dabei ist André Uhlig. Der Seiffener Unternehmer hat allein acht Stunden für den Aufbau seines Standes benötigt. Kein Wunder, finden sich darunter filigrane Kunstwerke wie handgearbeitete Schwibbögen, Pyramiden und vor allem Heerscharen von Engeln. Neu in diesem Jahr, so Uhlig, seien mehrere „Musik-Engel“. Einer halte ein Notenblatt, ein anderer ein Xylophon und der dritte im Bunde einen weiteren musikalischen Gegenstand. „Innerhalb von zehn Tagen erwecken wir einen Engel zum Leben, wenn die entsprechenden Materialien vorhanden sind“, rechnet André Uhlig vor. Kein Engel gleiche seinem Nachbarn in Gänze. Wer aufmerksame Augen hat, finde immer wieder winzige Unterschiede. Das sei eben der Vorteil der Handarbeit. Insgesamt, so André Uhlig, könne seine Firma fast 1000 verschiedene Figuren herstellen.

Obwohl die Lausitz traditionell als Osterland und nicht unbedingt als Weihnachtsgegend gilt, sei das Interessen der Einheimischen an den entsprechenden Kunstartikeln groß, sind sich die Erzgebirgler in der Theaterscheune einig. Figuren-Sammler gebe es ohnehin überall. In manchen Jahren lägen Pyramiden im Trend, dann wieder Schwibbögen. Zudem mögen es manche Lausitzer modern, selbst Glas-Schwibbögen fänden immer mehr Käufer.

Erstmals in Rietschen präsent sind Margit Wagner und Liane Hesse. Die beiden Klöpplerinnen, ebenfalls aus Seiffen, fertigen neben dem klassischen Weihnachtsbaumschmuck auch Kunst für die übrige Zeit des Jahres an, beispielsweise reizvolle Schmetterlinge, neuerdings auch dreidimensional. „Drehen, kreuzen, drehen; so geht das Klöppeln“, erklärt Margit Wagner den Gästen. Das Erzgebirgs-Duo ist indes von der Erlichthofsiedlung sehr angetan: „Die Häuschen sehen richtig niedlich aus. Und was uns besonders freut: Überall herrscht Leben“, bringt es Liane Hesse auf den Punkt. Die Klöpplerinnen laden in diesen Zusammenhang die Lausitzer zur Weihnachtszeit in ihre Heimat ein. „In Seiffen ist es dann wirklich so romantisch wie auf den Postkarten“, weiß Margit Wagner. Alle Hobbyhandwerker würden im Advent ihre Türen öffnen. Zudem sei das ganze Dorf ein einziger Weihnachtsmarkt. Kleiner Wermutstropfen: Der Schnee habe sich in den vergangenen Jahren rar gemacht. Weiß sei es immer erst nach den Feiertagen geworden.

Einziger Lausitzer Kunsthandwerker in der Theaterscheune ist Udo Moderegger. Der Görlitzer stellt seit sieben Jahren unter anderem Weihnachtsbäumchen in der Lockentechnik her. Darüber hinaus fertigt er auch Scherzartikel an, beispielsweise kleine Häuschen mit Herz, in die man eine Räucherkerze stellen kann. „Das wird sehr gern gekauft, um jemanden mit einer neuen Wohnung zu überraschen“, berichtet Moderegger.

Die Gäste sind vom Angebot der Kunsthandwerker jedenfalls begeistert. Beispielsweise Karin Falkenhan, die extra aus Guben nach Rietschen gefahren ist. „Ich habe selbst eine Engel-Sammlung. Und für mein Fenster ist dieses wunderschöne Klöppel-Kunstwerk.“

Bereits am 12. November treffen sich in der Rietschener Theaterscheune erneut die Kunsthandwerker. Dann sind die Kreativkünstler am Zuge. Sieben Aussteller hätten bereits zugesagt, teilt die Tourist-Information vom Erlichthof mit.

(amz)